Blick von oben auf das vollbesetzte Hacker-Festzelt mit Tausenden Besuchern auf dem Oktoberfest.
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Hier kann man sich leicht anstecken: Menschenmassen im Bierzelt auf der Wiesn.
Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
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Wiesn-Grippe: Mythos oder echte Infektionswelle?

Wiesn-Grippe: Mythos oder echte Infektionswelle?

Zwei Wochen lang wurde geschunkelt, gesungen und angestoßen. Seit einer knappen Woche ist das Oktoberfest vorbei – jetzt wird vor allem geschnieft und gehustet. Was hat es mit der sprichwörtlichen Wiesn-Grippe auf sich – wissenschaftlich betrachtet?

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Mit den Souvenirs vom Oktoberfest ist es so eine Sache: Die einen bringen ein Lebkuchenherz mit, die anderen einen Luftballon – viele aber auch einen kräftigen Schnupfen. Wenige Tage nach dem Ende der Wiesn hat die sogenannte Wiesn-Grippe München fest im Griff. Doch um welche Erreger handelt es sich eigentlich bei dieser Infektion, die viele Münchnerinnen und Münchner zuverlässig im Oktober einholt?

Kardiologe: Viele Studien zur Wiesn-Grippe gibt es nicht

Das wollte auch Stefan Max Brunner wissen. Der Kardiologe vom LMU Klinikum hatte sich im vergangenen Jahr selbst auf der Wiesn angesteckt. Aus Neugier suchte er Studien darüber, um herauszufinden, was es mit der Wiesn-Grippe auf sich hat. Doch er stellte bald fest: Viele Daten gibt es dazu nicht.

"Das hat mich ehrlich gesagt auch gewundert. Die Wiesen-Grippe ist ja in München und Umgebung ein bekanntes Phänomen", erzählt Brunner im Gespräch mit BR24. Er machte sich also selbst an die Arbeit und startete eine Studie.

Testpersonen beantworten Fragen zum Wiesn-Besuch

Seine Doktoranden rekrutierten Wiesn-Besucher im Bereich der Hackerbrücke. Das war erstaunlich einfach, erzählt Brunner: "Die meisten kennen das Phänomen der Wiesen-Grippe und fanden es interessant, das mal wirklich wissenschaftlich untersuchen zu lassen." Brunner will herausfinden: Gibt es die Wiesn-Grippe tatsächlich – oder ist das nur ein saisonales Phänomen, unabhängig von der Wiesn? Wie viele Menschen werden krank? Und welche Erreger stecken dahinter?

Die Untersuchung mit den Testpersonen läuft folgendermaßen ab: "Wenn sie bereit waren, an der Studie teilzunehmen, bekommen alle ein bis zwei Wochen nach der Wiesn einen Fragebogen zugeschickt mit unterschiedlichen Fragen", erklärt Brunner. "Das sind zum einen Fragen zum Wiesn-Besuch, das heißt: Wie oft waren Sie auf der Wiesn? Waren Sie in einem Zelt? Welche Alkoholmenge wurde zu sich genommen?"

Vergleich mit Abwasser-Proben von der Theresienwiese

Der LMU-Forscher geht davon aus, dass bei der Ansteckung mehrere Faktoren eine Rolle spielen: die große Menschenmenge, der übermäßige Alkoholkonsum, der den Körper schwächt, aber auch fehlende Hygienemaßnahmen. "Und natürlich die kalten Nächte nach dem Wiesn-Besuch, die nach vermehrten Alkoholkonsum nicht mehr so beachtet werden", zählt der Kardiologe auf.

Bei Probanden, die krank geworden sind, nimmt Brunner auch einen Abstrich. So findet er heraus, um welche Erreger es sich handelt. Seine Ergebnisse gleicht er mit Proben aus dem Münchner Abwasser ab, das während des Oktoberfests direkt an der Theresienwiese entnommen wurde. Um auszuschließen, dass es sich nur um eine normale Erkältungswelle im Herbst handelt, die es auch ohne Wiesn geben würde, macht Brunner zusätzlich Tests in anderen Städten, wo kein Volksfest stattfindet.

Gibt es nächstes Mal eine Wiesn-Grippe-Impfung?

Die Studie läuft noch, eine erste Erkenntnis gibt es laut Brunner schon: "Was wir schon sagen können, ist, dass vereinzelt tatsächlich der richtige Grippevirus, der Influenzavirus ist, der eine Rolle spielen kann. Aber das ist sicher nur ein kleinerer Teil der Wiesn-Grippe. Der große Teil werden sicher andere Viren sein, die die ganz normalen Erkältungssymptome verursachen."

Pünktlich zur nächsten Wiesn wollen Brunner und sein Team ihre Untersuchungen veröffentlichen. Gibt es dann etwa eine eigens auf die Wiesn-Grippe zugeschnittene Impfung? Brunner lacht: "Ja, das wäre sicher wünschenswert, wenn es das gäbe. Was es ja gibt, sind Impfungen gegen Influenza und Corona und wenn wir feststellen können, dass diese Viren tatsächlich auftreten als Ursache der Wiesen-Grippe, dann ist natürlich die Impfung die effektivste Maßnahme, sich davor zu schützen."

Dieser Artikel ist erstmals am 07. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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