Außerhalb der Stadt Eger in Tschechien befindet sich eine große Ackerfläche. In wenigen Jahren sollen hier, nur ein paar Kilometer hinter der deutschen Grenze, Daimler Trucks montiert werden. Der Konzern will hier ein zusätzliches, neues Werk aufbauen.
Sehr zur Freude der Anwohnerinnen und Anwohner in Eger. "Ich habe Kinder", erzählt uns eine Frau, "die studieren eigentlich Informatik und solche technischen Bereiche, und ich bin froh, dass sie dann in der Zukunft was zu tun haben, hier im Gebiet, dass die dann nicht wegmüssen."
Hohe Kosten am Standort Deutschland
Keine 20 Kilometer entfernt, auf der bayerischen Seite der Grenze, liegt die Stadt Arzberg. Hier wird derzeit eine vergleichbare Fläche zur industriellen Nutzung angeboten. Nach Angaben des zuständigen Landrats habe Daimler Truck wegen dieser Fläche nicht angefragt. Warum?
Das Unternehmen macht dazu keine Angaben. Auf Anfrage heißt es, für Tschechien spräche neben der zentralen Lage in Europa, der guten Anbindung und Infrastruktur auch die Kostensituation vor Ort. Tatsächlich: Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) kostet die Arbeitsstunde in der Autoindustrie in Deutschland etwa 65 Euro - in Tschechien 24 Euro.
Hohe Kosten, einer der entscheidenden Faktoren, warum der Standort Deutschland "an Attraktivität verloren" habe, sagt Stefan Bratzel, einer der führenden Experten für die Automobilindustrie. Man könne sehen, dass die Arbeitskosten, die Energiekosten und Bürokratiekosten im Wettbewerbsvergleich gestiegen seien, so Bratzel, "sodass wir seit Jahren eigentlich eine ja schleichende Verschiebung von Produktionskapazitäten aus Deutschland ins europäische Ausland erleben."
Autoland Baden-Württemberg stark betroffen
Das ist sichtbar: In Deutschland werden Stellen abgebaut, bei Daimler Truck bis 2030 5.000, nach Angaben des Statistischen Bundesamts seit 2019 schon über 100.000 in der gesamten deutschen Autoindustrie.
Im Video: Krise der deutschen Autoindustrie · Hier abbauen, im Ausland aufbauen?
Die Autoindustrie baut Jobs ab, neue Werke entstehen im Ausland. Daimler Truck plant in Tschechien – auch wegen niedrigerer Kosten.
Diese Erfahrung hat auch Désirée Morciano aus der Nähe von Stuttgart machen müssen. 17 Jahre lang hat sie bei einem Zulieferer gearbeitet. Letztes Jahr dann das Aus. Die Familie steht vor dem Nichts. "Wir hatten mit unseren Gehältern geplant. Wir hatten Kredite, wir hatten Versicherungen. Es ist hier der Wohlstand, der für die normalen Menschen verloren geht."
Schicksale wie diese kennt Diakon Michael Görg zuhauf: Der Stuttgarter Betriebsseelsorger spürt die Krise in der Autoindustrie in Gesprächen mit Betroffenen: Bei diesen handele es sich um einen Querschnitt der Gesellschaft. "Viele fragen sich, ob dieser Beitrag, den Mitarbeiter geleistet haben zum Unternehmenserfolg, dann nicht mehr zählt."
Stolz und Freude im Ausland
In Tschechien freut sich insbesondere der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Eger, Michal Pospíšil, auf das neue Werk - und auch auf die 1.000 neuen Arbeitsplätze, die dort entstehen sollen. "Die Stadt Eger wird in der Zukunft auch mit der Marke mit dem Stern, Benz, verbunden", sagt er stolz.
Die "Krise der deutschen Autoindustrie" ist Thema im ARD-Politikmagazin "report München" am 06.05.2026 um 21.45 Uhr im Ersten.
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