Skifahrer springt über Schanze
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BR-Reporter Alex Brutscher springt über eine Schanze - damals war sein Schienbein noch heil.
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BR-Reporter Alex Brutscher springt über eine Schanze - damals war sein Schienbein noch heil.

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Neustart nach Bergsportverletzung – Worauf muss man achten?

Neustart nach Bergsportverletzung – Worauf muss man achten?

Ob beim Skifahren, Radeln oder Klettern – wer sich bei einem Sturz verletzt, hat mitunter nicht nur mit den körperlichen Folgen des Unfalls zu kämpfen. Selbst wenn der Körper wieder mitspielt, kann der Kopf blockieren. Was man dagegen tun kann.

Über dieses Thema berichtet: Rucksackradio am .

Man fühlt sich wieder fit, der Arzt hat grünes Licht gegeben, und trotzdem traut man sich nicht mehr so recht an den Sport, bei dem man sich verletzt hat. Dann sind Experten wie Michael Dammert gefragt. Er ist Sportpsychologe sowie Trainer der deutschen Freestyle-Nationalmannschaft der Snowboarder. Seine Athletinnen und Athleten springen über riesige Schanzen und verletzen sich auch dabei. Er gibt Tipps, wie man mental zu seinem Sport zurückfindet und wieder Selbstvertrauen gewinnt.

Mentale Hausaufgaben

Bevor man sich wieder an die Sportart wagt, bei der der Unfall passiert ist, muss man sich mental darauf vorbereiten. Dammert hat dafür drei mentale Hausaufgaben:

  • Angst üben: Man soll sich in die Situation versetzen, vor der man Angst hat, und sich vorstellen, wie ein mulmiges Gefühl aufkommt, wie man Respekt bekommt. Damit man nicht überrascht wird, sobald man die Sportart wieder ausprobiert. Denn Angst kann "Fight, Flight oder Freeze" auslösen. Und die gewünschte Reaktion ist "Fight", sagt Dammert. Die Angst soll aktivieren und fokussieren.
  • Angst reframen: Angst kann etwas Positives sein, wenn man sie umdeutet: Respekt statt Angst. Und dieser Respekt führt dazu, dass man in der Situation voll konzentriert ist.
  • Freiheitsgrade freischalten: Menschen neigen dazu, sich nur Extreme vorzustellen. Also entweder etwas funktioniert einwandfrei oder man verletzt sich wieder schwer. Es hilft, das ganze Spektrum möglicher Resultate zu visualisieren. Man könnte zum Beispiel beim Skifahren auch nur leicht stürzen, ohne sich gleich schwer zu verletzen.

Erst langsam herantasten ...

Wenn man die Hausaufgaben erledigt hat und wieder loslegen will, dann möglichst niederschwellig. "So kleine Schritte wie möglich. Die größte Gefahr ist die eigene Ungeduld", sagt Dammert.

Und natürlich spielt auch das Aufwärmen eine wichtige Rolle. Gerade die Stelle im Körper, die verletzt war, sollte im Fokus stehen. Hat man sich etwa das Bein gebrochen, kann man einbeinige Kniebeugen machen und so prüfen, ob die Muskulatur stark ist, ob es noch eine Dysbalance zum anderen Bein gibt. Das ist nämlich besonders gefährlich: "Durch solche Ungleichgewichte passieren viele Unfälle", sagt Dammert.

… dann mit Selbstbewusstsein durchziehen

Sobald es dann losgeht, also man zum ersten Mal wieder Klettern geht, auf die Ski oder das Fahrrad steigt, sollte man im Kopf nur noch durchgehen, wie das, was man vorhat, funktionieren wird. Ohne Zweifel. Und dann die Aktion mit Selbstvertrauen durchziehen, mit der Überzeugung, dass es klappt.

Hadert man, vermittelt man sich damit selbst Unsicherheit. "Das nennt sich Embodiment. Wenn dein Körper sich unsicher verhält, wird auch dein Mindset unsicher", sagt Dammert. Eine selbstbewusste Position hingegen könne Selbstbewusstsein auslösen.

Freestyle-Trainer Michael Dammert überwacht das Aufwärmprogramm von BR-Reporter Alex Brutscher
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Um wieder über Schanzen springen zu dürfen, sind funktionierende einbeinige Kniebeugen Pflicht.

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