Im Prozess um Vergewaltigung und sexuellen Kindesmissbrauch am Landgericht Nürnberg-Fürth hat sich der Angeklagte zu Beginn umfassend zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Der 59-Jährige aus Adelsdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt wies sie entschieden zurück. Weder habe er seine Stieftochter sexuell missbraucht, noch seine Ehefrau vergewaltigt, so der Angeklagte.
Pornokinos und Swingerclubs besucht
Er beschrieb sein Familienleben stattdessen als "glücklich" und "liebevoll". Über sein Sexleben sagte der Deutsche mit italienischen Wurzeln: Mit seiner Frau habe er Pornokinos und Swingerclubs besucht. Sexuelle Handlungen mit anderen Männern seien stets einvernehmlich erfolgt, beteuerte er vor Gericht.
Wie es zu sexuellen Handlungen mit anderen Männern und Paaren kam, erklärte der Angeklagte so: "Es ist ja nicht so, dass das von mir ausgegangen ist, sondern von uns." Er habe seine Frau anderen Männern nicht gegen ihren Willen zur Verfügung gestellt. Als Motiv für die massiven Vorwürfe vermutet der Angeklagte, dass es seiner Frau und der Tochter um Wohnrecht und Geld gehe.
Anklage spricht von rund 80 Vergewaltigungen
Die Staatsanwaltschaft sieht das ganz anders. Laut Anklage hatte der 59-Jährige seine Frau jahrelang gequält, missbraucht und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten: Ein Vorfall soll sich im Jahr 2011 auf einem Rastplatz entlang der A73 ereignet haben.
Ab 2020 lud der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft weitere Männer über das Internet ein, die Frau im heimischen Schlafzimmer zu vergewaltigen. Wenn die Frau sich weigerte, habe ihr Mann sie geschlagen, so die Anklage. Das Opfer habe Angst um Leib und Leben gehabt.
Vorwurf: Auch Stieftochter jahrelang sexuell missbraucht
Außerdem soll der Angeklagte auch seine Stieftochter jahrelang sexuell missbraucht haben. Das mutmaßliche Martyrium der Stieftochter begann, als sie noch im Grundschulalter war. Und endete, als sie etwa 14 Jahre alt war, so die Anklage. Der Mann ist daher angeklagt, wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 250 Fällen und Vergewaltigung in 80 Fällen.
Im Nürnberger Prozess werden Erinnerungen an den französischen Fall Pelicot wach, einen der schwersten Missbrauchsskandale der französischen Kriminalgeschichte. Über fast zehn Jahre hinweg hatte Dominique Pelicot seine schlafende Ehefrau Gisèle mit starken Beruhigungsmitteln betäubt und über das Internet mehr als 50 fremde Männer eingeladen, sie im bewusstlosen Zustand zu vergewaltigen. Er erhielt dafür die Höchststrafe von 20 Jahren.
Für den Prozess in Nürnberg sind acht Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll Ende Juli fallen.
Im Video: Prozess – Frau für Sex angeboten und Stieftochter missbraucht?
Prozess – Frau für Sex angeboten und Stieftochter missbraucht?
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