Entwurzelte Bäume und Äste liegen nach einem Gewitter auf einer Straße bei Erlangen.
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Bildrechte: dpa-Bildfunk/News5 / Ferdinand Merzbach
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Unwetter in Franken: Warum es plötzlich so heftig kam

Unwetter in Franken: Warum es plötzlich so heftig kam

Tagelange Hitze ohne einen Tropfen Regen oder schwülwarme Luft und kein Niederschlag weit und breit. Dann wieder unwetterartige Gewitter und Starkregen. Warum treten Gewitter dann gerade dort auf? Eine Einordnung.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Bisher war dieser Sommer ja einfach nur extrem heiß und extrem trocken. Das Hauptaugenmerk galten der Hitze und der Dürre. Am Dienstag aber auf einmal ganz was anderes: Schwere Gewitter bringen Starkregen, Hagelschlag und Sturmböen. Es kommt zu Millionenschäden und Menschen werden durch umstürzende Bäume verletzt. Innerhalb von Minuten verdunkelt sich der Himmel, und die Gewitter walzen vor allem über Franken hinweg. Der Gegensatz zur einfach nur trockenen Hitze der letzten Zeit könnte nicht größer sein.

Drückende Schwüle allein reicht noch nicht für Gewitter

Zur Einordnung: Gewitter sind ein normaler Bestandteil unserer Sommer. Konkret ist es sogar so, dass die Gewittertätigkeit in kühleren, nassen Sommern erhöht und in trockenen Hitzesommern verringert ist. So ist das insgesamt auch in diesem Jahr. Aufs ganze Land bezogen ist die Aktivität von Blitz und Donner etwas geringer als der langjährige Durchschnitt.

Denn für das Zustandekommen von Gewittern werden benötigt: genügend Feuchtigkeit in der Atmosphäre und eine bestimmte Luftschichtung, bei der die Luft Auftrieb bekommt und nach oben steigen kann. Das gibt es in der Regel dann, wenn zwischen Erdboden und den Luftschichten in einigen Kilometern Höhe ein großer Temperaturkontrast herrscht, der nahe oder etwa ein Grad pro 100 Meter Höhendifferenz beträgt. Dann reicht nur ein kleiner Funke, und die ganze Geschichte geht so richtig ab. Sonne und Wärme sind dagegen keine zwingenden Voraussetzungen für Gewitter, denn es gibt bei uns ja auch Nacht- und Wintergewitter.

In einem trockenen Hitzesommer liegen wir in Bayern und auch landesweit meist unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten. Da kann die Luft am Erdboden so feucht sein, wie sie will, die entsprechende Luftschichtung für die Entstehung von Gewittern kommt meist nicht zustande. So war es auch in den letzten Tagen. Die Luft kam von der Nordsee, war erdbodennah zum Teil drückend schwül, und es entstanden trotzdem keinerlei Regen oder Gewitter.

Kalte Luft als Auslöser

Wir liegen auch momentan weiter im Bereich von Wärme- und Hitzehochs, die prinzipiell die Entstehung von Niederschlag unterbinden. Dass es trotzdem gestern fast explosionsartig Unwetter gab, liegt an einer ganz speziellen Situation, die einerseits für die vorhersagenden Meteorologen das "Salz" in der Suppe sind, andererseits aber auch verheerende und schädliche Auswirkungen haben kann.

Diese Situation entsteht dann, wenn sich im Randbereich eines Hochdruckgebietes quasi von der Seite her kältere Luft in einigen Kilometern Höhe hereinmogelt. Diese in der Fachsprache als Kurzwellentrog bzw. Kaltlufttropfen bekannten Phänomene sorgen im Wetterverlauf immer wieder für unangenehme Überraschungen und verursachen gerade im Sommer schwerste Unwetterkatastrophen. So war es auch am Dienstag: Unser Hitzehoch lag mit seinem Schwerpunkt über der Nordsee. An seinem Südrand hat sich in der Höhe kältere Luft als sogenannter Kaltlufttropfen über Deutschland breitgemacht, und das reichte aus, dass sich nach kurzer Zeit die Luft wie in einem Fahrstuhl nach oben bewegte und Gewitter auslöste.

Mittelgebirge sorgen für extra "Kick"

Solche Phänomene sind sehr kleinräumig und daher längerfristig über mehrere Tage hinweg kaum vorherzusagen. Erst im sogenannten Kurzfristbereich zeigen sich die Auswirkungen solcher Kaltlufttropfen oder Kurzwellentröge so richtig. Gestern war die "kälteste" Luft in einigen Kilometern Höhe über Franken, daher gab es dort die schwersten Unwetter – dieses Mal übrigens nicht aus Südwesten wie sonst häufig, sondern aus Nordwesten. Diese Zugrichtung ist in Deutschland nicht so häufig, kann aber speziell im Bereich von Kaltlufttropfen extrem schadensbringend wirken. Denn die Gewitter entstehen dann meist über den Mittelgebirgen wie zum Beispiel Rhön, Spessart oder Thüringer Wald. Beim Zug nach Südosten bekommen sie beim Erreichen der etwas flacheren fränkischen Region quasi noch einen "Kick" mit und werden in Sachen Hagel und Sturm besonders heftig. Kein Wunder, dass es dann gestern Abend in Nürnberg zu einer Orkanböe von 130 km/h kam.

Im Video: Aufräumarbeiten nach Unwettern in Franken

Aufräumarbeiten nach Unwettern in Franken
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Aufräumarbeiten nach Unwettern in Franken

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