(Symbolbild) Ein Windrad in Nordrhein-Westfalen vor graue Himmel.
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(Symbolbild) Windkraftgegner argumentieren mit dem Mikroplastik-Abrieb von Rotorblättern der Windräder.
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(Symbolbild) Windkraftgegner argumentieren mit dem Mikroplastik-Abrieb von Rotorblättern der Windräder.

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Mikroplastik: Windkraftgegner übertreiben das Problem

Mikroplastik: Windkraftgegner übertreiben das Problem

Windkraftgegner argumentieren mit dem Mikroplastik-Abrieb von Rotorblättern der Windräder. Die Forschung sagt bislang: Ja, Mikroplastik ist ein Problem – aber der größte Anteil an Mikroplastik kommt woanders her. Ein #Faktenfuchs.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Darum geht's:

  • Regen, Hagel, Wind wirken auf Rotorblätter von Windkraftanlagen ein. Das kann Mikroplastik freisetzen.
  • Mikroplastik aus der Umwelt wurde bereits im Körper von Menschen und Tieren festgestellt. Experten aber sagen: Gesundheitliche Risiken gehen von Mikroplastik durch Windräder nach bisheriger Kenntnis nicht aus.
  • Windkraftgegner verbreiten übertriebene Zahlen und Behauptungen – und verzerren so die Diskussion.

Wenn sich die Rotorblätter eines Windrads drehen, entsteht Energie – aber auch Mikroplastik. Wie zum Beispiel auch beim Abrieb von Wasserflaschen-Deckeln aus Plastik, beim Waschen von Kunststofffasern oder wenn Farben verwittern. Viele Menschen machen sich Sorgen über Mikroplastik, das wir einatmen oder schlucken. Diese Ängste nutzen Gegner von Windkraftanlagen.

  • Alle aktuellen #Faktenfuchs-Artikel finden Sie hier

Denn Windräder erzeugen Mikroplastik, das in der Umwelt landet, auf dem Meer und an Land. "Dass es Schädigungen gibt, ist unstrittig und das ist auch sichtbar", sagt Jürgen Bertling dem #Faktenfuchs. Er ist Chemieingenieur vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) und einer der Autoren einer Studie zu Mikroplastik in der Umwelt. Das sei in Wartungsprotokollen und Videos zu sehen. "Da sieht man massive Schädigung bis in die Struktur hinein." Denn an Windkraftanlagen lösen Wassertropfen, Staub, Säuren und Umweltchemikalien in der Luft bei den hohen Geschwindigkeiten an den Rotorblatt-Enden kleine Teilchen ab – das nennt man Erosion.

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Screenshots von Posts und Blog-Beiträgen

Wie viel Mikroplastik dabei aber tatsächlich in die Umwelt gelangt, wird in einigen Social-Media-Posts und Blog-Beiträgen derzeit stark aufgebauscht – auch mit emotional aufgeladener Sprache. Sie behaupten: "EU bestätigt höchst bedenklichen Abrieb hochgiftiger Mikroplastik von Windrad-Flügeln"(sic). Eine Schlagzeile eines für Falschbehauptungen bekannten Blogs lautet: "Windräder verseuchen die Umwelt mit Mikroplastik" – und unterfüttern das mit einer Zahl: "bis zu 62 kg pro Anlage und Jahr". Die Beiträge berufen sich auf eine Veröffentlichung norwegischer Autoren von 2021. Windkraftgegner in verschiedenen Ländern verbreiten diese Zahl seit Jahren.

Die Autoren machten damals aber methodische Fehler. Deshalb sagen Forscher: Diese Zahl ist deutlich übertrieben. Bertling sagt: Diese Schätzung liegt "definitiv zu hoch". Darin sind er und weitere Experten sich einig – und sie sagen: Wer tatsächlich Mikroplastik reduzieren wolle, müsste auf andere Bereiche schauen.

Warum die übertriebene Zahl gerade wieder durch Social Media geistert

Der Grund, warum die übertriebene Zahl aktuell wieder in sozialen Medien kursiert: Der österreichische FPÖ-Politiker und EU-Abgeordnete Gerald Hauser von der Fraktion Patrioten für Europa (PfE) stellte eine Parlamentarische Anfrage an die EU-Kommission, in der er auf die norwegische Veröffentlichung von 2021 verweist, die bereits vielfach fachlich kritisiert wurde. Neuere Studien, die die Mikroplastik-Emissionen geringer einschätzen, erwähnt er nicht. Hauser schreibt in der Anfrage auch: "Hat für die EU-Kommission der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und einer intakten Umwelt Priorität, oder steht das Festhalten am Narrativ der 'sicheren' und 'ungefährlichen' Windkraft im Vordergrund?" Studien zeigen: Windkraft ist gesundheitlich unbedenklich.

Die Antwort der Kommission wiederum geht nicht auf das norwegische Papier ein, sondern beruft sich auf zwei aktuellere Forschungsarbeiten – die eine deutliche geringe Menge von freigesetztem Mikroplastik zeigen. Diese Lücke aber verwenden Windkraftgegner nun: Sie legen das Nicht-Erwähnen des Papiers von 2021 als Bestätigung aus. Die EU-Kommission habe, so heißt es in einem der häufig geteilten Artikel, den Hinweis auf das norwegische Papier "unwidersprochen stehen lassen".

Der #Faktenfuchs schickte eine Anfrage an die EU-Kommission, warum deren Antwort das norwegische Papier nicht berücksichtigt. Wir haben eine Antwort bekommen, dürfen daraus aber nicht zitieren. Die Antwort widerspricht allerdings in keinem Punkt den Recherchen des #Faktenfuchs.

Was die Wissenschaft über Mikroplastik aus Windkraftanlagen weiß

Zunächst noch einmal die Grundlagen: Mikroplastik sind kleine Partikel und Fasern aus Plastik. Auch Fachleute sind über Mikroplastik in Wasser und Böden aus unterschiedlichen Quellen besorgt. Wie viel davon wirklich in der Umwelt ist, darüber gibt es jedoch verschiedene Berichte und deshalb Unsicherheiten. Bertling und seine Kollegen vom UMSICHT schätzten in ihrer Studie 2018, dass in Deutschland pro Jahr rund 330.000 Tonnen Mikroplastik freigesetzt werden. Die Menge aus Rotorblättern ist deutlich geringer als bei anderen Quellen von Mikroplastik, zeigen Untersuchungen. Die zwei größten Quellen: Reifenabrieb und Emissionen bei der Abfallentsorgung. Bertling sagt: "Straßen, Fassaden und Schiffsanstriche: Das ist alles eine Nummer größer als von Windkraftanlagen."

Die voneinander unabhängigen Schätzungen von Fachleuten, wie viel Mikroplastik genau eine Windkraftanlage pro Jahr an die Umwelt abgibt, kommen zwar zu unterschiedlichen Ergebnissen mit einer gewissen Spanne. Aber sie liegen in einem ähnlichen Bereich. Eine wissenschaftliche Studie der Technischen Universität von Dänemark kommt auf maximal drei Kilogramm pro Jahr bei drei Offshore-Rotorblättern. Das Forschungsteam hat Gespräche mit Betreibern von Windenergieanlagen geführt, um Informationen aus der Praxis einbeziehen zu können, etwa über die Häufigkeit von Reparaturen. Rechnet man mit diesem Höchstwert aus der Studie, verlieren die rund 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland etwa 90 Tonnen Mikroplastik pro Jahr. Zum Vergleich: Mikroplastik aus dem Abrieb von Reifen macht laut Fraunhofer UMSICHT 60.000 bis 100.000 Tonnen aus.

Eine andere Untersuchung aus den Niederlanden kommt auf 0,24 Kilogramm im Jahr. An dieser Studie kritisiert Bertling vom Fraunhofer UMSICHT allerdings, dass sie nicht mit Praxis und Experimenten überprüft und einige Annahmen in Bezug auf die Übertragbarkeit von Materialien trifft, die für ihn mit Fragezeichen verbunden seien. Der Bundesverband WindEnergie (BWE) wiederum, ein Verein der deutschen Windenergiebranche, gibt an, dass ein Windrad pro Jahr etwa 2,74 Kilogramm Plastikabrieb erzeuge. Diese Größenordnung hält auch Mikroplastik-Forscher Bertling für realistisch. Auf Basis dieser Zahl berechnete das Landesamt für Umwelt Sachsen-Anhalt den Anteil des Mikroplastiks, der in Deutschland von Windkraftanlagen stammt: 0,02 Prozent. "Man darf diese Mängel ansprechen und das ist auch gut, dass das passiert", sagt Bertling. "Aber sie taugen nicht dazu, um Windkraft grundsätzlich zu diskreditieren."

Der #Faktenfuchs hat den FPÖ-Politiker Gerald Hauser gefragt, warum er die neueren Studien in seiner Anfrage unerwähnt ließ. In seiner Antwort an den #Faktenfuchs kritisiert Hauser, dass es sich bei den dänischen und niederländischen Ergebnissen um Schätzungen handle, und unterstellt methodische Fehler, die er aber nicht konkret benennt. Auf die Frage, ob ihm wiederum die methodischen Fehler im norwegischen Papier bekannt seien, antwortet er nicht. Weiter behauptet Hauser, die dänische und die niederländische Studie seien nicht vertrauenswürdig, da die Forschungsprojekte zum Teil mit Geld von der Industrie finanziert worden seien.

Wie die Studien zu Mikroplastik-Abrieb finanziert wurden

Einer der Autoren der niederländischen Studie schreibt dem #Faktenfuchs, ihre Studie sei von der Regierung und von Eigenmitteln der unabhängigen Forschungseinrichtung finanziert. Die Industrie sei beteiligt gewesen, etwa durch Expertise und Ko-Finanzierung von Projekttätigkeiten. Ihre Beteiligung habe die wissenschaftliche Methodik, Analyse und Schlussfolgerungen nicht beeinflusst.

Der Hauptautor der dänischen Studie, Leon Mishnaevsky, Professor für Computational Micromechanics of Materials an der Technischen Universität Dänemark, schreibt dem #Faktenfuchs: Die Forscher erhielten ihr Gehalt von der Universität, unabhängig von Mitteln von Firmen oder Stiftungen. Das Geld für ihre Studie kam von der Stiftung Velux Fonden und ging an die Universität, nicht an die Forscher – verbunden mit der Anforderung, dass auch die Industrie beteiligt werde, um praktische Relevanz sicherzustellen. Jeder könne die Ergebnisse ihrer Arbeiten bestätigen oder widerlegen. "Wenn Anti-Windkraft-, Erdöl- oder Atomenergie-Gruppen unsere Forschung finanzieren wollen, sind sie willkommen – die Mathematik bleibt gleich."

Tatsächlich hat auch die Windenergie-Industrie Interesse daran, den tatsächlichen Abrieb festzustellen und gering zu halten – denn Abrieb macht den Betrieb ineffizient, auch weil mehr Abrieb mehr Reparaturen bedeutet, wie Experten sagen. Die Angaben des BWE, also des Industrie-Verbands, gehen außerdem über die Schätzung der niederländischen Studie hinaus. Die Industrie rechnet also mit mehr Abrieb als ein Teil der Forschenden.

Warum die bisherigen Untersuchungen auf Schätzungen beruhen, ist erklärbar: Gegenstände, die sich im Freien befinden, erodieren unter sich verändernden Umweltbedingungen über einen langen Zeitraum hinweg – nicht schnell. Erosion bedeute, so Mishnaevsky, dass sich – selten – Partikel lösen, kleine Teilchen sich teilen und herunterfallen, über den Zeitraum von Monaten und Jahren. Ein sehr langsamer Prozess, den man entweder lange beobachten müsse – oder eben in einer Simulation testen.

Warum das norwegische Papier in die Irre führt

Die norwegischen Autoren des Papiers, das unter Windkraftgegnern kursiert, sind nach Recherchen des #Faktenfuchs an keine Forschungseinrichtung angebunden. Im Portal Researchgate, bei dem öffentlich zugängliche Veröffentlichungen durchsucht werden können, und ähnlichen Datenbanken taucht einer der Autoren mit zwei Windkraft-Publikationen auf, die aber nicht in Fachmagazinen erschienen sind und auch nicht von anderen Forschern begutachtet wurden. Das gilt auch für die beiden anderen Autoren.

Darin sieht Bertling jedoch keinen hinreichenden Grund, um das Papier gänzlich vom Tisch zu wischen. Auch Laien könnten sich sinnvolle Gedanken machen. Der Arbeit könne man zugutehalten, dass sie den Diskurs eröffnet habe, so der Chemieingenieur. Dennoch merkt auch Bertling die methodischen Fehler an, die die Autoren der Folgeuntersuchungen herausgearbeitet haben und die auch zum Beispiel Faktenchecks der dpa oder von Faktisk erläutern.

Die Autoren der oben erwähnten Untersuchung aus Dänemark von 2024 identifizieren mehrere Stellen, die "grundsätzlich falsch" und "schlichtweg falsch" seien sowie auf "falschen Annahmen" und einer "falschen Ableitung" beruhten. So hätten die norwegischen Autoren Daten aus einer Laboruntersuchung an einer schottischen Universität auf Feldbedingungen übertragen, ohne die notwendigen Einschränkungen zu beachten. Das Material aus dem schottischen Labortest sei ein anderes als an Rotorblättern. Vor allem aber wurde von einer kleinen Probe auf das gesamte Rotorblatt hochgerechnet – was zu der zu hohen Zahl führe, wie auch Bertling sagt: "Man hätte es flächenproportional rechnen müssen." Der Fehler: Der gemessene prozentuale Gewichtsverlust einer kleinen Probe kann nicht auf die Oberflächenschädigung eines ganzen Rotorblatts übertragen werden. Auch die niederländischen Forscher kamen 2025 zu dem Ergebnis, dass das norwegische Papier eine "unverhältnismäßige Überschätzung" des Mikroplastik-Abriebs enthalte.

Die oben genannten Abrieb-Werte aus den Niederlanden und Dänemark beziehen sich auf Offshore-Anlagen, also Windräder auf dem offenen Meer. Andreas Röhsler, Fachreferent Technik und Betrieb beim Bundesverband WindEnergie (BWE), sagt dem #Faktenfuchs: "Im Offshore-Bereich ist aufgrund der harscheren Bedingungen der Abrieb größer, an Land ist er deutlich niedriger. Es ist konservativer, Versuche unter harscheren Bedingungen durchzuführen, mit mehr Sand, mit mehr Salz in der Luft, mit mehr Regenpartikeln und dann zu sagen: 'OK, das ist jetzt der Worst Case.'"

Aber noch gebe es Lücken in der Forschung und den Daten, merkt Bertling vom UMSICHT im Gespräch mit dem #Faktenfuchs an: Im Rahmen von Wartungsarbeiten oder dem Auftragen von neuem Material auf die Rotorblätter könnte man quantifizieren, wie viel anfalle. "Diese Daten von den Wartungsunternehmen, von Windkraftunternehmen zu bekommen, wäre hilfreich", sagt Bertling. Beim Abschleifen des Materials während einer Reparatur falle auch weiterer Abrieb an, der noch nicht eingerechnet sei. Außerdem sei in den bisherigen Untersuchungen der Einfluss von UV-Strahlen auf das Material noch nicht berücksichtigt.

Doch Bertling sagt: Selbst wenn man mit der deutlich zu hoch geschätzten Zahl der norwegischen Autoren rechnen würde: "Es wird nicht dazu führen, dass Windkraftanlagen eine der größten Quellen sind." Bei 62,5 kg je Windrad käme man in Deutschland auf rund 1.900 Tonnen Mikroplastik pro Jahr.

Wenn es um das Ziel geht, Mikroplastik zu reduzieren, halten Experten andere Angriffspunkte für effizienter. "Man muss natürlich überlegen, wo man zuerst handelt", sagt Bertling. Zum Beispiel im Bereich der Autoreifen gebe es Potenzial. "Wenn ich das raushole, was ich an Reifenabrieb sparen kann, dann reden wir von über 50.000 Tonnen pro Jahr", schätzt der Chemieingenieur.

Zudem gilt: Es gibt keine Energiegewinnung ohne Umweltkosten. Wer Strom gewinnen will, muss abwägen – welche Folgen gehen damit einher und wie sind diese untereinander abzuwägen? UMSICHT-Experte Bertling sagt: "Beim Straßenverkehr ist es relativ klar. Er erzeugt Partikelemissionen, Mikroplastikemissionen und er erzeugt Treibhausgasemissionen." Windkraftanlagen hingegen erzeugen auch Mikroplastik, sparen insgesamt aber im Vergleich zu fossilen Erzeugern Treibhausgas-Emissionen ein. Dennoch sagt Bertling: Es gelte, die Mikroplastik-Emissionen zu senken. "Da gibt es Innovationspotentiale", so der Chemieingenieur. Etwa bei Absaugvorrichtungen beim Schleifen während einer Reparatur oder bei den Schutzschichten der Rotorblätter.

Was man über die Risiken von Mikroplastik für die Gesundheit sagen kann

Um vor dem Abrieb von Windenergieanlagen als "höchst bedenklich" und "hochgiftig" zu warnen, sehen Experten keine ausreichenden Belege. Wissenschaftliche Beweise dafür, dass Mikroplastik Krankheiten oder Gesundheitsprobleme beim Menschen verursache, gibt es bisher nicht.

In Deutschland wertet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den Forschungsstand zu Fragen der Lebensmittelsicherheit aus. Es schreibt: "Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft stellt Mikroplastik eher ein geringes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Denn die meisten Partikel sind nicht bioverfügbar, und die aufgenommene Menge ist vermutlich zu gering, um gesundheitliche Auswirkungen zu verursachen."

Mengen-Behauptungen über PFAS übertrieben

Ein verbreiteter Blog-Beitrag zielt bei der Warnung speziell auf PFAS ab, die in dem freigesetzten Mikroplastik enthalten seien. Das ist so allerdings nicht haltbar, wie Daten und Behörden-Einschätzungen zeigen.

PFAS, kurz für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, bilden eine Gruppe von mehr als 10.000 chemischen Verbindungen. Sie werden auch "Ewigkeitschemikalien" genannt, weil sie sehr langlebig sind und sehr beständig gegen Hitze, Wasser oder Fett. PFAS werden deshalb in der Industrie eingesetzt und sind oder waren in sehr vielen Alltagsgegenständen enthalten, etwa in Pizzakartons oder Pfannen. Für manche umwelt- und gesundheitsschädliche PFAS gelten bereits Einschränkungen. Aber wie viele PFAS gelangen wirklich über Rotorblätter-Abrieb in die Umwelt?

Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) schreibt: Wenn man vom maximalen Ausmaß davon ausgeht, was Windenergieanlagen durch Abrieb verlieren, was davon PFAS enthält, wie sich die Teilchen ausbreiten und was davon in den Boden gelangt, dann deuteten die Berechnungen "darauf hin, dass die resultierenden Mengen irrelevant sind". Niederschlag bringe "wesentlich höhere Mengen an PFAS flächendeckend in die Umwelt" – vor allem aus industriellen Emissionen und PFAS-haltigen Produkten. Auch das Umweltbundesamt (UBA) schreibt dem #Faktenfuchs in einer Mail: Auf Basis der verfügbaren Zahlen gehe es davon aus, dass die Menge an PFAS, die durch Windenergieanlagen in die Umwelt gelangt, "im Vergleich mit anderen Emissionsquellen sehr gering und folglich kaum relevant ist".

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) geht in einem Urteil vom März 2026 davon aus, dass keine Erkenntnisse belegen, dass diese Stoffe beim Betrieb von Windenergieanlagen zu Gesundheitsgefahren führen.

FPÖ und AfD befeuern Sorgen - ohne Belege

Die FPÖ in Österreich und die AfD in Deutschland schüren dennoch seit Jahren Ängste vor Windkraft. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecke sprach von der "Windrad-Mafia", Hauser vor einem "Anschlag auf unsere Almen, unsere Kultur und unsere Identität". Außerdem behauptet er, Infraschall könne Schlafstörungen, Herzrasen oder Angstzustände auslösen. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es keine. Eine 2026 erschienene, umfangreiche Längsschnittstudie, bei der Forscher unter anderem der Universität Augsburg dieselben Haushalte in der Nähe von Windrädern über einen längeren Zeitraum hinweg untersuchten, zeigte: Windräder verursachen keine nachweisbaren Gesundheitsschäden.

Fazit

Auf Social Media und Blogs wird eine übertriebene Menge von Mikroplastik-Abrieb von Rotorblättern verbreitet. Windenergieanlagen geben Mikroplastik an die Umwelt ab, weil zum Beispiel Regentropfen zu Abrieb von Material führen. Die Menge an Mikroplastik, die dadurch freigesetzt wird, ist aber im Vergleich zum Abrieb von Reifen sehr gering. Experten sagen: Auch wenn man das Mikroplastik berücksichtigt, schneiden Windkraftanlagen im Vergleich mit anderen Arten der Energiegewinnung in ihrer Wirkung auf die Umwelt besser ab. Einsparungspotenzial gibt es also vor allem bei anderen Quellen von Mikroplastik.

Quellen:

Interviews/Presseanfragen:

Jürgen Bertling, Fraunhofer UMSICHT

Harald van der Mijle Meijer, TNO Niederlande

Leon Mishnaevsky, TU Denmark

Landesamt für Umwelt Bayern

Andreas Röhsler, BWE

Umweltbundesamt (UBA)

Veröffentlichungen

Anfrage zur schriftlichen Beantwortung E-002323/2026/rev.1 an die Kommission, Gerald Hauser (PfE)

Antwort von Jessika Roswall im Namen der Europäischen Kommission

Ärzteblatt, Mikroplastik: Evidenzlage zu gesundheitlichen Auswirkungen und öffentlicher Wahrnehmung

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Urteil vom 05.03.2026, Az. 22 A 24.40047

Benedmo, Webinar mit Windrad-Faktencheck

BR24 #Faktenfuchs, Schwimmt Mikroplastik in Wasserflaschen?

Bundesinstitut für Risikobewertung, Mikroplastik - Was wissen wir heute

BWE Faktencheck: Erosion an Rotorblättern

Caboni, M., Schwarz, A. E., Slot, H., and van der Mijle Meijer, H.: Estimating microplastic emissions from offshore wind turbine blades in the Dutch North Sea, in: Wind Energy Science

dpa factchecking: Behauptung ohne Beweis - Wissenschaftler kritisieren Fehler in Windrad-Studie

ECHA: ANNEX XV RESTRICTION REPORT PROPOSAL FOR A RESTRICTION SUBSTANCE NAME(S): Per- and polyfluoroalkyl substances (PFASs)

ECHA, Committee for Risk Assessment (RAC), Committee for Socio-economic Analysis (SEAC): Annex B to the Background Document to the Opinion on the Annex XV dossier proposing restrictions on Per- and polyfluoroalkyl substances (PFASs)

Energie-Atlas Bayern: PFAS und Windräder

Energie-Atlas Bayern: Mikroplastik

Factcheck Vlaanderen: Windkraftanlagen produzieren pro Jahr weniger als 62 kg Mikroplastik pro Turbine

Faktisk: Falsch, dass finnische Windkraftanlagen tonnenweise Mikroplastik freisetzen

Fraunhofer UMSICHT: Daten und Fakten Mikroplastik

Fraunhofer UMSICHT: Glossar Mikroplastik

Fraunhofer UMSICHT: Kunststoffe in der Umwelt

Fraunhofer UMSICHT: Reifen und Fahrbahnabrieb

Fraunhofer UMSICHT: Konsortialstudie Mikroplastik

Landesamt für Umwelt Bayern: Schadstoffe im Boden

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt: Verbreitete Irrtümer über Windenergieanlagen

Leon Mishnaevsky, Antonios Tempelis, Yauheni Belahurau, Nicolai Frost-Jensen Johansen: Microplastics Emission from Eroding Wind Turbine Blades: Preliminary Estimations of Volume, in: Energies

Quarks: Kritik an Windkraft: Behauptungen im Check

Pugh, K., Stack, M.M.: Rain Erosion Maps for Wind Turbines Based on Geographical Locations: A Case Study in Ireland and Britain, in: Journal of Bio- and Tribo-Corrosion

Umweltbundesamt: Energiebedingte Emissionen von Klimagasen und Luftschadstoffen

Umweltbundesamt: Mikroplastik

Umweltbundesamt: Was sind PFAS?

Universität Augsburg: Windräder verursachen keine nachweisbaren Gesundheitsschäden

Wissenschaftliche Dienste Bundestag: Mikroplastikemissionen aus Windkraftanlagen Definition sowie Vorkommen von Mikroplastik und Relevanz von Windkraftanlagen als Emittenten

Dieser Artikel ist erstmals am 25. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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