Für ungeübte Augen ist die Wiesenweihe manchmal kaum zu erkennen. Lisa Vieth entdeckt sie sofort, sobald sie über die Felder im unterfränkischen Geroldshausen fährt. Um die vier Stunden pro Werktag ist Vieth im Frühsommer unterwegs. In einem roten Kleinwagen fährt sie im südlichen Landkreis Würzburg Flurwege ab. Sie sucht nach brütenden Wiesenweihen. Der Greifvogel galt in den 1990er Jahren beinahe als ausgestorben. Durch das Engagement von Vogelschützern und Landwirten wächst die Population wieder.
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Vogelschützer suchen nach Nestern
Die Wiesenweihe brütet am Boden. Einst nistete sie in Feuchtgebieten. Als diese immer intensiver genutzt wurden, sanken die Bestände. Die Wiesenweihen begannen verstärkt, in Getreidefeldern zu brüten. Doch dort drohen Mähdrescher die Jungvögel zu überrollen.
Deshalb beginnen jedes Jahr im April Vogelschützer wie Vieth zu suchen. Sie verbringen Stunden an den Feldern und beobachten, wo sich die Altvögel niederlassen. Die Nester melden die Vogelschützer an die Naturschutzbehörden – oder direkt an die Landwirte. Über ein Artenhilfsprogramm erhalten diese eine Entschädigung, wenn sie die Nester bei der Ernte aussparen.
Zusammenarbeit von Vogelschützern und Landwirten
"Den Reiz macht für mich aus, einfach das Draußensein, das fokussierte Beobachten, die Erfolgserlebnisse, wenn man wirklich eine Brut findet", sagt Vieth. Vor sechs Jahren begann sie, sich für die Wiesenweihe zu engagieren – zunächst rein ehrenamtlich. Zufällig hatte sie einen der Vögel entdeckt und wollte wissen, um welche Art es sich handelte. Darüber stieß sie auf das Artenhilfsprogramm.
Inzwischen ist die 41-Jährige in den Sommermonaten halbtags beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) angestellt. Sie allein betreut rund 15 Dörfer. Auf den dortigen Feldern befinden sich etwa 20 Brutpaare. Der Austausch mit den Landwirten sei gut. Manche würden sich direkt bei ihr melden, wenn sie Nester entdecken.
Wiesenweihe nicht mehr vom Aussterben bedroht
Nach Angaben des LBV engagieren sich in Bayern um die 90 Ehrenamtliche für die Wiesenweihe. 1994 hätten die ersten angefangen. Seit der Jahrtausendwende gibt es das Artenhilfsprogramm des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU). Das Landesamt zieht eine positive Bilanz. Die Population ist gewachsen. Anfang der 2000er Jahre zählte der LBV rund 50 Brutpaare in Bayern. Inzwischen seien es um die 220. Sie brüten vor allem in Mainfranken, dem Nördlinger Ries, aber auch in Teilen Niederbayerns und der Oberpfalz.
"Ohne den ehrenamtlichen Einsatz hätten wir hier nach wie vor eine akut vom Aussterben bedrohte Art – wenn sie überhaupt da wäre", sagt Marlis Heyer. Sie betreut beim LBV die Ehrenamtlichen in Unterfranken. Zwar befindet sich die Wiesenweihe in Bayern weiterhin auf der sogenannten Roten Liste. Seit 2016 gilt der Greifvogel aber als "extrem selten" – nicht mehr als "vom Aussterben bedroht".
LBV hofft auf weitere Ehrenamtliche
Trotz des Erfolgs hofft der LBV auf weitere Personen, die sich in den Sommermonaten engagieren wollen. Viele derjenigen, die vor 30 Jahren mit dem Schutz der Wiesenweihe begannen, würden nun aus Altersgründen aufhören. Der LBV versucht deshalb, Tandems aus jungen und alten Helfern zu bilden. So wie bei Lisa Vieth, die viel von einem langjährigen Vogelschützer gelernt hat: "Dem ist es zu verdanken, dass die Population hier wieder stabil ist." Noch bis in den August wird sie die Flurwege rund um Geroldshausen befahren. Dann wagen die Jungvögel erste Flugversuche.
Lisa Vieth sucht seit sechs Jahren im Sommer nach Wiesenweihen. Rund um Geroldshausen (Lkr. Würzburg) nisten etwa 20 Brutpaare.
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