Nur wenige Monate nach dem tödlichen Brand in einer Bar in der Schweiz wird das Land von einem weiteren Inferno erschüttert. Bei einem Feuer in einem Linienbus starben nach Angaben der Polizei in Kerzers im Kanton Freiburg sechs Menschen, fünf Menschen wurden teils schwer verletzt. Ein Mann soll sich selbst und den Bus am Dienstagabend in Brand gesetzt haben.
Mutmaßlicher Täter war wohl psychisch krank
Nach Erkenntnissen der Behörden hatte der mutmaßliche Täter psychische Probleme. Der bei dem Feuer gestorbene Schweizer werde als Person beschrieben, die am Rande der Gesellschaft lebte und gestört gewesen sei, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz. Bereits zuvor hatte die Polizei erklärt, sie gehe von einer vorsätzlichen Tat aus, aber nicht von einem terroristischen Hintergrund.
Der mutmaßliche Brandstifter sei mit Säcken in den Bus eingestiegen und habe sich nach Angaben von Zeugen eigenartig verhalten, sagte der Staatsanwalt. Plötzlich habe sich der Mann mit einer entflammbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet.
"Binnen Augenblicken alles in Flammen"
Der Linienbus des Busunternehmens Postauto war gegen 18.25 Uhr an der Hauptstraße in Kerzers, einer Kleinstadt etwa 20 Kilometer westlich der Hauptstadt Bern, in Brand geraten. Videos in Onlinediensten zeigten meterhohe Flammen und schwarze Rauchwolken, die aus den Fenstern des Busses aufstiegen.
"Alles ging so schnell – und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen", sagte ein Zeuge, dessen Autowerkstatt unweit des Unglücksortes liegt. "Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit", erzählte er der Zeitung "Blick".
Opfer nach Busbrand noch nicht identifiziert
Ein Rentner, der neben dem Brandort im Zentrum von Kerzers wohnt, schilderte gegenüber "Blick", dass ein Mann mit einem Stein eine Scheibe des Busses eingeschlagen habe. Kurz darauf habe sich jemand aus dem Fahrzeug befreien können. "Das ist einfach nur schlimm und traurig", sagte er.
Die Opfer des verheerenden Busbrandes stammen laut den Ermittlern alle aus der Region. Zwei Schwerverletzte mussten am Mittwoch weiter im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei konnte zunächst keine Angaben dazu machen, wie viele Fahrgäste in dem Bus saßen.
Große Bestürzung in der Schweiz
Am Unglücksort hatten Feuerwehrleute den ausgebrannten Bus am Abend mit weißen Planen abgeschirmt. Mehrere Rettungswagen und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Bis spät in die Nacht untersuchten Ermittler das Wrack. Am Morgen war der Bus weggeräumt und die Sperrung der Hauptstraße in Kerzers war aufgehoben.
Die Schweizer Politik reagierte entsetzt. In Bern gedachten beide Kammern des Parlaments der Todesopfer. Auch der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich bestürzt. Es mache ihn traurig, dass erneut Menschen in der Schweiz bei einem schweren Brand ums Leben gekommen seien, erklärte er.
Postauto ist eine Tochter der Schweizer Post, ihre gelben Busse werden jeden Tag von einer halben Million Fahrgästen genutzt. Unternehmenschef Stefan Regli erklärte, der Brand in Kerzers sei eine "schreckliche Tragödie". Alle Beschäftigten seien schockiert und betroffen.
Im Video: Tödlicher Busbrand in Kerzers
Busbrand in der Schweiz
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