Das Drama um den Buckelwal nähert sich seinem Ende: Der in der Ostsee gestrandete Meeressäuger ist in dem für seinen Transport vorgesehenen Lastkahn angekommen. Das Tier schwamm durch eine zuvor ausgebaggerte Rinne in die sogenannte Barge, nachdem Helfer es zuvor mit Gurten in diese Richtung gezogen hatten, wie auf Livestreams zu sehen war. Unter den Helfern brach Jubel aus, einige Passanten weinten vor Erleichterung.
Nachdem die Bergungsaktion lange schleppend verlief und mehr als ein Dutzend Helfer an den Gurten zerrten, die dem rund zwölf Tonnen schweren Tier zuvor umgelegt worden waren, ging auf einmal alles ganz schnell und das Tier bewegte sich zügig in Richtung des Kahns.
Buckelwal steht mehrtägige Reise Richtung Nordsee bevor
Die Barge ist eine Art transportables Schwimmbecken, in dem normalerweise Schiffe transportiert werden. Darin soll der Meeressäuger, der seit rund vier Wochen in einer flachen Bucht vor der Insel Poel lag, in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee transportiert werden, womöglich noch weiter in den Atlantik. Die für den kranken Wal beschwerliche Reise soll mehrere Tage dauern.
Am Abend war auf Livestreams zu sehen, dass sich der Lastkahn in Bewegung setzte. Er wurde von mehreren kleineren Booten weggeschoben. Im tieferen Wasser wurde der motorlose Kahn mit dem Wal dann von einem Schlepper auf den Haken genommen. Damit konnte die Fahrt in Richtung offenes Meer beginnen. Allerdings ist die Hochseetauglichkeit der Barge fraglich, sie ist eigentlich für flache Gewässer ausgelegt.
Minister genehmigte Rettungsaktion in Ostsee
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gratulierte den Helfern nach der geglückten Aktion. "Viele Menschen haben hier vor Poel in den letzten Tagen und Wochen mit viel Herzblut und unter persönlichen Opfern mitgewirkt, um dem Wal zu helfen." Das könne gar nicht hoch genug bewertet werden.
Der Minister hatte zuvor grünes Licht für das Konzept mit den Gurten gegeben. Er sagte am Morgen mit Blick auf einen möglichen Erfolg: "Für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben." Er gab allerdings zu bedenken, dass es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktion etwa auf das Anlegen des Gurtsystems nicht absehbar sei. Die Tierärzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfähig an, wie der Minister erklärte.
Wal-Geldgeber Gunz: "Nie so viel gebetet"
Geldgeber Walter Gunz zeigte sich überglücklich nach dem ersten Erfolg bei der Rettungsaktion. "Gott sei Dank. Gott sei Dank. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gebetet", sagte der Mediamarkt-Gründer. Er selbst habe den Moment nicht am Bildschirm verfolgen können. "Ich habe es von der Karin gehört. Ich hatte keine Nerven mehr." Unternehmerin Karin Walter-Mommert ist ebenfalls Geldgeberin für das Wal-Rettungsprojekt.
Als er die Nachricht vernommen hatte, seien ihm die Tränen gekommen, so Gunz. "Man hat ja auch Ängste. Das war schon eine harte Zeit." Er sei nun einfach nur froh, dass es gelungen sei.
Tierärztin Kirsten Tönnies von der privaten Rettungsinitiative erklärte: "Natürlich freuen wir uns alle wahnsinnig." Es sei "unglaublich berührend" gewesen. Das Tier sei aus eigener Kraft in die Barge geschwommen, ergänzte Fred Babbel, Leiter des Arbeiter- und Taucherteams der Initiative. Ihm sei "ein großer Stein vom Herzen" gefallen.
Tierschützer warnen vor "weiteren Manipulationen"
Unabhängige Fachleute warnten vor dem mehrtägigen Transport: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden. "Von weiteren Manipulationen am Wal" sei abzusehen. "Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert" und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie "ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden", erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.
Das Drama um den Wal wird im In- und Ausland mit großer Anteilnahme verfolgt. Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach, zudem verfing er sich in Netzen. Seit vier Wochen lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht auf Grund.
Zum Hören: Erste Erfolge bei Buckelwal-Rettung
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal ist in dem für seinen Transport vorgesehenen Lastkahn angekommen.
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