Der Waginger See gilt schon lange als einer der wärmsten Seen Oberbayerns. Aber auch in anderen bayerischen Seen werden gerade schon sehr hohe Temperaturen gemessen: etwa fast 30 Grad am Altmühlsee in Mittelfranken. Wann kippen Seen?
Warm wie eine Therme
Toni Huber – 78 Jahre alt, kurze graue Haare, knallgelbe Badehose – geht ein paar Schritte ins flache Ufer des Waginger Sees hinein und hält ein Thermometer ins Wasser. Seit über zehn Jahren verbringen er und seine Frau Christl fast jeden Sommer hier auf dem Campingpatz in Tettenhausen. In Hitzeperioden wie dieser zeigt das Thermometer im Wasser oft 28 Grad und mehr. "Wie eine Therme", sagt Tonis Frau Christl. Und er: "Da kannst auch mal eine Stunde drinbleiben, ohne dass es dich friert."
Die Wasserqualität ist bisher "ausgezeichnet"
Den beiden machen die hohen Temperaturen bisher keine Sorgen. Im Gegenteil: Der See sei selten so sauber gewesen wie jetzt. Ein anderer Badegast scherzt im Vorbeigehen: "Ich würde es sogar trinken."
Derzeit ist die Wasserqualität zum Schwimmen am Waginger See "ausgezeichnet", das bescheinigt auch das örtliche Gesundheitsamt. Allerdings wird dabei vor allem untersucht, ob sich im Wasser gefährliche Bakterien wie E.Coli oder intestinale Enterokokken finden.
Bei steigenden Temperaturen ist oft weniger Sauerstoff verfügbar
Eine andere Frage ist, was das anhaltend warme Wasser für das Ökosystem See bedeutet. Und da gilt: Heizt sich ein See über einen längeren Zeitraum sehr auf, hat das Folgen für Tiere und Pflanzen.
Sehr warme Seen durchmischten sich nicht mehr so gut wie kühlere, erklärt Jürgen Geist, Professor für Aquatische Systembiologie an der TU München: Und so könne es passieren, dass kein Sauerstoff mehr in die Tiefe gelangt. Zugleich löse sich mit den wärmeren Wassertemperaturen insgesamt weniger Sauerstoff im Wasser. Und: Die Wärme führe dazu, dass alle Lebewesen im Wasser aktiver seien – also auch mehr Sauerstoff verbrauchten.
Die Folge: Blaualgen und Nixenkraut breiten sich aus
Das alles hat Folgen, die auch dem Menschen nicht egal sein können: Unerwünschte Arten wie die Blaualge breiten sich aus – bestimmte Stämme davon sind giftig und können beim Menschen Durchfall und Erbrechen auslösen. Für Hunde sind sie sogar tödlich. Andere Pflanzen wie das stachelige Nixenkraut sind zwar nicht gefährlich – nerven aber beim Schwimmen.
Fische kommen mit den warmen Temperaturen unterschiedlich gut klar. Manche Arten – wie der ungeliebte Waller – profitieren. Andere, wie die Bachforelle, bevorzugen kältere Gewässer und leiden. Im schlimmsten Fall kommt es dann zum Fischesterben, der See kippt. Oft riecht das Wasser dann auch faulig. Wann genau das passiert, lasse sich allerdings nicht genau vorhersagen, sagt Jürgen Geist. Es ist ein gradueller Prozess und hänge zum Beispiel davon ab, wie tief ein See ist und welche Tiere und Pflanzen dort vorkommen.
Nicht nur der Klimawandel entscheidet
Allerdings: Nicht nur der Klimawandel hat Einfluss darauf, ob und wann ein See kippt. Auch der Mensch hat Einfluss, etwa durch die Landwirtschaft. Diese Erfahrung hat man auch am Waginger See schon gemacht. Campingplatz-Wart Alexander Thaler erinnert sich: Früher hätten zu viele Bauern bis an den See gedüngt oder auf den umliegenden Feldern Gülle ausgefahren. Gerade bei Starkregen wurde deshalb viel Phosphor in den See gespült. In der Folge war der Nährstoff-Gehalt im Waginger See lange zu hoch – unter anderem breiteten sich giftige Blaualgen aus.
Bauern und örtliche Behörden suchten damals gemeinsam nach Lösungen: Sie änderten ihr Düngeverhalten, ließen manche Flächen frei, teilweise wurden Rückhaltebecken gebaut. Seit einigen Jahren verbessere sich die Situation am See für Pflanzen und Tiere nun wieder, bestätigt auf Nachfrage auch das Wasserwirtschafts in Traunstein.
Am Waginger See genießen die Badegäste das klare Wasser in vollen Zügen – gerade bei der Hitze. Man müsse nur weiter rausschwimmen, sagt ein Badegast, da gäbe es richtig kühle Stellen. Mit den Schwimmbojen, die die Älteren hier oft dabeihaben, lässt es sich dort dann auch länger aushalten.
Dieser Artikel ist erstmals am 27.06.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
