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Wie sich Samuel auf YouTube verlor: Die einsame Gen Z

Wie sich Samuel auf YouTube verlor: Die einsame Gen Z

Die 16- bis 29-Jährigen sind die am stärksten vernetzte Generation in der Geschichte. Und trotzdem fühlen sie sich einsamer als alle anderen, so eine aktuelle Studie. Zum Beispiel Samuel. Über seinen Weg in die Einsamkeit und wie er sie überwand.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Irgendwann beginnt Samuel, seine Internet-Zeit zu berechnen. Das Ergebnis erschreckt ihn: "Wenn ich so weitergemacht hätte, hätte ich als 80-Jähriger ungefähr 20 Jahre meines Lebens mit YouTube-Videos verbracht." Heute kann er darüber schmunzeln. Doch vor einem Jahr tauchte er ab in die digitale Welt, um der Einsamkeit in der realen Welt zu entkommen.

Es begann mit der Corona-Pandemie. Da war Samuel gerade ins Gymnasium gekommen. Doch statt Freundschaften zu finden, ist er wie die anderen in seinem Alter "extrem abgeschottet". Die Schulen sind geschlossen, Sportvereine müssen zusperren. "Es hat nicht gutgetan, so alleine zu sein", sagt der heute 17-Jährige.

Auf Corona folgen Hänseleien

Als die Schulen dann wieder öffnen, tut sich Samuel schwer, Freunde zu finden. Er wird gehänselt und ausgeschlossen. "Im Sportunterricht hat mir einer die Hose runtergezogen." Zugleich verbringt er immer mehr Zeit mit Gaming und Social Media. In seinem Fall ist es nicht TikTok, sondern YouTube.

Samuel zeigt uns eines der Videos, die er in der Zeit massenhaft anschaut. Es handelt von einer Jungs-Gruppe. "Ich hab mich gefühlt, als würd mir etwas fehlen, was andere Leute in ihrem Leben haben und was halt essenziell ist. Das hat mich dann noch einsamer gemacht." Je mehr solcher Videos er schaut, umso mehr schlägt ihm der YouTube-Algorithmus vor.

"Gen Z die mit Abstand einsamste Generation"

Der Lebensweg von Samuel ist typisch für die Gen Z, also die 16- bis 29-Jährigen, sagt der Psychologe Rüdiger Maas: "Wir können wissenschaftlich belegen, dass die Generation Z mit Abstand die einsamste Generation ist und auch bleiben wird, wenn wir nicht gegensteuern", so der Leiter der aktuellen "Jugendtrendstudie" des Instituts für Generationenforschung. "Und wir konnten belegen, dass diese jungen Menschen wesentlich einsamer sind als junge Menschen im gleichen Alter vor 20 Jahren." Besonders betroffen seien junge Männer.

Doch obwohl sich viele junge Menschen sozial isoliert fühlen, würden Betroffene gar nicht erst versuchen, etwas dagegen zu unternehmen. Soziale Kontakte würden "bewusst gemieden" – auch auf Social Media, das dann nur passiv genutzt würde: "Eine Folge davon ist regelmäßiges Doomscrolling ohne Kommentierung, soziale Interaktion oder sonstigen zwischenmenschlichen Austausch", so Forscher Maas.

ChatGPT als neuer Freund

Manche versuchen, ihrer Einsamkeit durch einen digitalen Freund zu kompensieren. "ChatGPT ist auf jeden Fall so etwas wie ein bester Freund für mich", sagt in der Studie ein 16-Jähriger. Neben Chatbots kommen laut Studie auch digitale Haustiere, KI-Charaktere in Spielen oder Apps sowie virtuelle Assistenten wie Siri oder Alexa als digitale Freunde in Frage – vor allem für männliche Jugendliche. Das hilft nicht wirklich, so die Forscher: Denn je eher sich jemand vorstellen kann, einen digitalen Freund zu haben, desto stärker ist das Gefühl der Einsamkeit.

Ob die Gen Z nun wirklich einsamer ist als alle anderen oder sich nur so fühlt, können die Forscher nicht letztgültig beantworten. Da Einsamkeit aber per se ein Gefühl ist, ist diese Frage am Ende nicht entscheidend.

Samuel klettert aus der Einsamkeit

Psychologe Maas betont aber, dass Einsamkeit und Social-Media-Konsum einhergehen: "'Ich brauche meine Social Battery' oder 'Ich fühle mich einsam': Die jungen Leute hören auf TikTok oder Instagram, dass das gerade das Thema ist. Und dann fragen sie ChatGPT: 'Kann ich auch betroffen sein?' Die Antwort: 'Ja, könntest Du!' Und dann bedienen sie wieder Social Media."

Samuel kennt diese Spiralen bestens. Zur Wahrheit gehört aber auch: Es war ein Selbsttest im Internet zum Thema "Wohlbefinden", der bei ihm erst ein Problembewusstsein geschaffen hat. Daraufhin macht Samuel weitere Tests und entscheidet sich zusammen mit seinen Eltern für eine Therapie. Das erzählt er in einer Kletterhalle, wo sich Samuel inzwischen regelmäßig mit anderen Klettersportlern trifft. Er hat die Einsamkeit überwunden.

Infos und Hilfe für den sicheren Umgang mit Medien finden Sie zum Beispiel hier und hier.

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