84 Menschen aus ganz Deutschland diskutieren miteinander statt übereinander
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ARD Dialogaktion "Was Deutschland verbindet".
Bildrechte: hr/Silviu Guimann
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"Was Deutschland verbindet" – aus bayerischer Sicht

"Was Deutschland verbindet" – aus bayerischer Sicht

84 Männer und Frauen aus ganz Deutschland haben bei der ARD-Dialogaktion ihre Meinungen und Erfahrungen ausgetauscht. Die Diskussion über Gleichberechtigung, Migration und Demokratie war vier Teilnehmern aus Bayern besonders wichtig.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Was passiert, wenn Menschen in einem sicheren Umfeld über ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Ängste sprechen und über strittige Themen diskutieren? Das haben beim ARD-Dialogformat "Was Deutschland verbindet" 84 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellvertretend für 84 Millionen Menschen in Deutschland ausprobiert. Insgesamt 13 Personen waren symbolisch für die 14 Millionen Menschen aus Bayern am 9. und 10. Mai zur Diskussion eingeladen. Ziel des ARD-Projekts war, den gesellschaftlichen Dialog, Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn zu fördern.

Dialogaktion macht Mut zur eigenen Meinung

Studentin Antonia aus Nürnberg war im Leipziger Studio besonders davon berührt, warum sich Menschen in Deutschland fremd fühlen. "Noch spannender waren die Gespräche in den Pausen, ich konnte mir im Vorfeld nicht vorstellen, mit Menschen, die andere Einstellungen haben so tief zu diskutieren." Sie erhielt über Instagram die Möglichkeit zur Teilnahme. Die 23-Jährigen möchte die Beweggründe für die Ansichten anderer Menschen besser verstehen, unabhängig davon, ob sie deren Meinung teilt.

Ein persönlicher Austausch ist auch Fliesenleger-Meister Jürgen wichtig. "Wie der AfD-Anhänger mit dem Ausländer geredet hat, war einfach beeindruckend, so viele unterschiedliche Leute, Weltansichten und trotzdem kann man höflich und auf Augenhöhe miteinander kommunizieren“.

Neue Perspektiven und Ideen

Die Diskussion im TV-Studio in Leipzig hat Stefan, Geschäftsführer eines international erfolgreichen Unternehmens aus Unterfranken, nachhaltig beeindruckt. "Das war genial. So ein Perspektivwechsel ist wichtig, dabei halte ich mich eigentlich sowieso für einen weltoffenen Menschen," betont der 59-Jährige. Doch die Schilderungen von zwei Diskussionsteilnehmern zu rassistischen Beleidigungen und Angriffen und ihre Sorge vor wachsender Fremdenfeindlichkeit habe ihn erschüttert: "Das hatte ich nicht so erwartet, dass sich Menschen so fremd in Deutschland fühlen."

Besonders außerhalb des TV-Studios habe er mit den anderen Teilnehmern einen wertvollen Austausch erlebt. Den Unternehmer beschäftigt sehr, wie sich Vielfalt und Wandel in der Gesellschaft tatsächlich positiv auswirken können für die Zukunft hierzulande. In der verbreiteten "Meckerkultur" sieht er deshalb auch eine Chance. "Unzufriedenheit zu neuen Lösungsideen führen, und zu einem Impuls für neue Produktideen. "Es ist ein großer Unterschied, ob man mit Menschen aus seinem Umfeld, oder dem eigenen Netzwerk spricht – oder ob man Menschen trifft, die komplett andere Lebensgeschichten und Erfahrungen haben."

Im Betriebsalltag seines Unternehmens achte er beispielsweise längst auf Gleichberechtigung von Männern und Frauen, unterstütze Elternzeit für junge Väter und Chancengleichheit. Jetzt überlege er, wie ein örtliches Dialogforum in Kitzingen organisiert werden könnte, das die breite Bevölkerung zur Diskussion ermutigt, Vorurteile abbaut und eine lebendige Demokratie stärkt.

Verbreiteter Rassismus überrascht Diskussionsteilnehmer

Auch Diane aus Dachau hat die Diskussion mit völlig Fremden inspiriert und ermutigt: Die Südafrikanerin lebt seit 13 Jahren in Bayern, arbeitet in Vollzeit als IT-Sicherheitsexpertin und hat inzwischen auch den deutschen Pass. Als sie bei den Themen zu Migration und Gleichberechtigung über ihre Erfahrungen und Ängste sprach, sei ihr zunächst kaum Anteilnahme ausgedrückt worden, erklärt die 51-Jährige. "Ich war traurig und sogar etwas wütend." Doch im Anschluss hätten sich gute Gespräche und Empathie entwickelt.

Diane ist es wichtig, dass Menschen mehr Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und auch Mentalitäten entwickeln können. Sie hofft auf mehr Zivilcourage und engagiert sich deshalb ehrenamtlich dafür, Einheimische und Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte zusammenzubringen, um "Fremdheitsgefühle und Ängste" zu verringern. Sie hatte sich auf eine Anfrage des Migrationsrats in Dachau für das ARD-Projekt gemeldet. An ihrem Arbeitsort München erlebe sie zwar eine wachsende soziale Kälte und fühle sich deshalb zunehmend fremd. Anders sei das auf dem Land, da gebe es viel Herzlichkeit, Offenheit und Zusammenhalt. "Dort achtet man aufeinander und hilft seinen Nachbarn." Die vier Teilnehmer aus Bayern tauschen sich weiter im Gruppen-Chat des Dialog-Projekts aus.

Am Montag, 01.06., sendet die ARD einen Schwerpunkt mit "Hart aber fair extra" und die Reportage "Was Deutschland verbindet". In der ARD-Mediathek sind alle Sendungen und die ARD-Reihe "Dialog vor 8" ab Samstag 30.05. abrufbar.

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