Pilzesammler
Pilzesammler
Bild
Pilzesammler
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Pilzesammler

Aktualisiert am
Videobeitrag
Erschien zuerst am
>

Pilze bei Dürre: Alarmzeichen nicht nur für Schwammerlsucher

Pilze bei Dürre: Alarmzeichen nicht nur für Schwammerlsucher

Nach der langen Trockenheit sind in vielen Wäldern kaum Pilze zu finden. Auch die jüngsten Regenfälle haben daran wenig geändert. Für Pilzsammler ist das vor allem ärgerlich – für den Wald könnte die Entwicklung jedoch weitreichendere Folgen haben.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Am Ammersee ist der Waldboden immer noch sehr trocken. Für den Mykologen Christoph Hahn, Vorsitzender der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, ist deshalb wenig überraschend, dass keine Pilze zu finden sind. Normalerweise hätte er um diese Jahreszeit mit einigen typischen Arten gerechnet.

"Ich würde erwarten, dass die ersten Täublinge da sind", sagt Hahn. Auch häufige Sommerpilze wie der Breitblatt Rübling seien normalerweise an Totholz zu finden. "Und hier ist überhaupt nichts. Null. Das heißt: Die langanhaltende Dürre zeigt deutlich ihre Spuren."

Zwar hat es zuletzt geregnet. Bis in tiefere Bodenschichten ist die Feuchtigkeit nach Einschätzung des Pilzexperten aber noch nicht vorgedrungen. "Der Boden ist noch komplett staubtrocken und hart, ein Tropfen auf den heißen Stein erstmal", so Hahn.

Pilze haben ein doppeltes Wasserproblem

Betroffen sind nicht nur die sichtbaren Fruchtkörper, die Pilze also. Unter der Erde befinden sich die Myzelien – weit verzweigte Pilzgeflechte, die einen wichtigen Teil des Ökosystems bilden. Viele Pilze leben in Symbiose mit Bäumen. Über ihre Verbindung mit den Wurzeln helfen sie den Pflanzen unter anderem bei der Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen und erhalten dafür Nährstoffe vom Baum.

Doch auch die Pilze selbst sind auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen, insbesondere um Fruchtkörper zu bilden. "Die Pilze haben dann Probleme, das Wasser irgendwo herzubekommen, um Fruchtkörper zu bilden", erklärt Hahn.

Am Waldboden findet der Mykologe lediglich einen vertrockneten Stäubling aus dem vergangenen Jahr. Das Myzel könne zwar noch im Baumstumpf vorhanden sein, sagt Hahn. Ihm fehle derzeit aber offenbar die Energie, neue Fruchtkörper auszubilden. Das Ausbleiben der Pilze bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sie bereits verschwunden sind. Das eigentliche Pilzgeflecht kann im Boden oder Holz durchaus noch vorhanden sein. Wie gut es die Trockenheit übersteht und ob es später wieder Fruchtkörper bilden kann, hängt allerdings davon ab, wie lange und wie stark der Wassermangel anhält.

Ob die Pilzsaison noch kommt, ist ungewiss

Ob und in welchen Regionen Pilzsammler in diesem Jahr noch auf ihre Kosten kommen, lässt sich deshalb nur schwer vorhersagen. Entscheidend sei, wie stark die Myzelien durch die Trockenheit geschädigt wurden. "Zu erwarten ist ein Mosaik", sagt Hahn. Auf Böden, die noch Wasser speichern konnten und weniger stark betroffen waren, könnten durchaus noch Pilze wachsen. In anderen Bereichen könnten sie dagegen komplett ausfallen.

Die jüngsten Regenfälle könnten die Situation zwar verbessern. Ein kurzer Regenguss reicht nach einer langen Dürre allerdings nicht unbedingt aus. Erst wenn ausreichend Wasser in den Boden gelangt und dort auch über längere Zeit verfügbar bleibt, können viele Pilze ihre Entwicklung wieder aufnehmen. Dann kann sich das Bild teilweise auch innerhalb weniger Tage verändern.

Klimawandel beschleunigt Artensterben

Die langfristigen Folgen bereiten dem Mykologen allerdings noch größere Sorgen. Bereits heute wandern nach seiner Beobachtung mediterrane Pilzarten in unsere Regionen ein. Sie könnten Lücken besetzen, die durch das Verschwinden heimischer Arten entstehen. Problematisch sei dabei aber vor allem die Geschwindigkeit der klimatischen Veränderungen. "Die Anzahl dieser Trocken-Ereignisse pro Jahrzehnt nimmt massiv zu", sagt Hahn. Wenn diese Entwicklung anhielte, könne sich die Natur nicht schnell genug anpassen. Die Folge könnte ein verstärktes Artensterben sein.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Pilzarten. Pilze sind ein wichtiger Bestandteil des Waldökosystems: Sie zersetzen Totholz, führen Nährstoffe zurück in den Kreislauf und stehen in enger Verbindung mit den Bäumen. Wenn sich die Pilzgemeinschaften verändern, kann das deshalb auch Auswirkungen auf das gesamte Zusammenspiel im Wald haben.

Mykologe warnt vor nichtheimischen Baumarten

Aus Sicht des Mykologen braucht es deshalb einen schnellen Umbau der Wälder – möglichst mit heimischen Baumarten, die mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen.

Von der Idee, großflächig auf nicht heimische, besonders trockenheitsresistente Baumarten zu setzen, hält Hahn dagegen wenig. Dadurch könnte das gesamte Zusammenspiel aus Pilzen, Bakterien, Mikroorganismen und Bäumen im Boden aus dem Gleichgewicht geraten.

Dass derzeit selbst an normalerweise sehr ergiebigen Schwammerl-Plätzen die Pilze ausbleiben, ist für Hahn deshalb mehr als nur ein schlechtes Jahr für Pilzsammler. Für ihn ist es ein riesengroßes Alarmzeichen.

Dieser Artikel ist erstmals am 22. August 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!