Es wirkt wie eine Kampfansage: Die Freundschaft zu Israel sei "Staatsraison, Herzensangelegenheit und Auftrag auch für die Zukunft", sagt Ministerpräsident Markus Söder in der Residenz in München. Dabei dürfte es ihm nicht nur um den Staat Israel im Nahen Osten gehen, sondern auch um die Vertretung Israels in München. Das israelische Generalkonsulat in München war zuletzt häufig Ziel von Angriffen. So hatte im Jahr 2024 ein 18-jähriger Österreicher das Gebäude beschossen. Er wurde bei dem Polizeieinsatz tödlich verletzt. Sein Motiv war nach Ermittlungen des LKA "Israelfeindlichkeit".
Im Juni hat die Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen einen 24-Jährigen mit jemenitischer Staatsangehörigkeit erhoben: Ihm wird vorgeworfen, im März dieses Jahres das Gebäude mit Steinen beworfen und gedroht zu haben, einen Sprengsatz zu zünden. Die Ermittler gehen auch in diesem Fall von "Israelfeindlichkeit" als Motiv aus. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung (externer Link) hat eine Zunahme des Israel-bezogenen Antisemitismus in Deutschland festgestellt, besonders unter jungen Männern. Die antisemitische Aussage "Juden haben auf der Welt zu viel Einfluss" stößt in der Erhebung mit 27 Prozent auf mehr Zustimmung als noch 2021 (24 Prozent), bei Männern unter 40 Jahren sogar auf 36 Prozent.
Generalkonsulat als Motor der Verbindung
Ja, die israelische Community sei verunsichert, bestätigt die Generalkonsulin Talya Lador-Fresher. So seien israelische Familien beispielsweise vorsichtig, in der Öffentlichkeit untereinander Hebräisch zu sprechen. Der Antisemitismus sei nicht nur für Jüdinnen und Juden eine Gefahr, sondern auch für die Demokratie hier in Deutschland, betont sie. Das Generalkonsulat kümmert sich unter anderem um Belange von Israelis im Ausland. Oder unterstützt den Handel. Laut IHK hat sich das Handelsvolumen zwischen Israel und Bayern von 2016 bis 2025 verdoppelt und liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro.
Deutschland sei der wichtigste Partner in Europa, betont die Generalkonsulin. Während aber die wirtschaftliche Zusammenarbeit solide ist, liegt der Schüleraustausch brach. Viele deutsche Familien hätten offenbar Sicherheitsbedenken, dabei sei der Austausch die Basis, ohne ihn "verlieren wir so viel", sagt Lador-Fresher.
Bundesregierung mit Kritik an Israel – Söder: "Man muss nicht alles gut finden"
Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 mit mehr als 1.200 toten Israelis sowie über 200 Geiseln und der nachfolgende Krieg Israels gegen die Hamas im Gazastreifen mit zehntausenden Toten (externer Link) haben in Deutschland heftige Debatten ausgelöst. Deutschland hatte die Angriffe der Hamas verurteilt und sich für eine Freilassung der Geiseln eingesetzt. Gleichzeitig hatte Deutschland im vergangenen Jahr vorübergehend die Waffenlieferungen nach Israel eingeschränkt, aus Sorge um die Zivilbevölkerung im Gazastreifen.
Auch kritisierte die Bundesregierung zuletzt die Siedlergewalt und den völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungsbau im Westjordanland (externer Link). Söder betonte am Rande der Veranstaltung, man müsse nicht alles gut finden, was die israelische Regierung tut, aber die Grundzustimmung sei sehr hoch.
Zunehmende Vorbehalte bei deutscher Bevölkerung gegenüber israelischer Regierung
In der deutschen Bevölkerung gibt es zunehmend Vorbehalte gegenüber der israelischen Regierung, gerade in der jüngeren Bevölkerung, hat eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung anlässlich 60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen ermittelt (externer Link). Demnach äußern nur noch 36 Prozent der Befragten eine positive Meinung über Israel. Dies sei "ein spürbarer Stimmungswandel im Vergleich zur letzten Erhebung 2021, als noch 46 Prozent Israel positiv gegenüberstanden", schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie.
Anders sehe es in der israelischen Bevölkerung aus, in der "60 Prozent (…) ein gutes oder sehr gutes Bild von der Bundesrepublik" haben. Das möchte Talya Lador-Fresher ausbauen und die wechselseitigen Beziehungen stärken.
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