Saharastaub nach Regenfällen in Mindelheim (Archiv)
Saharastaub nach Regenfällen in Mindelheim (Archiv)
Bild
Saharastaub nach Regenfällen in Mindelheim (Archiv)
Bildrechte: pa/dpa/Bernd FeilM.i.S.
Schlagwörter
Bildrechte: pa/dpa/Bernd FeilM.i.S.
Audiobeitrag

Saharastaub nach Regenfällen in Mindelheim (Archiv)

Audiobeitrag
>

"Blutregen": Regen wäscht den Saharastaub aus der Luft

"Blutregen": Regen wäscht den Saharastaub aus der Luft

Die Luft ist frühjahrstypisch voller Saharastaub, das sorgte bisher für schlechte Sicht. Jetzt aber steht Regen an – und mit dem wird sich der Wüstenstoff auf allem ablagern, was unter freiem Himmel steht. Extrem wird der "Blutregen" aber wohl nicht.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Sie sind regelmäßige Gäste in unseren Breiten: Staub und Sand aus den Wüstengebieten dieser Erde, konkret aus der nordafrikanischen Sahara. Mit dem Wind werden sie zu uns transportiert, und das gilt hauptsächlich für die Übergangsjahreszeiten. Auch in diesem Jahr haben wir es seit einiger Zeit mit einer Saharastaub-"trächtigen" Wetterlage zu tun, und so manche Überbleibsel dieser Teilchen können wir auch jetzt wieder entdecken.

Bisher allerdings blieben die Staubteilchen weit oben in der Luft. Es war trocken, und Staub und Sand hielten sich artig in einigen Kilometern Höhe. Bei diesem Wetter kam nur wenig aus der Sahara bei uns am Boden an; die sogenannte trockene Deposition von Stoffen an sonnigen, trockenen und warmen Tagen ist sehr gering.

Regen macht den Wüstenstaub erst so richtig sichtbar

Das ändert sich jetzt, denn nun kommt Regen ins Spiel. Der ist in der Lage, die staubigen Teilchen aus der Sahara mitzunehmen. Die Atmosphäre wird "sauberer", der Erdboden dafür "schmutziger". Konkret erwarten wir im Laufe des Dienstags hauptsächlich in der Nordhälfte von Bayern erste örtliche Regenschauer – unter Umständen auch Gewitter – meist zwischen Odenwald und Rhön und punktuell auch in Teilen Frankens bis hin zur Oberpfalz.

Diese ersten Schauer nehmen schon mal einen Teil des Saharastaubs mit nach unten. In der Nacht zum Mittwoch zieht anschließend ein schmales Regengebiet über ganz Bayern hinweg, und dieser Regen wäscht den Hauptteil der Wüstenstoffe aus der Luft. Wenn dann ab Mittwochnachmittag erneut Regen aufkommt, wird schließlich noch der große Rest des Saharastaubs mit nach unten genommen.

Die Luft wird sauberer, alles andere schmutziger

Danach kommt die Luft eher aus westlichen Richtungen, eher vom Atlantik her. Die Konzentration des Saharastaubs in der Luft wird dann nur noch sehr gering sein, was sich übrigens an einer deutlichen Verbesserung der horizontalen Sichtweite zeigen wird.

Abgesehen von den Staub- und Sandflecken auf Böden und Autos ist das Zeug aus der Wüste ein guter Dünger für den Boden, jedenfalls großräumig gesehen. Bei hohen Konzentrationen kann es aber zu einer Feinstaubbelastung kommen, das Risiko beispielsweise für Lungenkrankheiten kann erhöht sein – was aber in unseren Breiten eher selten ist. Im Normalfall sind die Saharastaub-Wetterlagen gesundheitlich unbedenklich.

Ganz typisch ist, dass diese Wetterlagen hauptsächlich im März vorkommen. Denn dann sorgen spezielle Strömungskonstellationen dafür, dass die Südwinde aus der Wüste sehr stark ausfallen: Zu dieser Zeit ist die Arktis noch sehr kalt, der afrikanische Kontinent aber bereits sehr warm.

Im März bringt der Südwind Sahara-Sand nach Norden

Der Austausch zwischen Kalt und Warm geschieht dann häufig so: Kalte Luft strömt vom Atlantik weit nach Süden Richtung Madeira und Kanaren und erreicht dort die westafrikanische Küste. Sie beginnt, die überhitzten Wüstenregionen abzukühlen. Es kommt dann häufig in Teilen von Marokko und Algerien zu Regengebieten und zu Stürmen, und durch diese Turbulenzen werden Sand und Staub der Sahara aufgewirbelt und anschließend mit einem kräftigen Südwind über das Mittelmeer und die Alpen bis zu uns transportiert.

Der "Blutregen" beeindruckte schon unsere Vorfahren

Ein Großteil der festen Stoffe schlägt sich normalerweise bereits über Italien nieder und auch über den Alpen, wo sich schon so manche Schneelandschaft im März über Nacht mit einem braunen Staubfilm überzogen hat. Unsere Vorfahren sahen solche Wetterlagen einst nicht ganz so sportlich. Ihnen haben wir die dramatisch klingenden Bezeichnungen "Blutregen" und "Blutschnee" zu verdanken, wenn die Staubkonzentrationen so hoch waren, dass sich der Niederschlag deutlich rotbraun verfärbte.

Eine der intensivsten Saharastaubwetterlagen jemals gab es übrigens vor ziemlich genau 125 Jahren, vom 9. bis 12. März 1901. Damals erlebten viele Menschen zwischen Tunesien, Italien, den Alpenländern und Deutschland fassungslos, wie "Schlammregen" und "Blutschnee" den Erdboden und alle Gegenstände mit einer kräftigen rotbraunen Schicht überdeckten. Viele Häuser sahen anschließend aus, als hätte man sie mit Lehm bespritzt. Ein solches Szenario brauchen wir in Bayern diesmal nicht zu befürchten.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!