Menschenmassen drängten sich in den vergangenen Tagen am Münchner Hauptbahnhof, während die S-Bahn-Stammstrecke gesperrt ist. Die Münchner sind Probleme mit der S-Bahn eigentlich gewohnt. So sehr gewohnt, dass sie sich laut dem Fahrgastverband "Pro Bahn" nur noch bei größeren Unannehmlichkeiten beschweren. Aktuell ist es aber wieder so weit. Für Unmut sorgen Ausfälle, Fahrplanänderungen, zu wenig Schienenersatz entlang der Stammstrecke – und ein gebrochenes Versprechen der Bahn. Wieso wird aktuell so viel gebaut und wie kommen Pendler an ihr Ziel?
Wo kommt es zu Ausfällen?
Die aktuelle Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke zwischen Pasing und Donnersberger Brücke wird bis Freitagabend verlängert und geht damit über einen Tag länger als ursprünglich geplant. Bei den Arbeiten zum neuen Bahnhof in Laim und der 2. Stammstrecke seien "unerwartete Hindernisse im Baufeld" aufgetreten, heißt es von der Bahn (externer Link).
Aber auch nach der aktuellen Sperrung ist es noch nicht vorbei mit den Einschränkungen: In den Nächten vom 8. auf den 9. Juni bis zum 11. auf den 12. Juni wird die Stammstrecke jeweils zwischen 21.20 Uhr und 4.40 Uhr teilweise gesperrt. Hinzu kommen Tage, an denen nur ein paar Linien fahren: Zum Beispiel vom 12. Juni ab 22.15 Uhr bis zum 15. Juni um 4 Uhr. Am letzten Wochenende im Juni fährt nachts nur die S3. Die Linie ist im Juli in mehreren Nächten die einzige Linie, die durch den Tunnel fährt – dann immer in einem Halbstundentakt.
Auf den Seiten der S-Bahn München finden Sie unter anderem einen Linienplan und eine Baustellenübersicht (externe Links).
So kommen Sie trotz Stammstreckensperrung ans Ziel:
Bis diesen Donnerstag, 4.40 Uhr, fahren die S-Bahnen weiter nach dem aktuell geltenden Baufahrplan. Danach fahren auf der Stammstrecke bis Freitagabend mit der S3 und der kombinierten S5/S7 nur zwei Linien zwischen Donnersbergerbrücke und Ostbahnhof.
Zwischen Pasing und Hauptbahnhof können Fahrgäste auf Regionalzüge und die S4 ausweichen, die ohne Zwischenhalt fährt. Nahverkehrstickets gelten bis dahin auch in Fernverkehrszügen. Zusätzlich fahren weiterhin Ersatzbusse zwischen Pasing und Hackerbrücke. Auch das Ausweichen auf die U5 oder die Tramlinien 14 und 19 kann sinnvoll sein.
Der Fahrgastverband "Pro Bahn" empfiehlt allen Fahrgästen, frühzeitig loszufahren, auf ausreichend Umsteigezeit zu achten und die aktuellen Fahrpläne für Ausfälle und Alternativen zu checken.
Wie sind Urlauber von den Sperrungen betroffen?
Richtung Niederbayern/Oberpfalz und Prag sorgen Baustellen entlang der S1 für Verzögerungen und Ausfälle bei Regionalzügen.
Die S8 wird während der verlängerten Stammstreckensperrung zwischen Pasing und Ostbahnhof ohne Halt über den Südring umgeleitet. Die S-Bahn empfiehlt Fahrgästen die S8 über den Südring zu nutzen und am Ostbahnhof umzusteigen in Tram oder U-Bahn. Der Flughafen bleibt also erreichbar – Fahrgäste sollten allerdings mehr Zeit für die Anfahrt einplanen. Auch der Flughafenbus, Regionalzüge über Freising oder Taxi- und Sharing-Angebote können helfen. Zwischen Haupt- und Ostbahnhof ist während Streckensperrungen die U-Bahn U5 eine gute Alternative zur S-Bahn.
Wieso wird aktuell so viel gebaut?
Eigentlich hatte die Bahn 2017 angekündigt, die Baustellen entlang der ersten Stammstrecke auf zwei Wochenenden im Jahr zu begrenzen. Angesichts von 13 Sperrungen in zwei Monaten wird dieses Ziel aktuell verfehlt.
Ein Grund dafür sind die umfangreichen Bauarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke.
Auch die bestehende Infrastruktur wird mit Gleiserneuerungen sowie Arbeiten an Bahnsteigen und Brücken saniert, außerdem werden Unterführungen bei der Fasanerie gebaut und der Rangierbahnhof Nord wird ausgebaut. Die gesamte Liste an Bauprojekten gibt es auf der Website der DB (externer Link).
Wird die Lage auf absehbare Zeit entspannter?
Ein Sprecher der Bahn teilte mit, dass der Großteil der Vollsperrungen an der Stammstrecke bis Ende Juni überstanden ist. Aber solange die größeren Infrastrukturprojekte nicht abgeschlossen sind, sind weitere Fahrplanänderungen vorprogrammiert.
Mit der Fertigstellung der zweiten S-Bahnstammstrecke ist damit – Stand jetzt – frühestens im Jahr 2035 zu rechnen. Bis dahin müssen sich Fahrgäste immer wieder auf größere Bauarbeiten einstellen. Wenn diese fertiggestellt ist, wird es seltener Störungen geben, weil die erste Stammstrecke nicht mehr als Nadelöhr fungiert.
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