Die Pariser Justiz hat Räumlichkeiten von Elon Musks Unternehmen X in Frankreich durchsuchen lassen. Im Zuge von Ermittlungen gegen das soziale Netzwerk seien außerdem Vorladungen an den Tech-Milliardär sowie die frühere X-Geschäftsführerin Linda Yaccarino zur Vernehmung am 20. April in der französischen Hauptstadt verschickt worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit.
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Algorithmen und sexualisierte Inhalte im Visier
Die Razzia steht im Zusammenhang mit einer seit einem Jahr laufenden Untersuchung wegen des Verdachts des Missbrauchs von Algorithmen und der betrügerischen Datenextraktion durch X oder seine Führungskräfte. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen des Vorwurfs, dass Algorithmen in dem sozialen Netzwerk verändert worden seien, um rechtsextremen Inhalten mehr Aufmerksamkeit zu bescheren.
Seit Kurzem gibt es außerdem Vorwürfe wegen Holocaust-Leugnung und sexualisierter Abbildungen. Dabei geht es um vom KI-Chatbot Grok erstelltes Bildmaterial von Frauen und Kindern. Diese sogenannten Deepfakes sind mit Hilfe von KI erstellte Videos, Bilder oder Audiodateien, die täuschend echt wirken, es aber nicht sind.
Grok erzeugt offenbar weiter sexualisierte Bilder
Laut einer neuen Recherche der Nachrichtenagentur Reuters erzeugt die Musk-KI Grok weiterhin sexualisierte Bilder. Dies sei in bis zum 28. Januar durchgeführten Testanfragen selbst dann der Fall gewesen, wenn ausdrücklich auf eine fehlende Einwilligung der dargestellten Personen hingewiesen worden war und Grok aufgefordert wurde, Fotos so zu manipulieren, dass die Personen in sexuell provokativen oder entwürdigenden Posen dargestellt werden.
Musk vermutet politische Motivation
X hatte zuvor nach weltweiter Empörung über die massenhafte Erstellung sexualisierter KI-Bilder ohne Einwilligung der Betroffenen neue Beschränkungen für Grok angekündigt. Die EU-Kommission leitete in der Angelegenheit Ermittlungen gegen X ein.
Die sonstigen ursprünglichen Anschuldigungen gegen X hatte Musk im Juli zurückgewiesen und erklärt, die französischen Staatsanwälte hätten eine "politisch motivierte strafrechtliche Untersuchung" eingeleitet. Eine Stellungnahme von X zu den aktuellen Durchsuchungen lag zunächst noch nicht vor.
Ermittler betonen "konstruktiven Ansatz"
Die Staatsanwaltschaft erklärte hingegen, die aktuelle Untersuchung sei Teil eines "konstruktiven Ansatzes", um sicherzustellen, dass die Plattform X die Gesetze einhalte und in Frankreich betrieben werden könne. Die Cybercrime-Einheit der Staatsanwaltschaft führe die Ermittlungen gemeinsam mit der französischen Polizei und Europol. Die Behörde kündigte zudem an, die Plattform X zu verlassen und künftig auf LinkedIn und Instagram zu kommunizieren.
Mit Informationen von dpa und Reuters
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