Nach monatelangen Verzögerungen wollte das bayerische Raumfahrt-Start-Up Isar Aerospace mit Sitz in Ottobrunn bei München den nächsten Anlauf wagen: Montagabend um 22 Uhr sollte der zweite Testflug der Trägerrakete "Spectrum" vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya starten.
Doch daraus wird erst mal nichts. Rund eine Stunde vor dem Start platzte das Vorhaben. Grund war ein neuerliches technisches Problem, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. Demnach gab es eine Fehlfunktion in den Fluidsystemen. Noch ist unklar, ob der Start bis Ende der Woche durchgeführt werden kann. Dann endet das aktuelle Zeitfenster, für das Isar Aerospace eine Startgenehmigung hat.
Zweiter Testflug braucht viele Anläufe
Weitere Erläuterungen gab es in der kurzen Mitteilung nicht. Gelingt der Flug irgendwann, wäre es ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit der Europäer in der Raumfahrt und damit auch weniger Abhängigkeit von US-Anbietern wie SpaceX.
Der aktuelle Start war als zweiter Testflug geplant. An Bord sind nach Unternehmensangaben fünf Minisatelliten und ein wissenschaftliches Experiment. Isar Aerospace hofft, seine "Spektrum-Rakete" schneller zur Serienreife zu bringen, als es Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX bei ihrer ersten Trägerrakete geschafft hat. SpaceX hatte vier Fehlstarts, bis der erste Weltraumflug gelang. Isar Aerospace hofft, es schon beim dritten Testflug bis in den Weltraum zu schaffen.
Technische Probleme – und ein Fischer
Bisher ist der Weg aber holprig. Beim ersten Testflug im Frühjahr vergangenen Jahres stürzte die "Spectrum" rund 30 Sekunden nach dem Start ins Meer. Der zweite Flug hätte schon im Januar stattfinden sollen, wurde aber wegen eines defekten Ventils abgesagt. Beim nächsten Versuch im März verhinderte ein norwegischer Fischer den Countdown: Er konnte die Sicherheitszone vor der Küste nicht rechtzeitig verlassen. Ein weiterer Anlauf im April scheiterte an einem lecken Druckbehälter. Am Montagabend dann die erneute Verzögerung.
Europas Suche nach eigenen Trägerraketen
Derzeit sind europäische Satelliten in hohem Maß auf Startgelegenheiten in den USA angewiesen, insbesondere die Raketen. In Europa gibt es zwar die sehr leistungsfähige Ariane-Rakete, die aber höchstens zwei Mal im Monat starten kann und nicht wiederverwendbar sind. Der Start mit einer SpaceX-Rakete ist billiger, auch weil sie mehrfach verwendbar ist. Außerdem schickt SpaceX mehrere Raketen pro Woche in den Weltraum.
Isar Aerospace will dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Eine funktionierende "Spectrum" könnte die technologische Abhängigkeit von den USA verringern. Perspektivisch plant Isar Aerospace, bis zu 40 Raketen pro Jahr zu produzieren und zu starten.
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