Seit Ende Februar ist die Straße von Hormus durch Irans Militär de facto gesperrt. Das hat massive Auswirkungen auf den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport. Wie solll es weitergehen? Darüber haben am Donnerstag rund 40 Länder auf britische Initiative hin in einer Videoschalte diskutiert.
Weltwirtschaft als "Geisel des Iran"
Die britische Außenministerin Yvette Cooper kritisierte, der Iran habe die Weltwirtschaft als Geisel genommen. Haushalte und Unternehmen weltweit erlitten deshalb untragbare Preissteigerungen bei Öl und Lebensmitteln. Man habe deshalb "diplomatische und internationale Planungsmaßnahmen" erörtert, um eine sichere Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu gewährleisten. Außerdem sei es um Maßnahmen zum Schutz von 20.000 Seeleuten auf 2.000 Schiffen gegangen, die wegen des Konflikts festsitzen.
Macron: Militäreinsatz in Straße von Hormus unrealistisch
Die Meerenge gewaltsam zu öffnen, dazu scheint kein Land bereit zu sein – zumindest solange die Kämpfe andauern und der Iran Schiffe mit Raketen, Drohnen und Minen angreift. Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete ein gewaltsames Vorgehen als unrealistisch. Die Wiedereröffnung der Straße könne nur in Abstimmung mit dem Iran erfolgen, und zwar im Rahmen von Verhandlungen nach einer möglichen Waffenruhe.
Keine Unterstützung durch die USA
Das Treffen am Donnerstag galt als erster Schritt, dem weitere Treffen auf Arbeitsebene folgen sollen, um Details auszuarbeiten. Nicht an den Beratungen teilgenommen haben die USA. Präsident Donald Trump machte zuletzt deutlich, dass die Sicherung der Straße von Hormus seiner Meinung nach nicht Aufgabe der USA ist. Er kritisierte zudem die europäischen Verbündeten der USA, weil sie den Krieg nicht unterstützen wollten, und erneuerte seine Drohung, die USA aus der Nato zurückzuziehen.
Die USA und Israel hatten vor vier Wochen einen Krieg gegen den Iran begonnen. Der Iran hatte daraufhin gedroht, Tanker in der Straße von Hormus zu beschießen, was zu einem Ausfall der Energielieferungen aus der Golfregion vor allem nach Asien und zu hohen Energiepreisen geführt hat. Die USA selbst sind nicht abhängig von Gas und Öl aus der Region. Sie sind mittlerweile selbst der größte Ölproduzent geworden. Israel hat eigene Gasvorkommen im Mittelmeer erschlossen.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
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