Im Unterallgäu hat ein mittelständischer Anlagenbauer mit 600 Mitarbeitenden eine "Green Factory" eingerichtet, um wertvolles Material zu sparen. Was auf der Baustelle nicht gebraucht wird, gibt er zurück oder bereitet es auf. Ein Anbieter von Straßenbelägen mit Standorten in ganz Bayern stellt seine Produkte mit Hilfe moderner Technologien vollständig aus aufbereitetem Asphalt her. Ein Unternehmen aus der Nähe von Straubing fertigt Instrumente für Knie- oder Hüftgelenksoperationen, die mehrfach verwendet werden können.
Viele Firmen in Bayern setzen seit Langem darauf, wertvolle Rohstoffe wiederzuverwerten oder möglichst lange einzusetzen. Kommunen ebenfalls: Abbruchmaterial der Bayernkaserne im Münchner Norden wird nicht kilometerweit entfernt, sondern direkt auf der Baustelle recycelt und für den Bau von 5.500 neuen Wohnungen genutzt.
Millionenförderung für die Wiederaufbereitung
Gute Beispiele, denen nach Ansicht des Bundesumweltministeriums aber noch nicht genügend Unternehmen folgen. Die Bundesregierung will deshalb mit einem Aktionsplan den Erhalt, die Reparatur und die Wiederaufbereitung von Produkten stärker unterstützen. Als Grundlage dient die vor anderthalb Jahren beschlossene Kreislaufwirtschaftsstrategie. Die zielt darauf ab, Abfall zu vermeiden, den Verbrauch von Rohstoffen zu senken und den Anteil von wiederaufbereiteten Produkten zu steigern.
Laut dem Aktionsplan soll Recycling eine größere Rolle bei der Beschaffung spielen, wenn künftig Bund, Länder oder Kommunen beispielsweise Bauvorhaben planen. Konkrete Vorgaben dafür fehlen allerdings. Ab dem Herbst soll eine Plattform Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung zusammenbringen, um etwa Batterien oder Bahnschienen wiederaufzubereiten. Ein Förderprogramm soll zum Jahresende Start-Ups dabei unterstützen, nachhaltigere Produkte auf den Markt zu bringen. Bis 2029 stehen für das Aktionsprogramm 260 Millionen Euro bereit.
Weniger abhängig von China und Co.
Deutschland verfügt über wenig eigene Rohstoffe. Unternehmen können also Geld sparen, wenn sie möglichst wenig davon im Ausland teuer einkaufen und sie stattdessen möglichst lange nutzen und aufbereiten. Wenn weniger Rohstoffe abgebaut und über weite Strecken transportiert werden, schont das Umwelt und Klima.
Darüber hinaus macht es deutsche Firmen weniger abhängig von Ländern wie China, das Lithium liefert, oder dem Kongo, wo weltweit am meisten Kobalt gefördert wird. Beides ist für die Batterieherstellung unverzichtbar. Dass während der Corona-Pandemie in Europa Medikamente knapp wurden und Autofabriken stillstanden, weil aus Asien zu wenig Halbleiter kamen, wirkt weiter nach.
Recycling als Wirtschaftsmodell
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) erkennt in der Kreislaufwirtschaft einen Wirtschaftsfaktor mit Zukunft. Viele würden dabei noch an Mülltrennung und Dosenpfand aus den 90er Jahren denken, erklärte Schneider bei der Vorstellung des Aktionsplanes, stattdessen habe sich die Kreislaufwirtschaft zu einem "börsenrelevanten Wirtschaftsfaktor" entwickelt.
Durch die Wiederaufbereitung von Batterien, Baustoffen und Stahlschrott wird nach Schneiders Worten im laufenden Jahr ein wirtschaftlicher Mehrwert von 60 Milliarden Euro erzielt. Diese Summe solle sich einem BDI-Gutachten zufolge in den kommenden 19 Jahren verdoppeln. Der Geschäftsführer der Krefelder Batterie-Recycling-Firma Accurec, Reiner Sojka, sprach bei der Präsentation des Aktionsprogramms von einem "Multimilliardenmarkt".
Gemischte Reaktionen
Der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND nennt die Kreislaufstrategie der Bundesregierung enorm wichtig, vermisst aber verbindliche Recycling-Vorgaben für die Industrie. Nach Ansicht des Bundesverbandes der Industrie (BDI) setzt das Aktionsprogramm kaum neue wirtschaftspolitische Impulse. Die Industrie brauche bessere Investitionsbedingungen und stärkere finanzielle Unterstützung.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt den Aktionsplan grundsätzlich, warnt aber vor neuen bürokratischen Hürden. Aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl bleibt das Programm in wichtigen Punkten unverbindlich und nutzt damit Potenziale der Kreislaufwirtschaft nicht genügend.
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