Abt Nikodemus Schnabel (aus Jerusalem, während des Katholikentags in Erfurt. (Archiv)
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Abt Schnabel verurteilt Gewalt gegen Christen in Israel

Abt Schnabel verurteilt Gewalt gegen Christen in Israel

Der in Jerusalem lebende katholische Geistliche Nikodemus Schnabel beklagt eine zunehmende Gewalt gegen Christen in Israel. Der Angriff auf eine Ordensfrau Ende April sei kein Einzelfall, sagte Schnabel dem BR. Es sei "etwas gekippt".

Über dieses Thema berichtet: BR24 Thema des Tages am .

Der katholische Geistliche Nikodemus Schnabel von der deutschsprachigen Dormitio-Abtei in Jerusalem beklagt den offenen Hass und die zunehmende Gewalt gegen Christen in Israel. Der Angriff auf eine Ordensfrau in Jerusalem sei kein Einzelfall, sagte Schnabel im "BR24 Thema des Tages" (Bayerischer Rundfunk).

"Nicht die Frage, ob ich angepöbelt werde"

"Gerade Israel sollte moralisch anspruchsvoller sein und sich die Frage stellen lassen, wie gehe ich mit Minderheiten um?" Zudem sei festzustellen, "dass da etwas gekippt ist in den letzten Jahren. Wenn man als Christ erkennbar in Jerusalem auf die Straße geht, ist nicht die Frage ob ich angepöbelt werde, ob Leute vor mir ausspucken, sondern wie häufig", berichtete Schnabel auch aus eigener Erfahrung. Von der israelischen Regierung fordert er deshalb anzuerkennen "wir haben da ein Problem und das gehen wir wirklich an und reden das nicht schön."

"Christenhasser" in der israelischen Regierung

Ein großes Problem seien die Extremisten in der israelischen Regierung, wie etwa der für die Polizei zuständige Minister Itamar Ben-Gvir, "ein abgrundtiefer Christenhasser", wie Schnabel ihn nannte.

Vor diesem Hintergrund wünscht sich der Geistliche mehr Schutz für Minderheiten, ähnlich wie in Deutschland, wo Jüdinnen und Juden vor Antisemitismus geschützt werden müssten. "Dasselbe erwarte ich von Israel. Wenn wir Christen sagen, wir trauen uns nicht mehr auf die Straße zu gehen, dann möchten wir ernst genommen werden."

Enttabuisierung von Gewalt

Es gebe in Israel eine "Enttabuisierung der Gewalt und einen Unwillen sich dem Thema zu stellen", sagte der Benediktinerabt. Israel sei nicht nur von außen von Feinden bedroht, "Israel hat auch einen internen Terrorismus, den jüdischen Terrorismus, der diesen Staat von innen gefährdet. Stichtwort: Siedlergewalt." Man erlebe das zum Beispiel in der Westbank, wo palästinensische Dörfer täglich angegriffen werden, so der Abt. "Wir erleben, dass radikale Siedler nicht belangt werden, dass sie freie Hand haben." Deshalb seien er und seine jüdisch-israelischen Freunde in großer Sorge.

Hoffnung macht ihm, dass es in Jerusalem Menschen gebe, "die Freude am Glauben der anderen haben, an diesem multi-kulturellen, multi-religiösen Mosaik-Charakter von Jerusalem. Wenn diese Menschen sich durchsetzen, dann ist Jerusalem wirklich zum Verlieben schön."

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