23.05.2026, Demokratische Republik Kongo, Bunia: Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Bunia versprühen Desinfektionsmittel auf einem Markt in der Nähe eines Müllwagens. Die Provinz Ituri kämpft weiterhin gegen den Ebola-Ausbruch in Bunia im Kongo. Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
23.05.2026, Demokratische Republik Kongo, Bunia: Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Bunia versprühen Desinfektionsmittel auf einem Markt in der Nähe eines Müllwagens. Die Provinz Ituri kämpft weiterhin gegen den Ebola-Ausbruch in Bunia im Kongo. Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Ebola-Ausbruch: Droht eine neue Pandemie?

Ebola-Ausbruch: Droht eine neue Pandemie?

Ein Patient in der Berliner Charité, neue Ebola-Fälle in Zentralafrika: Wie gefährlich ist die neue Virusvariante, wie wird sie übertragen – und besteht auch für Europa ein Risiko?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und im Nachbarland Uganda bereitet Fachleuten weltweit Sorgen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es seit dem ersten gemeldeten Ausbruch am 15. Mai inzwischen mehr als 900 Verdachtsfälle, über 200 Menschen sind bereits gestorben. Die WHO hat eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen.

Experten beobachten aktuellen Ebola-Erreger

Besonders aufmerksam beobachten Experten den Erreger selbst: Es handelt sich um einen seltenen Virusstamm, der nach der ugandischen Provinz Bundibugyo benannt ist. Er wurde erstmals in den Jahren 2007 und 2008 identifiziert und unterscheidet sich in einigen Punkten von der bekannteren Zaire-Variante, die unter anderem den bislang schwersten Ebola-Ausbruch zwischen 2014 und 2016 in Westafrika verursacht hat.

Mit dem Patienten, der derzeit in der Charité in Berlin isoliert behandelt wird, rückt der Ausbruch nun auch für viele Menschen in Deutschland gefühlt näher. Was man über die neue Ebola-Variante wissen sollte und wie Experten die Gefahr einer europaweiten Ausbreitung einschätzen:

Wie gefährlich ist das Ebola-Virus?

Ebola gehört zu den tödlichsten bekannten Infektionskrankheiten. Je nach Virusvariante und Ausbruch sterben laut WHO 25 bis 90 Prozent (externer Link) der Erkrankten. Nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH hat die Bundibugyo-Variante eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Damit ist der Stamm weniger tödlich als die weiter verbreitete Zaire-Variante, die in bis zu 90 Prozent der Fälle zum Tod führt.

Wie wird das Ebola-Virus übertragen und was sind die Symptome?

Die Ebola-Viren werden durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, etwa durch Blut, Schweiß, Erbrochenes oder andere Sekrete. Auch Tote bleiben ansteckend. Die Krankheit beginnt oft mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwäche oder Durchfall. Später können Erbrechen, innere und äußere Blutungen sowie Organversagen auftreten. Die Inkubationszeit beträgt laut WHO zwischen zwei Tagen und drei Wochen.

Wie kann die Krankheit bekämpft werden?

Für die Bundibugyo-Variante existieren laut WHO bislang weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie. Wichtig sind deshalb die Isolation von Erkrankten, Schutzkleidung für medizinisches Personal sowie die Überwachung von Kontaktpersonen. Gegen die häufigere Zaire-Variante gibt es Impfstoffe.

Könnte Ebola wie Corona eine Pandemie auslösen?

Der Medizinanthropologe Sung-Joon Park vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hält eine weitreichende Ausbreitung des Ebola-Virus in Deutschland und Europa für sehr unwahrscheinlich. Die Überführung des Infizierten und mehrerer Kontaktpersonen nach Deutschland in die Berliner Charité erfolge nach einem standardisierten Verfahren. Zudem sei die Verbreitung des Virus vom mehrfachen Kontakt mit Körperflüssigkeiten abhängig. Diese Kontakte seien oft durch soziale Praktiken beeinflusst, die in Europa nicht gegeben seien.

Als Beispiel für soziale Praktiken nannte er den Versuch von Familien, kranke Angehörige bestmöglich zu versorgen, was zu weiterer Ansteckung führen könne. In der betroffenen Region in Ostafrika würden "soziale Gründe, kulturelle Gründe, aber auch politische Gründe" zur Verbreitung beitragen, erklärte Sung-Joon Park gegenüber BR24. Die Region sei eine Konfliktzone und ein Kriegsgebiet, was den Zugang für Hilfsorganisationen sehr schwierig mache.

Die WHO stuft das Ansteckungsrisiko in der Demokratischen Republik Kongo als sehr hoch ein, weltweit jedoch als gering. Anders als das Coronavirus wird Ebola nicht über die Luft, sondern nur bei engem Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Ansteckend sind Erkrankte erst, wenn Symptome auftreten – das erleichtert die Nachverfolgung von Kontakten. Weil Betroffene meist rasch schwere Symptome entwickeln, können Infektionsketten eher erkannt und unterbrochen werden. Fachleute halten eine große Ebola-Pandemie daher für unwahrscheinlich.

Wie ist die Lage in Zentralafrika?

Nach Angaben der WHO wird sich der Ebola-Ausbruch in Zentralafrika wohl weiter zuspitzen, bevor er unter Kontrolle ist. Gleichzeitig stoßen Helfer auf viel Misstrauen und Unwissen: In der Provinz Ituri hält laut der Organisation ActionAid etwa ein Drittel der Menschen Ebola für einen Mythos. Zuletzt flohen in Mungwalu mehrere Patienten aus einem Krankenhaus, nachdem Angehörige eines Verstorbenen Behandlungszelte in Brand gesetzt hatten, weil ihnen der Leichnam nicht ausgehändigt wurde.

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