Verteidigungsminister Boris Pistorius ist auf Besichtigungsreise: Bei seiner Sommertour zur Rüstungsindustrie eröffnete er ein neues Werk des bayerischen Rüstungskonzerns Hensoldt in Oberkochen und in Ottobrunn bei München besucht er den Raketenbauer "Isar Aerospace". Das passt gerade gut, denn die Bundeswehr will in den kommenden Jahren 34 Milliarden Euro in die Raumfahrt investieren und Isar Aerospace ist gerade dabei, die Produktion hochzufahren - auf 40 Raketen pro Jahr. Die Bundeswehr braucht militärische Satelliten. Bisher war das die Sache der Amerikaner. Um die Satelliten ins All zu schießen, dafür könnte Isar Aerospace der Partner sein.
Isar Aerospace soll Satelliten ins All schießen
Bisher ist Europa zum Beispiel bei sicherer Kommunikation und Satellitenaufklärung auf die USA angewiesen. Ohne die Unterstützung sei Europa auf dem Schlachtfeld blind. So drückt es Verteidigungsminister Pistorius aus. Europa müsse zukünftig mit eigenen Satelliten aus dem Weltraum auf ein Schlachtfeld blicken können, um etwa Truppenbewegungen der Russen zu verfolgen. Dafür sind aber nicht nur entsprechende Satelliten nötig, sondern auch Raketen, die diese ins All befördern. Solche Raketen könnten zukünftig aus Oberbayern kommen.
Europa muss unabhängiger werden
Das Weltraumstartup aus Ottobrunn bei München expandiert gerade zum voll integrierten Raketenbauer. Derzeit läuft der Umzug in die neue Firmenzentrale in Parsdorf, ebenfalls bei München. Hier ist deutlich mehr Platz und so kann die Raketenproduktion schrittweise von jetzt sieben Raketen pro Jahr auf 40 erweitert werden. Dabei wollen die Raketenbauer weitgehend ohne Zulieferer auskommen und die komplette Rakete in Eigenregie bauen, so wie es etwa Elon Musk mit Tesla vormacht.
Das ist ganz nach dem Geschmack des Verteidigungsministers. "Wir brauchen mehr Unabhängigkeit von den großen Konzernen. Wir brauchen mehr technologische Souveränität und die Fähigkeit, uns weiterzuentwickeln", sagt Pistorius bei einem Statement in den Werkshallen von Isar Aerospace. Und unterstreicht: "Es geht hier um sehr, sehr viel!"
Noch ist der Beweis nicht erbracht
Allerdings: Ein erfolgreicher Flug in den Weltraum ist den Bayern noch nicht gelungen. Noch im August hoffen sie aber auf einen erfolgreichen zweiten Testflug. Sollte der, wie der erste, mit einer Explosion enden, dann sei das aber auch in Ordnung, sagt Daniel Metzler, einer der Gründer und Geschäftsführer des Raketenbauers. Mit jedem Misserfolg lerne man dazu. Es sei also nicht die Frage, ob sie es in den Weltraum schafften, sondern nur wann. Grundsätzlich sei der Bau von Raketen eine etablierte und bekannte Technik. "Als Menschheit verstehen wir grundsätzlich, wie Trägerraketen funktionieren", so drückt es der CEO aus.
Es geht nur, wenn Europa zusammenhält
Aber mit diesen Raketen allein wird Deutschland den Rückstand zu den USA nicht aufholen. Das kann nur gelingen, wenn die Europäer und Kanada zusammenhalten, betont auch der Verteidigungsminister. "Gerade im Bereich Weltraum können wir nicht nur deutsch aufrüsten. Wir sind im engen Austausch mit unseren kanadischen NATO-Partnern, mit den Franzosen, mit den Briten, mit den Norwegern. Wir sind sehr daran interessiert, das gemeinsam und kooperativ zu machen." Etwa hat Isar Aerospace gerade begonnen, einen zweiten Startplatz in Kanada neben dem in Norwegen zu bauen.
Noch hakt es bei der Zusammenarbeit
Das Scheitern Europäischer Rüstungsprojekte, wie das Luftkampfsystem FCAS, ist schmerzhaft und zeigt, dass es nicht reibungslos läuft mit der europäischen Kooperation. Zu oft behindern nationale Interessen ein gemeinsames Voranschreiten. Auch das Erstarken rechter Parteien in Europa macht vielen Sorge, etwa: Was passiert, wenn bei den kommenden Wahlen in Frankreich das Rassemblement National an die Macht kommt und fortan nur noch auf nationale Alleingänge setzt? Eine bange Frage, die auch beim Besuch des Ministers in Ottobrunn spürbar im Raum steht.
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