Der mit Spannung erwartete zweite Testflug der deutschen Spectrum-Rakete ist unmittelbar vor dem Start abgebrochen worden. Die Gründe waren nicht unmittelbar klar.
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Raketenstart von Isar-Aerospace überraschend abgebrochen
Der Abbruch des Starts auf dem norwegischen Weltraumbahnhof Andøya kam überraschend, da der Countdown um 21.21 Uhr bereits beendet war. Etwa zwanzig Minuten zuvor war nach Worten des Moderators der Livestream-Übertragung ein Boot in der Sicherheitszone rund um die an der Küste gelegene Startbasis entdeckt worden.
Da es sich erst um den zweiten Versuch handelte, galt ein Erfolg schon vorher als ungewiss. "Wir wollen signifikanten Fortschritt zeigen", hatte Unternehmenschef und Mitgründer Daniel Metzler bei einem Pressegespräch am Vortag ein vergleichsweise bescheidenes Ziel ausgegeben - und auf Space X verwiesen, das vier Versuche benötigt hatte. Isar Aerospace will in diesem Jahr weitere Starts folgen lassen, der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist bereits weit fortgeschritten. Eigentlich hätte die Rakete bereits im Januar abheben sollen, doch hatte das Unternehmen den Start wegen eines defekten Ventils um zwei Monate verschoben.
Was die Raketenbauer aus Ottobrunn planen
Die Spectrum soll nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Rund 60 Prozent der Anfragen kommen nach Worten Metzlers mittlerweile aus dem militärischen Bereich. Ziel des Unternehmens ist die Produktion von 40 Raketen pro Jahr.
Nach Worten Metzlers ist Isar Aerospace jetzt schon mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Wie wichtig das erst 2018 gegründete Jungunternehmen auch für die deutsche Politik ist, zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der das Gelände in Andøya am 13. März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre besuchte.
Europäisches Interesse am Weltraum
Grund des großen Interesses dürfte auch sein, dass Europa bislang keine eigene Technik hat, um Satelliten ins All zu schießen. Die meisten davon werden von Space X ins All befördert. Laut Metzler starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, der Rest der Welt 124, Europa lediglich acht. Mit den Startups Isar Aerospace, Rocketfactory Augsburg und Hyimpulse sei Deutschland nun im Bereich der sogenannten Microlauncher aktiv. Der Druck auf erfolgreiche Starts ist laut Experten sehr hoch.
Der Nutzen einer eigenen Weltraumpräsenz
Isar Aerospace-Chef Metzler betonte die Bedeutung eines unabhängigen Zugangs zum All für Europa: "Die strategische Realität, mit der sich Europa konfrontiert sieht, ist, dass wir große Weltraumpläne haben können, aber wenn wir keine Straße ins All haben, wird das schwierig." Ohne Präsenz im Weltraum gebe es keine Frühwarnung vor Raketenangriffen, keine sichere Kommunikation, keine frühzeitige Reaktion auf Katastrophen.
Mit Informationen von dpa.
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