Die Lage in den von Ebola betroffenen Gebieten im Kongo ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zutiefst besorgniserregend. Über das ganze Ausmaß des Ausbruchs im Osten der Demokratischen Republik Kongo herrsche große Unsicherheit, sagte die WHO-Landesrepräsentantin Anne Ancia am Dienstag in Genf.
Die WHO hat für Dienstag ihren Notfallausschuss einberufen. Das sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Tedros hatte bereits eine Notlage internationaler Reichweite wegen des Ausbruchs ausgerufen.
Wie kritisch ist die Lage in Afrika? Droht eine weitere Ausbreitung auch in andere Länder? Und wie kann die Krankheit bekämpft werden? Darüber sprach BR24 mit der ARD-Afrikakorrespondentin Caroline Imlau in Nairobi sowie Dr. Jenny Dörnemann, die für Ärzte ohne Grenzen selbst schon in Ebola-Gebieten gearbeitet hat. Sung-Joon Park, Medizin-Anthropologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin analysierte die Hintergründe der Ausbreitung. Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Ebola-Fallzahlen schnellen in die Höhe
Nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums gibt es inzwischen 513 Verdachtsfälle und 131 vermutete Todesfälle. Es benötige jedoch weitere Untersuchungen und Labortests, um die Zahlen zu bestätigen, sagte Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba im kongolesischen Staatsfernsehen.
Die Ausbreitungsgefahr für die gesamte Region gilt als hoch. Die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, für die es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer einzudämmen. Der Ebola-Ausbruch begann laut der Gesundheitsbehörde Africa CDC vermutlich in der dritten Aprilwoche in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet. Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976.
Infizierter US-Bürger soll in Berliner Charité behandelt werden
Ein mit dem Ebolavirus infizierter US-Amerikaner soll in Deutschland versorgt werden. Die US-Behörden hätten die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-Staatsbürgers gebeten, der sich im Kongo mit Ebola infiziert habe, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit. Nach BR-Informationen aus dem Klinikumfeld soll der Patient in der Berliner Charité behandelt werden.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte mit, der Infizierte habe in der Demokratischen Republik Kongo gearbeitet und sei am Wochenende positiv getestet worden. Wegen der kürzeren Flugzeiten und der Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten solle er nach Deutschland verlegt werden – ebenso wie sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko. Zu ihren Nationalitäten wurden keine Angaben gemacht.
Entwicklungsministerin mahnt und lobt
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) mahnte ein schnelles Handeln an, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. "Die Lage ist extrem ernst", erklärte die Ministerin am Dienstag.
"In diesem Moment zahlt sich aus, dass wir mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit schon seit vielen Jahren in die Pandemievorsorge in Zentralafrika investieren", erklärte Alabali Radovan. Sie verwies auf den Aufbau von Frühwarnsystemen, Trainings von medizinischen Fachleuten sowie Labore, in denen Tests vorgenommen würden.
Mit Partnern vor Ort sollten kommende Woche 500 Schutzanzüge für medizinisches Personal ausgeliefert werden, erklärte die Ministerin weiter. Zudem seien Schulungen zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen in Vorbereitung. Die Ministerin fügte hinzu: "Wer bei der internationalen Zusammenarbeit für Gesundheit spart, gefährdet Menschenleben – aktuell in Zentralafrika, aber auch schnell darüber hinaus."
Mit Informationen von dpa und KNA
Im Video: mindestens 130 mutmaßliche Todesfälle
Die unerwartet schnelle Ausbreitung des Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo besorgt die Welt-Gesundheits-Organisation täglich mehr.
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