Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifazius und Sophie, so die Namen der Märtyrer und Bischöfe aus dem 4. und 5. Jahrhundert, derer vom 11. bis 15. Mai gedacht wird. Langjährige Beobachtungen legen nahe, dass es bis Mitte Mai in Deutschland zu Kälteeinbrüchen mit Nachtfrösten kommen kann, weshalb diese frühchristlichen Würdenträger auch als Eisheilige bezeichnet werden.
Über das Jahr verteilt gibt es mehrere solcher sogenannten Witterungsregelfälle, also Wetterabläufe, die an festen Terminen recht häufig wiederkehren. So tritt Mitte Juni etwa in drei von vier Jahren die Schafskälte auf, ein weiterer Kälteeinbruch, unter dem frisch geschorene Schafe besonders zu leiden haben. Weiterhin kehren auch die Hundstage, hochsommerliche Hitzewellen zwischen Ende Juli und Mitte August, häufig wieder. Der Altweibersommer Ende September und Anfang Oktober, sowie das Weihnachtstauwetter sind ebenfalls regelmäßig wiederkehrende Singularitäten.
Regeln können sich verändern im Laufe der Zeit
Doch die Verlässlichkeit dieser Wetterphänomene ist recht unterschiedlich und war auch in der Vergangenheit nicht konstant. Zum einen unterscheidet sich hinsichtlich Wetter und Klima beispielsweise der Alpenrand deutlich von der Küste, wodurch die Witterungsregelfälle nicht überall gleichartig auftreten. Zum anderen verändert sich das Klima, ob nun aufgrund natürlicher oder menschengemachter Ursachen, so dass frühere Regeln heute mitunter ihre Gültigkeit verlieren oder auch neue entstehen können.
So haben statistische Untersuchungen gezeigt, dass beispielsweise die Eisheiligen in Bayern innerhalb der letzten etwa 30 Jahre nicht mehr signifikant sind, also nicht sehr häufig eintreten. Zuletzt war dies 2020 der Fall, als vor allem in Franken in der Nacht auf den 12. Mai Frost zwischen –1 und –3 Grad gemessen wurde.
Das hat der Gregorianische Kalender damit zu tun
Verkompliziert wird das Ganze noch durch die Gregorianische Kalenderreform, in deren Folge zwischen 1582 und 1752 mehrere Tage aus dem Kalender gestrichen wurden, da der bis dahin gültige Julianische Kalender nicht mehr genau genug war. Oft ist es im Nachhinein also nicht mehr nachvollziehbar, ob eine kalenderbezogene Bauernregel vor oder nach Einführung des Gregorianischen Kalenders entstanden ist.
Pünktliche Eisheilige in Bayern
In diesem Jahr treten die Eisheiligen jedenfalls pünktlich in Erscheinung: Rückseitig der Kaltfront des Tiefs Doreen, welches sich über der Ostsee und Polen weiter ostwärts verlagert, fließt ab Montag kühle Meeresluft polaren Ursprungs über die Nordsee nach Bayern. Dadurch droht in der Nacht auf Dienstag vor allem in Oberfranken sowie im Bayerischen und im Oberpfälzer Wald und natürlich am Alpenrand in höher gelegenen Muldenlagen Bodenfrost. In besonders ungünstigen Lagen kann es auch Luftfrost geben, gemessen in zwei Metern Höhe.
Bis einschließlich Freitag, also bis zur "Kalten Sophie" bleibt es wechselhaft und kühl, wobei vor allem in der Nacht auf Mittwoch auch in Schwaben sowie im Allgäu Nachtfrost und verbreitet Bodenfrost auftritt. Am Wochenende wird es zögerlich wärmer und auch freundlicher, in der nächsten Woche wird dann in den Niederungen wieder die 20-Grad-Marke überschritten.
Gibt es bald eine "Kühle Sophie"?
Dass sich nun pünktlich zu den Eisheiligen diese Wetterlage einstellt, liegt nicht an einem in Stein gemeißelten Naturgesetz, sondern ist auch dem Zufall zu verdanken. Mitte Mai kommt die polare Kaltluft erfahrungsgemäß aber noch kalt genug in Bayern an, um Nachtfröste nach sich zu ziehen.
Durch den Klimawandel ändert sich dies nun schleichend, so dass bei vergleichbaren Wetterlagen die Temperatur heute nicht mehr so tief absinkt wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Es wird also auch künftig noch Kälterückfälle Mitte Mai geben, doch vielleicht wird dann eher von der "Kühlen Sophie" die Rede sein.
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