Die Angeklagte sitzt im Saal des Landgerichts Deggendorf.
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Zum Prozessauftakt erhebt die Staatsanwaltschaft gegen eine 53-Jährige den Vorwurf des Mordes an ihrem Partner mit Thallium-Sulfat.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Armin Weigel
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Zum Prozessauftakt erhebt die Staatsanwaltschaft gegen eine 53-Jährige den Vorwurf des Mordes an ihrem Partner mit Thallium-Sulfat.

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Prozessauftakt: Frau soll Lebensgefährten vergiftet haben

Prozessauftakt: Frau soll Lebensgefährten vergiftet haben

Weil er angeblich eine Affäre mit einer jüngeren Frau hatte, soll eine 53-Jährige aus Deggendorf ihren Lebensgefährten vergiftet haben. Die Staatsanwaltschaft legt der Frau Mord zur Last – heimtückisch, grausam und aus niederen Beweggründen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Niederbayern am .

Die 53-jährige Angeklagte schwieg am ersten Verhandlungstag und wirkte vor dem Landgericht Deggendorf entspannt. Dabei wird der Frau vorgeworfen, ihren Lebensgefährten mit einer hochgiftigen Chemikalie getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft legt ihr Mord zur Last – heimtückisch, grausam und aus niederen Beweggründen. Ihr droht jetzt eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Mann soll Affäre mit Freundin des Sohnes gehabt haben

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte die angeklagte Ukrainerin ihren Partner töten, weil dieser eine Affäre gehabt haben soll. Spätestens nach einem Streit im Herbst 2024 habe sie ihren Tatplan gefasst, so die Anklage. In der Folge habe die 53-Jährige im Internet nach Giften und deren Anwendung recherchiert und im November 2024 bei einer in der Ukraine ansässigen Firma zehn Gramm Thallium-Sulfat bestellt, die sie im Januar 2025 auch erhalten haben soll. Außerdem habe die Frau im Internet Suchanfragen gestellt, wie: "Wie lange dauert es, bis der Tod nach der Einnahme von Thallium eintritt?".

Schmerzen, Koma, Multiorganversagen

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie ihrem damaligen Lebensgefährten mindestens 1,8 Gramm des Stoffes heimlich über ein Getränk oder Nahrung zuführte. Thallium ist geruchs-, geschmacks- und farblos, gut wasserlöslich und hochgiftig.

Der Mann sei dann wegen Grippesymptomen zum Hausarzt gegangen. Er habe tagelang unter qualvollen Schmerzen gelitten und nicht mehr gehen können, so die Anklage. Als er auch neurologische Einschränkungen entwickelte, kam der Mann in die Klinik in Bogen bei Straubing. Hier soll er zudem Atemprobleme und Taubheitsgefühle gezeigt haben. Am 24. Januar 2025 wurde der 52-Jährige per Hubschrauber in das Bezirksklinikum Mainkofen gebracht. Es kam zusätzlich zu Einschränkungen des Sehnervs. Sein Zustand soll sich in dieser Zeit weiter schnell verschlechtert haben.

In der Folge wurde der Mann in ein Koma versetzt, sediert und beatmet. Am 28. Januar erlitt er ein Multiorganversagen und verstarb am nächsten Tag. Die Mediziner gingen zunächst von einer natürlichen Todesursache aus. Erst im Nachgang wurde eine Vergiftung festgestellt.

Der Angeklagten droht lebenslange Freiheitsstrafe

Der Staatsanwalt sieht bei der Frau eine "gefühllose und unbarmherzige Gesinnung". Sie habe die mit der Thallium-Vergiftung verbundenen Schmerzen und Qualen des Mannes hingenommen, weil sie ihn für sein Fehlverhalten habe bestrafen wollen.

Als Nebenklägerin tritt die Tochter des Opfers auf. Sie betonte in ihrer Zeugenaussage überraschenderweise, dass sie nicht glaube, dass die Angeklagte ihren Vater vergiftet habe. Die Vergiftung müsse anderweitig zustande gekommen sein. Warum genau, ließ sie offen. Die Nebenklägerin bestätigte die mögliche Affäre ihres Vaters und bezeichnete ihn als "Schürzenjäger".

48 Zeugen und fünf Sachverständige

Am ersten Verhandlungstag wurden zwei weitere Zeugen vernommen. Zum einen der Fahrer der Firma, die das Paket mit dem Gift nach Deutschland geliefert hatte. Zum anderen eine Ukrainerin, die von der Angeklagten nach ihrer Festnahme als Übersetzerin angefragt wurde. Sie hatte auch mit der Tochter des Toten Kontakt.

Für das Verfahren sind insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt. Es sollen 48 Zeugen und fünf Sachverständige gehört werden. Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt. Das Urteil könnte Anfang Mai fallen.

Mit Informationen von dpa

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