Ein Schmuckstück oder eine wertvolle Uhr als Pfand hergeben und im Gegenzug einen kurzfristigen Kredit bekommen? Das ist zwar für die meisten Menschen ein eher ungewöhnlicher Gedanke. Doch über mangelndes Interesse können sich Pfandleihhäuser aktuell nicht beklagen, sagt Wolfgang Schedl, der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes. Das liege zum Teil an der wirtschaftlichen Situation, vor allem aber am Faktor Goldpreis: "Durch den starken Anstieg des Goldpreises ist auch der Beleihungswert von Pfändern, also speziell von Schmuck, nach oben gegangen."
Wie die Pfandleihe funktioniert
Lag der Preis für die Unze Gold vor zwei Jahren noch bei knapp 2.000 Euro, erreichte er Anfang März mehr als 4.500 Euro. Aktuell liegt er zwar nur noch bei rund 3.500 Euro. Dennoch bekommt man für Goldschmuck immer noch höhere Kreditsummen als in früheren Jahren.
Denn: Der einzig relevante Faktor für einen Pfandkredit ist der Wert des beliehenen Gegenstands. Im Unterschied zu einem Bankkredit, bei dem der Kunde auch persönlich mit seinem Einkommen und sonstigem Vermögen haftet. Das führt dazu, dass die Bonität des Kunden für den Pfandleiher völlig irrelevant ist, erläutert Schedl. Selbst ein negativer Schufa-Eintrag steht der Aufnahme eines Pfandkredits nicht entgegen.
Wann ein Pfandkredit sinnvoll ist – und wann eher nicht
Bei aller Einfachheit – Verbraucherschützer raten, genau zu prüfen, ob ein Pfandkredit hilfreich ist. Als "Überbrückungskredit" könne ein Pfandkredit sinnvoll sein, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. Zum Beispiel dann, wenn kurzfristig Geld fehlt, aber klar ist, dass der Kredit schnell zurückgezahlt werden kann. Allerdings sollten vor einem Pfandkredit andere Optionen wie ein Bankkredit oder ein Privatdarlehen von Freunden oder Bekannten geprüft werden, meint Straub.
Zumal einem möglichen Kreditnehmer klar sein muss, dass Pfandwerte wie Schmuck, Diamanten, Münzen oder auch hochwertige Elektronikgeräte und Designerkleidung nicht mit dem eigentlichen Wert beliehen werden, sondern mit Abschlägen. In der Regel bekommt man 50 bis 70 Prozent des Wertes ausgezahlt. Die Zinsen liegen laut der offiziellen Pfandleihverordnung bei einem Prozent pro Monat, dazu kommen noch Gebühren.
Wenn es zur Versteigerung kommt
Wichtig: Wenn nach der vereinbarten Laufzeit die Kreditsumme samt Zinsen und Gebühren nicht zurückgezahlt werden kann, wird der Gegenstand öffentlich versteigert. Wobei das nicht in Eigenregie erfolgt, wie Verbandssprecher Schedl betont, sondern immer durch einen Gerichtsvollzieher oder einen öffentlich bestellten Versteigerer. Wenn dann bei der Versteigerung mehr als die Kreditsumme samt Zinsen und Gebühren herauskommt, steht der Mehrerlös nicht dem Pfandleiher zu, sondern dem Kunden. Drei Jahre lang habe der Kunde das Recht, den möglichen Mehrerlös beim Pfandleiher abzuholen, danach verfällt der Mehrerlös an den Staat.
Unterm Strich heißt das: Pfandkredite haben den Vorteil, dass sie nicht mit persönlicher Haftung verbunden sind und dass Menschen, die etwas Wertvolles zu verleihen haben, schnell an einen Kredit kommen können. Ob das günstiger ist als ein regulärer Bankkredit, hängt vom Einzelfall ab – auch bei Banken unterscheiden sich Zinsen stark, je nachdem, ob es sich um einen Ratenkredit oder einen Überziehungskredit handelt. Die Gefahr besteht darin, dass man womöglich leichtfertig die letzten Reserven versilbert, wenn man den Kredit am Ende doch nicht zurückzahlen kann.
Vorsicht bei windigen Angeboten zum Goldankauf
Wer alten Goldschmuck nicht beleihen, sondern lieber gleich verkaufen will, ist wahrscheinlich bei Juwelier- oder Goldankaufsgeschäften besser aufgehoben. Jedenfalls nicht bei Händlern, die allein mit einer Mobilnummer für sich werben, sagt Frank Häublein, der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter: "Davor muss gewarnt werden – das riecht dann schon eher nach unseriösem Geschäftsgebaren."
Nie unter Druck setzen lassen
Besonders gefährlich sei, wenn Händler anbieten, zu Kunden nach Hause zu kommen. Nicht nur die Gefahr, übers Ohr gehauen zu werden, sei bei Haustürgeschäften immer recht groß; hinter manchem angeblichen Goldankäufer könne schon mal ein Krimineller stecken, der eine Wohnung ausspähen will, so Häublein. Vorsicht sollte man auch bei Pop-up-Stores an den Tag legen, auch wenn darunter natürlich auch seriöse Geschäfte seien. Generell lautet die Botschaft des Fürther Kriminalbeamten: Auch wenn man kurzfristig Geld braucht, sollte man sich nie unter Druck setzen lassen.
Kontrovers - Die Story: Letzte Rettung Pfandleihhaus: Schnelles Geld in großer Not
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