Als Armin Panzer im Herbst 2025 die Diagnose Blutkrebs erhält, ist das für ihn und seine Frau Uli ein Schock. Seit 36 Jahren sind die beiden verheiratet. Plötzlich steht die Frage im Raum, wie viel Zeit ihnen noch gemeinsam bleibt. Eine klassische Krebsbehandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung kommt für Panzer zunächst nicht infrage. Dann erfährt er von einer Studie, an der auch die Uniklinik Würzburg beteiligt ist. Er bewirbt sich. Wenige Tage später erhält er die Zusage. "Für uns war klar: Wir ziehen das durch", erinnert er sich.
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Neue Hoffnung für Blutkrebspatienten
In der Studie geht es um die sogenannte CAR-T-Zelltherapie. Dabei handelt es sich um eine Form der Immuntherapie, bei der körpereigene Abwehrzellen gegen den Krebs eingesetzt werden. An der Uniklinik Würzburg forschen mehrere Teams am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie an dieser Methode.
Prof. Michael Hudecek erklärt, die Therapie habe vor allem bei bestimmten Formen von Blutkrebs bereits beachtliche Erfolge erzielt. Hoffnung macht das Patientinnen und Patienten mit Leukämien, Lymphomen oder bestimmten Formen von Knochenmarkkrebs. "Noch vor wenigen Jahren sind solche Behandlungserfolge nicht denkbar gewesen."
Wie die CAR-T-Zelltherapie funktioniert
Für die Behandlung wird zunächst Blut entnommen. Daraus isolieren die Forschenden bestimmte weiße Blutkörperchen, sogenannte T-Zellen. Diese spielen eine wichtige Rolle in der körpereigenen Immunabwehr. Im Labor werden die T-Zellen gentechnisch verändert. Sie erhalten einen künstlichen Rezeptor, den sogenannten CAR. Dieser hilft den Abwehrzellen, Krebszellen gezielt zu erkennen. Die Schwierigkeit dabei: "Für jede Krebsart müssen wir zunächst geeignete Moleküle finden, die nur auf den Tumorzellen vorkommen und nicht auf gesundem Gewebe", erklärt Hudecek. Nach der Veränderung werden die CAR-T-Zellen wieder in den Körper des Patienten zurückgegeben. Dort suchen sie gezielt nach Krebszellen und zerstören diese. Die Abwehrzellen setzen dabei Stoffe frei, die die Tumorzellen angreifen und letztlich abtöten.
Wirksam, aber nicht ohne Risiken
Die eigentliche Behandlung dauert nur rund eine halbe Stunde. Ganz ohne Nebenwirkungen ist sie jedoch nicht. Armin Panzer erinnert sich an mehrere Tage, an die er selbst keine Erinnerung mehr hat. Seine Frau berichtete später von neurologischen Aussetzern und Verwirrtheit. Solche Reaktionen sind bei der Therapie bekannt und werden medizinisch eng überwacht. Trotzdem hat sich die Behandlung für ihn gelohnt.
Nur auf den ersten Blick teuer
Rund 300.000 Euro kostet eine CAR-T-Zelltherapie derzeit. Auf den ersten Blick erscheint das viel. Fachleute verweisen jedoch darauf, dass sich durch eine erfolgreiche Behandlung häufig weitere Therapien und lange Krankenhausaufenthalte vermeiden lassen. Hudecek: "Es ist auch für das Gesundheitssystem eine preislich interessante Therapie, weil man sich viele konventionelle Therapien erspart."
Die Forschenden arbeiten außerdem daran, die Methode weiterzuentwickeln. Ziel ist es, die Therapie künftig für deutlich mehr Patienten und möglicherweise auch für weitere Krebsarten nutzbar zu machen.
Ein halbes Jahr später immer noch krebsfrei
Dass die Therapie bei Panzer bereits beim ersten Versuch erfolgreich war, ist nicht selbstverständlich. Bei manchen Betroffenen kehrt die Krankheit zurück. Für den Fotografen aus Wiesentheid aber hat die Behandlung bislang funktioniert. Ein halbes Jahr nach der Therapie gilt er als krebsfrei. Für ihn ist klar, wem er das neben den Ärzten und Forschenden zu verdanken hat: seiner Frau, seiner Tochter und seinem Hund. "Ohne meine Familie hätte ich das niemals geschafft."
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