Der katholische Patriarch von Jerusalem Kardinal Pierbattista Pizzaballa
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Dem Oberhaupt des Patriarchats sei "zum ersten Mal seit Jahrhunderten" das Betreten der Grabeskirche untersagt worden.
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Dem Oberhaupt des Patriarchats sei "zum ersten Mal seit Jahrhunderten" das Betreten der Grabeskirche untersagt worden.

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Eklat in Jerusalem – Kardinal darf nun doch in Grabeskirche

Eklat in Jerusalem – Kardinal darf nun doch in Grabeskirche

Der höchste katholische Vertreter von Jerusalem, Kardinal Pizzaballa, durfte den Palmsonntagsgottesdienst nicht in der Grabeskirche feiern. Nach weltweiter Kritik hat sich der israelische Ministerpräsident Netanjahu nun eingeschaltet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ostern ohne Feier in der Grabeskirche? Dass dem höchsten Vertreter der katholischen Kirche in Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, am Palmsonntag der Zutritt zur Grabeskirche verwehrt wurde, löste weltweit Empörung aus. Die israelische Regierung rudert nun zurück. Wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf der Plattform X mitteilte, wurden die zuständigen Behörden angewiesen, dem Kardinal "sofortigen und uneingeschränkten Zugang" zu gewähren.

Ausnahmeregelung zu Feiern der Karwoche und Ostern

Wie das Lateinische Patriarchat von Jerusalem und die Franziskaner im Heiligen Land der Katholischen Nachrichtenagentur KNA bestätigten, gab es eine Einigung mit der israelischen Polizei. Man habe nun eine klare Regelung für die Feiern der Karwoche und Ostern in dem Gotteshaus getroffen. Kirchenvertreter dürfen zu den Kar- und Osterfeiern die Jerusalemer Grabeskirche betreten.

Am Sonntag waren mit Pizzaballa und dem Franziskanerkustos Francesco Ielpo die beiden wichtigsten katholischen Vertreter im Heiligen Land am Besuch der Grabeskirche gehindert worden. Weltweit führte das zu Kritik.

Patriarchat: "Völlig unverhältnismäßige Maßnahme"

Israelische Polizeikräfte hatten Pizzaballa zuvor den Weg zur Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt versperrt. Laut Informationen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem wollte der Italiener dort die traditionelle Messe zum Palmsonntag feiern, wurde jedoch von den Beamten gestoppt und zur Umkehr gezwungen.

Das Patriarchat kritisierte den Vorfall als einen "schwerwiegenden Präzedenzfall". Demnach wurde dem Oberhaupt der Institution "zum ersten Mal seit Jahrhunderten" der Eintritt in das Heiligtum untersagt. Pizzaballa sei in Begleitung eines weiteren Kirchenvertreters privat und ohne feierliche Prozession unterwegs gewesen. In einer Stellungnahme betonte das Patriarchat: "Die Tatsache, dass dem Kardinal und dem Kustos als ranghöchsten Vertretern der katholischen Kirche an den heiligen Stätten der Zutritt verwehrt wurde, stellt eine offensichtlich unangemessene und völlig unverhältnismäßige Maßnahme dar."

Internationale Kritik an Zutrittsverbot

Der Vorfall löste internationale Reaktionen in der Politik aus. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einer "Beleidigung nicht nur für die Gläubigen, sondern für jede Gemeinschaft, die Religionsfreiheit anerkennt". Auch aus Griechenland kamen besorgte Töne: Das Außenministerium erklärte, man verfolge die Lage mit "tiefer Sorge" und mahnte an, dass der Status quo der Grabeskirche von allen Seiten in gutem Glauben respektiert werden müsse.

In Deutschland kritisierte der Unions-Außenpolitiker Armin Laschet die Blockade als inakzeptabel. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses erklärte, dass ein solches Verbot für den Vertreter des Papstes in der Karwoche mit einer jahrhundertealten Tradition des freien Zugangs breche.

Zugangsbeschränkungen für heilige Stätten

Israel führt Sicherheitsbedenken als Grund für die Zugangsbeschränkung unterschiedlicher heiliger Stätten in Jerusalem an. Auch Muslimen wurde am Ende des Ramadan das erste Mal seit 1967 der Zugang zur Al-Aksa-Moschee verwehrt. Das Gotteshaus ist der wichtigste heilige Ort des Islams in Jerusalem.

Die Grabeskirche gilt als eine der bedeutendsten Stätten des Christentums weltweit. Nach christlicher Überlieferung befindet sie sich genau an dem Ort, an dem Jesus Christus gekreuzigt, begraben und später auferstanden sein soll.

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