Mehr als fünf Monate nach der umstrittenen Drogenrazzia im Augsburger City Club hat die Polizei zahlreiche Wohnungen in Stadt und Landkreis Augsburg durchsucht. Betroffen sind nach BR-Informationen auch Clubbesucher, deren Personalien bei der Razzia Ende Januar festgestellt worden waren.
Monatelange Ermittlungen gingen Einsatz voraus
Ein Polizeisprecher sprach gegenüber dem BR von einem groß angelegten Einsatz wegen des Verdachts auf illegalen Drogenhandel. Am Nachmittag bestätigten die Beamten auch einen Zusammenhang mit der Club-Razzia. Dies war dem BR zuvor bereits aus gut unterrichteten Quellen berichtet worden.
Nach Angaben der Polizei gingen den Maßnahmen monatelange Ermittlungen voraus. Die Durchsuchungsbeschlüsse habe das Amtsgericht Augsburg auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassen.
Festnahmen und Drogenfunde nach Wohnungsdurchsuchungen
Die Ermittlungen richten sich laut Polizei gegen 19 Personen, die bei der Razzia im City Club anwesend waren und im Verdacht stehen, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben. Ein 39-jähriger Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen. Gegen ihn besteht nach Angaben der Ermittler der Verdacht der Herstellung sowie des bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln. Zudem vollstreckten die Beamten einen bestehenden Haftbefehl gegen einen 20-Jährigen wegen einer rechtskräftigen Verurteilung in anderer Sache. Der 39-Jährige befindet sich in Polizeigewahrsam, der 20-Jährige wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Nord durchsuchten rund 200 Einsatzkräfte am frühen Morgen insgesamt 19 Objekte. Sichergestellt worden seien unter anderem Marihuana, Amphetamin, Kokain, MDMA, Haschisch, LSD, Ecstasy und Methamphetamin.
Razzia sorgte bundesweit für Kritik
Die Club-Razzia Ende Januar hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt und Fragen nach Größenordnung und Verhältnismäßigkeit des Einsatzes aufgeworfen. Rund 100 Einsatzkräfte hatten damals den Augsburger City Club und weitere Räumlichkeiten im Gebäude durchsucht. Rund 260 Menschen wurden kontrolliert, laut Polizei die meisten zur Identitätsfeststellung. Nach Angaben der Polizei wurden etwa 50 weggeworfene Drogenpäckchen auf dem Boden des Clubs gefunden sowie insgesamt rund 170 Gramm harter Drogen sichergestellt.
Gericht stellte Teil der Durchsuchung infrage
Mehrere durchsuchte Personen hatten sich gegen die von ihnen als erniedrigend empfundenen Polizeimethoden gewehrt. Vor dem Augsburger Verwaltungsgericht sind dazu noch vier Verfahren anhängig. Zudem stellte das Amtsgericht Augsburg kürzlich fest, dass die Polizei im Zuge des Einsatzes die Räume des Theatervereins "theter ensemble" rechtswidrig durchsucht hatte.
Die Beamten hatten die Türen zu den Vereinsräumen aufgebrochen, obwohl der richterliche Durchsuchungsbeschluss dafür nicht gegolten hatte. Die Polizei räumte den Fehler ein, betonte jedoch, die Voraussetzungen für einen gesonderten Beschluss hätten nach ihrer Einschätzung ebenfalls vorgelegen.
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