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Sexualisierte Nachrichten auf Social Media: Was kann ich tun?

Sexualisierte Nachrichten auf Social Media: Was kann ich tun?

Auf Social Media-Plattformen gibt es eine hohe Zahl von beleidigenden Kommentaren. Vor allem Frauen sind häufig von digitaler Gewalt betroffen und erhalten sexualisierte Nachrichten. Was Betroffene tun können und worauf sie achten sollten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

In Deutschland nutzen 59 Prozent der Menschen im Alter von 16 bis 74 Jahren aktiv soziale Medien. Bei jungen Leuten zwischen 16 und 24 Jahren sind es sogar 85 Prozent. Daraus ergeben sich täglich Millionen von Interaktionen auf Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok. Einige der verfassten Nachrichten und Kommentare sind für die Empfänger beleidigend und sexualisierend.

Frauen stärker von digitaler Gewalt betroffen als Männer

Auch die Erlanger Stadträtin Jasmin Fleißgarten kennt solche Erfahrungen. In ihren Instagram-Direktnachrichten fand die 22-Jährige unter anderem Botschaften wie "Wann Pille testen", "Darf ich dich zu einem Wellnesstag mit gutem Essen einladen?" oder "Hast ein schönes Gesicht". Fleißgarten fühlt sich auf ihr Geschlecht reduziert: "Also, dass man nicht mal versucht, auf das, was ich da online teile, einzugehen und sich 0,0 mit mir als Person beschäftigt wird. Einfach nur sieht: Ach, die sieht hübsch aus, da schreibe ich mal."

Studien wie "Angegriffen & alleingelassen" von der TU München und der Organisation Hate Aid zeigen, dass Frauen in der Politik besonders häufig Ziel solcher Angriffe werden. "Kann man sich das ernsthaft vorstellen, dass sowas Leute einem Friedrich Merz schreiben?" fragt die Stadträtin aus Erlangen.

Meldestelle "REspect!" der Bayerischen Polizei hilft

Ob politisches Engagement oder nicht, auch Polizeioberkommissar Franz Findeisen bestätigt, dass insbesondere Frauen von Hassnachrichten oder sexualisierenden Kommentaren auf Social Media betroffen sind. Über die Meldestelle "REspect!" der Bayerischen Polizei können Hass und Hetze im Netz gemeldet werden. Seit 2019 hat Polizist Findeisen ungefähr 300 solcher Fälle behandelt.

Laut eigener Aussage kam es davon in über 90 Prozent der Fälle zu weiteren Ermittlungen. Er empfiehlt, folgende Formulierung aufzugreifen und bei der Meldung zu vermerken, um über das, was passiert, informiert zu bleiben: "Ich möchte über den Verfahrensausgang informiert werden und verzichte nicht auf die Übermittlung von einem Einstellungsbescheid."

Rechtsfolgen im Netz höher

Was bei den Folgen einer gemeldeten Nachricht auch entscheidend ist: Die Reichweite. Denn Hasskommentare unter einem Posting mit viel Interaktion und erreichten Konten sei laut Findeisen anders einzuordnen als dieselbe Bemerkung im persönlichen Gespräch: "Weil dann ist das natürlich was, was in dem Raum steht und dort auch stehen bleiben wird, das existiert auf keinem Screenshot auf irgendeinem Handy, das ist nicht im Netz weiterhin abrufbar." Auch wer solche Postings liked oder teilt, kann sich strafbar machen.

Betroffene können Nachrichten und Kommentare auch auf den Plattformen selbst melden, aber oftmals würden diese nicht den Richtlinien der Plattformbetreiber gegenüberstehen und nicht gelöscht werden, was besonders belastend für Opfer von digitaler Gewalt sei, so der Polizist.

Beim Melden auch URL des Absenders mit angeben

Ermittler Findeisen empfiehlt beim Melden an Ermittlungsbehörden, nicht nur einen Screenshot zu machen, sondern die URL mitzuschicken. Nutzernamen können geändert werden, URLs nicht. Auch der Zeitpunkt der angezeigten Nachricht oder des Kommentars sei wichtig. Er wisse aber auch, das alles sei mit viel Aufwand verbunden, empfiehlt aber den Opfern, für sich einzustehen.

Jasmin Fleißgarten hat ihre Nachrichten und Kommentare bisher nicht angezeigt. Sie hat sich dafür entschieden, was sie online erreicht, öffentlich zu machen. In einem Posting mit der Überschrift "Liebe Männer, wir müssen reden!" teilt sie ihre Erfahrungen.

Scharf über Sexualisierung: "Das ist leider die bittere Wahrheit"

Auch die Bayerische Sozialministerin, Ulrike Scharf, berichtet im BR-Interview davon, dass auch Kolleginnen aus dem Bayerischen Landtag immer wieder mit solchen Nachrichten umgehen müssten. Sie äußert mit Hinblick darauf große Bedenken: Kommunalpolitik sei in allererster Linie auch ehrenamtliches Engagement und mit solchen Erlebnissen erreiche man genau das Gegenteil, nämlich dass gerade junge Frauen, junge Politikerinnen sich weniger an diese Mandate heranwagen würden.

Das Ergebnis der Studie "Angegriffen & alleingelassen" zu den Auswirkungen von digitaler Gewalt auf politisches Engagement unterstreicht die Sorge der Ministerin: Fast ein Viertel der betroffenen befragten Frauen überlegt, aus ihrem politischen Engagement auszusteigen und sich zurückzuziehen.

Jasmin Fleißgarten antwortet auf die Frage, ob sie das von ihrer politischen Arbeit abbringe: "Mich hat das eigentlich motiviert zu sagen: Jetzt erst recht." Sie will als Stadträtin in Erlangen weitermachen.

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