Der kleine Simbach war 2016 ein reißender Strom. Aktuell wird am Hochwasserschutz gebaut – noch bis 2030.
Der kleine Simbach war 2016 ein reißender Strom. Aktuell wird am Hochwasserschutz gebaut – noch bis 2030.
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Der kleine Simbach war 2016 ein reißender Strom. Aktuell wird am Hochwasserschutz gebaut – noch bis 2030.
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Der kleine Simbach war 2016 ein reißender Strom. Aktuell wird am Hochwasserschutz gebaut – noch bis 2030.

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Rottal-Inn: Zehn Jahre nach der Hochwasserkatastrophe

Rottal-Inn: Zehn Jahre nach der Hochwasserkatastrophe

Kleine Bäche, die zu reißenden Strömen werden, Autos wegspülen, Häuser fluten und zerstören – im Süden Niederbayerns erinnert man sich an den 1. Juni 2016. Sieben Menschen starben. Sachschaden: über eine Milliarde Euro. Was hat sich seitdem getan?

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Am 1. Juni 2016 dachte Elke Braumiller zunächst, dass es nicht so schlimm werden würde: Doch der Starkregen fällt. Der eigentlich so kleine Simbach steigt und steigt – direkt neben der Bäckerei, die die Familie Braumiller schon seit 1938 in Simbach am Inn betreibt.

Ein Straßendamm bricht. Eine Flutwelle überschwemmt die Stadt (externer Link). In der Bäckerei ist alles zerstört. Eine Elementarschadenversicherung haben Braumillers nicht abgeschlossen. Die entscheidende Frage für sie: Weitermachen oder nicht?

Umweltminister Glauber: "Zäsur im Hochwasserschutz"

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) bezeichnet die Sturzflut von 2016 (externer Link) als "Zäsur im Hochwasserschutz", die die bayerische Hochwasserpolitik nachhaltig geprägt habe: Seitdem sei das Sturzflut-Management und die kommunale Beratung deutlich ausgebaut worden.

Denn Starkregen könne überall auftreten und den kleinsten Bach zum reißenden Fluss machen. Der Klimawandel erhöhe die Risiken durch extreme Wetterereignisse noch weiter, so der Minister: "Wir setzen auf einen integrierten Hochwasserschutz mit widerstandsfähigen technischen Anlagen, auf mehr natürlichen Rückhalt in der Fläche und auf starke lokale Vorsorge." Durch den kontinuierlichen Baufortschritt der bayernweit laufenden Maßnahmen verbessere sich der Hochwasserschutz fortlaufend, heißt es.

Das hat sich seit 2016 getan

Im Landkreis Rottal-Inn richteten die verheerenden Überschwemmungen 2016 enorme Schäden in zahlreichen Ortschaften an. Sieben Menschen starben. Seitdem hat sich vieles verändert: Das Landratsamt hat beispielsweise den gesamten Bereich Katastrophenschutz neu aufgebaut. Neben einer "hochmodernen" Kreiseinsatzzentrale im Landratsamt gibt es inzwischen einen Container als mobile Einsatzzentrale, mehr Feuerwehrgerätschaften und zusätzliche Alarmierungsmöglichkeiten.

Der Hochwasserschutz soll in Triftern, Gangkofen und Simbach verbessert werden. Dafür ist das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Deggendorf zuständig. Während im Markt Triftern seit 2016 die Planungen für das Großprojekt laufen, werden in Gangkofen erste Maßnahmen umgesetzt. In Simbach sind bereits mehrere Bauabschnitte fertig, darunter auch ein neues Regenüberlaufbecken. Erneuert wurden zudem beispielsweise Deiche und Brücken, um das Bachbett des Simbachs zu erweitern. Durch den neuen Hochwasserschutz wird auch die Innenstadt umgestaltet. Simbach am Inn soll eine "Grüne Mitte" bekommen. Bis Ende 2030 soll alles fertig werden.

Bürgermeister Schmid: Hundertprozentige Absicherung gibt es nicht

Doch der Simbacher Bürgermeister Klaus Schmid (CSU), der seit 2014 im Amt ist, betont auch: "Eine hundertprozentige Absicherung wird es nicht geben." Laut dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) ist der Hochwasserschutz standardgemäß auf ein Hochwasserereignis ausgelegt, das statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vorkommt. Die Wassermassen vom 1. Juni 2016 überstiegen dies deutlich. Ein solches Extremereignis könne man nicht beherrschen, so das WWA.

Doch Simbachs Bürgermeister sagt, der Baufortschritt habe sich bereits bewährt: Im vergangenen Jahr habe es wieder ein Starkregenwochenende gegeben, bei dem die Stadt sicher teilweise untergegangen wäre, wenn nicht bereits ein Teilbereich des Hochwasserschutzes fertig gewesen wäre, so Schmid.

Freude und Ärger über Dauerbaustellen in Simbach

Die Menschen in Simbach sind die Baustellen mittlerweile gewohnt. Während die einen von den damit verbundenen Verkehrseinschränkungen genervt sind, freuen sich andere, dass etwas vorangeht – und schöner gemacht wird als vorher. Kritisiert wird aber unter anderem die lange Dauer.

Das Wasserwirtschaftsamt verweist hierbei auf die Komplexität des Vorhabens, inklusive intensiver Abstimmung mit Stadt und Bürgern – etwa beim Erwerb von Grundstücken entlang des Simbachs. Auch die Kosten sind ein Kritikpunkt. Diese liegen aktuell bei rund 65 Millionen Euro. 75 Prozent übernimmt der Freistaat, 25 Prozent die Stadt. Auch die EU fördert das Projekt.

Katastrophe wirkt noch immer nach

Die Erinnerungen an den 1. Juni 2016 prägen die Region: Betroffene erzählen, bei starkem Regen werde ihnen noch immer mulmig. Eine neue Sonderausstellung im Simbacher Heimatmuseum zeigt eindrückliche Bilder der Fluten, der anschließenden Verwüstung und der vielen Einsatzkräfte und Helfer.

Die Familie Braumiller wollte ihre Bäckerei nach der Zerstörung zunächst aufgeben, entschied sich dann aber doch fürs Weitermachen: "Ich bin stolz, was meine Eltern und ich wieder aufgebaut haben", erzählt Elke Braumiller zehn Jahre nach der Katastrophe. Backstube und Café sind so originalgetreu nachgebaut wie möglich. Finanziert haben das die Braumillers zu rund 70 Prozent durch staatliche Hilfsmittel. Für die restlichen 30 Prozent haben die Eltern ihre Rentenersparnisse ausgegeben. Elke Braumiller meint, es habe sich gelohnt.

(Archivbild) Eine verheerende Flutwelle rauschte im Juni 2016 durch Simbach am Inn
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Walter Geiring
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(Archivbild) Eine verheerende Flutwelle rauschte im Juni 2016 durch Simbach am Inn

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