Seit es mönchisches Leben gibt, werden in Klostergärten Kräuter angebaut. Auch die Maristenbrüder haben in ihren Gärten seit jeher Kräuter für Tee gesammelt – und sie dann irgendwann auch für Liköre verwendet. Mittlerweile machen die Maristenbrüder seit 1857 nach ihrem bis heute unveränderten Rezept zwei Destillate.
In den Getränken steckt eine Komposition aus rund 30 ausgewählten Kräutern, die sorgfältig getrocknet und in erstklassiger Qualität in der Kräuterkammer auf dem Klostergelände lagern.
Streng gehütet: Das alte und geheime Klosterrezept
Bruder Michael Schmalz ist einer, der die Rezeptur kennt: "Die Kräuter sind praktisch die Seele dieser beiden Getränke. Das genaue Rezept, das verraten wir nicht. Das ist unser Geheimnis. Was man entdecken kann, wenn man hier bei einer Führung dabei ist: welche Kräuter, Wurzeln, Blüten, Rinden und Schalen reinkommen. Das ist hier alles etikettiert. Aber die genaue Zusammensetzung, die Mengen, das bleibt unser Geheimnis."
Zurzeit werden die beiden Destillate – sie heißen "Arquebuse" und "Hermite" – nur noch an vier Orten der Welt gebrannt: in Brasilien, Italien, Frankreich und eben in Furth in Bayern.
Die deutschen Maristenbrüder stammten ursprünglich aus Belgien und mussten im Ersten Weltkrieg fliehen. Baronin Philomena von Hornstein öffnete den Brüdern die Türen ihrer Villa in Furth. Ab 1915 entwickelte sich hier ein Kloster mit einer Ordensnachwuchsschule und verschiedenen handwerklichen Betrieben. Später begannen die Brüder auch zu destillieren.
Kräuterliköre sollen gegen Erkältungen und Unwohlsein helfen
Die Kräuterdestillate wirken durch ihre ätherischen Öl und helfen gegen Erkältungen, Unwohlsein und Magendrücken, so die Maristenbrüder.
Weil der Orden immer weniger Mitglieder hatte, übernahm die Gemeinde Furth das gesamte Klostergelände. Bei den Renovierungsarbeiten entdeckte man auf dem Dachboden der Villa einen alten Tresor der Baronin. Dort bewahrte man dann kurzerhand das Rezept auf.
Aufgebrochener Tresor, um Klosterrezept zu klauen?
Doch der alte Klostertresor wurde aufgebrochen, wie Bürgermeister Andreas Horsche erzählt. "Die Tür lag am Boden und wir wussten nicht, was alles fehlt. Wir hatten großes Glück, denn das Klostergeheimnis war in dieser Nacht nicht drin gewesen. Und somit konnte das Rezept nicht in neue Hände kommen."
Und so geht der Betrieb der bekannten Kräuterliköre weiter. Das Rezept wurde mittlerweile außerhalb des Klosters nur einer jungen Destillateurin weitergegeben, die heute den Produktionsprozess verantwortet und die Tradition in die nächste Generation trägt – damit die Gewinne der Klosterdestillation für die Schul- und Missionsarbeit der Maristen weiterhin weltweit eingesetzt werden können.
Mehr zum Thema "Geheimnisse hinter Klostermauern" in der Sendung STATIONEN in der ARD Mediathek.
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