Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach einem vielfach kritisierten Großeinsatz in einem Augsburger Club in einer "mittleren zweistelligen Zahl" von Strafverfahren wegen Drogenverstößen. Das berichtete das Polizeipräsidium Schwaben Nord am Dienstagabend und wehrte sich damit gegen Vorwürfe eines unverhältnismäßigen Einsatzes.
Zeugen und Betreiber des Clubs hatten zuvor schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. So seien alle Besucher mindestens bis auf die Unterwäsche kontrolliert worden. Auch der Intimbereich sei abgetastet oder mit Taschenlampen abgesucht worden. Gäste und Mitarbeitende seien über mehrere Stunden hinweg festgehalten worden, zum Teil auch im Außenbereich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Die Polizei rechtfertigt den Einsatz nun mit Ermittlungen, die bereits seit Ende 2024 angedauert haben sollen. Auslöser für die Ermittlungen war ein anonymer Hinweis, wonach in einem Club in der Augsburger Innenstadt ein offener Konsum und Handel mit Betäubungsmitteln stattfinde. Die Verdachtsmomente seien im Rahmen intensiver und umfangreicher polizeilicher Ermittlungen bestätigt worden.
Polizei: Drogen auf mehreren Etagen im "City Club" entdeckt
Die gut 100 Polizisten stellten im Gebäude auf mehreren Etagen Drogen sicher, auch in für die Gäste unzugänglichen Räumen. Zum Vorgehen beim Einsatz selbst schreibt die Polizei, es sei aus polizeitaktischer Sicht wichtig gewesen, schnell und unerwartet in den Club einzudringen, um Beweismittel sichern und eindeutig zuordnen zu können. Das helfe dabei, Straftäter von unbeteiligten Personen zu unterscheiden.
Über den Grund der Durchsuchung habe man die Besucher gleich zu Beginn über Lautsprecher informiert, so die Polizei. Der Geschäftsführer des Clubs sei unmittelbar mit Betreten des Clubs über die Durchsuchung in Kenntnis gesetzt und belehrt worden.
Entkleidung nur bei konkretem Verdacht
Ein Teil der Personen musste sich laut Polizei entkleiden, um mögliche versteckte Betäubungsmittel zu finden. Betroffen seien diejenigen gewesen, bei denen bereits Drogen entdeckt wurden oder deren Verhalten auf Drogenbesitz schließen ließ. "In mehreren Fällen wurden während der erweiterten Durchsuchung am Körper getragene Betäubungsmittel aufgefunden", so heißt es in der Mitteilung. Die Leibesvisitationen habe man in beheizten, blickdichten Zelten im Außenbereich des Lokals vorgenommen.
Personendurchsuchung dauert knapp zweieinhalb Stunden
Um 21.30 Uhr begann laut Polizei die Durchsuchung der Clubgäste. Die letzte der 263 kontrollierten Personen konnte demnach den Club kurz vor Mitternacht verlassen. Zwei Jugendliche wurden laut Polizei schon deutlich früher ihren Eltern übergeben, auch Besucher, die körperliche Beschwerden hatten, seien früher entlassen worden.
Gegen 1.45 Uhr sei die polizeiliche Kontroll- und Durchsuchungsaktion beendet gewesen. Währenddessen hätte keine der betroffenen Personen Verletzungen geltend gemacht oder den Wunsch auf eine anderweitige Betreuung geäußert.
Kritik am Vorgehen der Polizei
Die Durchsuchungen wurden in den vergangenen Tagen von vielen Seiten öffentlich kritisiert. Clubbetreiber und Gäste halten den Einsatz für unverhältnismäßig. Der "City Club" will Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluss einlegen. Die Anwältin des Geschäftsführers sagte dem BR, grundsätzlich hätten Polizei und Staatsanwaltschaft zwar Spielräume, entscheidend sei jedoch das "Wie". Hier hätte man verantwortungsbewusster vorgehen müssen.
Kommunalpolitiker kritisierten, die Durchsuchung des Clubs stelle alle Besucher unter Generalverdacht. Die Augsburger SPD-Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn kündigte an, den Einsatz parlamentarisch aufarbeiten zu lassen, unter anderem zu rechtlicher Grundlage, Ablauf und Kosten. Die Augsburger Grünen-Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht und Cemal Bozoğlu haben bereits eine parlamentarische Anfrage gestellt. Darin fordern sie eine Aufklärung zur Begründung für den Einsatz, zum Umgang mit Gästen und zur Verhältnismäßigkeit.
Im Video: Was darf die Polizei bei einer Razzia?
Was darf die Polizei bei einer Razzia?
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