(Symbolbild) Ein Plakat mit der Aufschrift "Warnstreik" hängt an der Bushaltestelle, an der sonst die Linienbusse von DB-Regio halten.
(Symbolbild) Ein Plakat mit der Aufschrift "Warnstreik" hängt an der Bushaltestelle, an der sonst die Linienbusse von DB-Regio halten.
Bild
(Symbolbild) Wenn Bus und Bahn stillstehen, wird der Arbeitsweg für viele zur Herausforderung.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Thomas Frey
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Thomas Frey
Audiobeitrag

(Symbolbild) Wenn Bus und Bahn stillstehen, wird der Arbeitsweg für viele zur Herausforderung.

Audiobeitrag
>

ÖPNV-Streiks: Ein existenzielles Problem für Beschäftigte?

ÖPNV-Streiks: Ein existenzielles Problem für Beschäftigte?

Kein Homeoffice, kein Auto. Inzwischen werden die ÖPNV-Streiks für einige Berufsgruppen zum existenziellen Problem: Sie treffen besonders jene hart, die täglich auf Bus und Bahn angewiesen sind – denn ohne sie kommen viele nicht zur Arbeit.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Roni Jaafar arbeitet als Servicekraft bei einem Münchner Fachbetrieb für Gebäudereinigung. Er reinigt alles – von Arztpraxen über Schwimmhallen bis hin zu Großkonzernen. Seine Schicht beginnt er meist gegen fünf Uhr morgens. Zum jeweiligen Einsatzort kommt er immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – im Normalfall. Fallen diese aus, hat er ein Problem. Ein Auto besitzt er nicht.

Spätestens hier hört bei vielen das Verständnis für Streiks auf. Denn es stellt sich die Frage: Was machen Menschen wie Roni Jaafar, wenn die Streikaufrufe der Gewerkschaften den öffentlichen Nahverkehr lahmlegen – ihr Job aber direkt von Bus und Bahn abhängt? Eine Möglichkeit für Homeoffice gibt es nicht.

Homeoffice für viele Berufsgruppen nicht möglich

Die Auswirkungen sind inzwischen in einigen Betrieben zu spüren. Auch bei der Münchner Gebäudereinigungsfirma, bei der Jaafar arbeitet. Vertriebsleiter Robert Weiss beschreibt die Situation als schwierig: "Wir müssen unsere Leistung termingerecht erbringen. Da gibt’s wenig Möglichkeit zu sagen, wir machen das später oder an einem anderen Tag – von dem her sind wir da schon schwer betroffen." Denn gerade in der Gebäudereinigung sind feste Zeitfenster entscheidend. Büros müssen gereinigt sein, bevor der Betrieb beginnt, Arztpraxen vor dem ersten Patienten. Verschiebungen sind kaum möglich.

Gleichzeitig sind viele Beschäftigte auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. "Wir haben Reinigungskräfte, die verdienen 15 Euro in der Stunde, da ist ein privater PKW nicht drin", sagt Weiss. Für viele sei das eigene Auto schlicht nicht finanzierbar. Auch Alternativen wie Taxi oder Fahrdienste seien zu teuer. "Somit sind die absolut auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen – und haben da keine Alternative."

Plan B: Fahrgemeinschaften

Um den Betrieb dennoch aufrechtzuerhalten, hat das Unternehmen kurzfristig reagiert. Ein Plan B soll die schlimmsten Ausfälle abfedern: Fahrgemeinschaften. Vorarbeiter sammeln Kollegen ein und bringen sie zu den jeweiligen Einsatzorten. Es wird einer nach dem anderen abgeliefert, von Objekt zu Objekt gebracht und letztlich auch wieder abgeholt. Eine pragmatische Lösung – aber keine perfekte.

Aiden Aimen ist Objektleiter im Betrieb und übernimmt an Streiktagen selbst solche Fahrten. Seine Erfahrung: Der Verkehr wird zum Nadelöhr. An einem normalen Arbeitstag brauche er durchschnittlich eine halbe Stunde von Einsatzort zu Einsatzort. "Aber an einem Streik-Tag braucht man schon mehr als eine Stunde." Der Grund liegt auf der Hand: Viele Menschen steigen bei Streiks aufs Auto um. "Da kommst du nicht durch. Überall ist es voll", so Aimen.

Verdi: Wir haben Verständnis für die zusätzliche Belastung

Für die Beschäftigten bedeuten die längeren Arbeitswege mehr Stress – und nicht zu vergessen: zusätzliche Unsicherheit. Für die Unternehmen erhöht sich der organisatorische Aufwand; bei gleichzeitigem Druck, alle Aufträge pünktlich zu erfüllen.

Der Gewerkschaft Verdi sind diese Auswirkungen bewusst. Auf BR-Anfrage betont die Branchenkoordinatorin für Busse und Bahnen, Katharina Wagner, dass die Streiks niemanden kalt lassen: Es tue ihr leid, dass viele Beschäftigte zusätzlich belastet werden. Gleichzeitig unterstreicht sie aber die Notwendigkeit der Arbeitskämpfe: "Was hier aber auch deutlich wird: wie wichtig der ÖPNV ist!" Nur mit besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen könne dieser langfristig gesichert werden.

"Einigt euch schnell, einigt euch vernünftig!"

Ein Argument, das auch Robert Weiss nachvollziehen kann – zumindest grundsätzlich. Für ihn und seine Mitarbeiter hofft er auf ein Ende der Streiks, sein deutlicher Appell an die Tarifparteien: "Einigt euch schnell, einigt euch vernünftig."

Seit Mittwochmorgen läuft die fünfte Verhandlungsrunde zwischen Arbeitgebern und Verdi in Nürnberg.

Im Video: Tarifstreit beim ÖPNV

Tarifstreit beim ÖPNV
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
Videobeitrag

Tarifstreit beim ÖPNV

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!