Filmszene aus "Marty Supreme" mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle, Regie Josh Safdie
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Filmszene aus "Marty Supreme" mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle, Regie Josh Safdie
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Filmszene aus "Marty Supreme" mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle, Regie Josh Safdie

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Weltstar mit verschmitztem Lächeln: Timothée Chalamet

Weltstar mit verschmitztem Lächeln: Timothée Chalamet

Filmkritiker, Modeschöpfer und Fans jung und alt schwärmen für ihn gleichermaßen: Timothée Chalamet gehörte schon vor seinem 30. Geburtstag zu den ganz Großen. Jetzt ist er zum dritten Mal Oscar-nominiert für das Drama "Marty Supreme". Ein Porträt.

Über dieses Thema berichtet: kinokino am .

Dieses verschmitzte Lächeln, die wuscheligen schwarzen Haare etwas kürzer als in seinem jüngsten Blockbuster "Dune 2", die Hände in den Taschen seines schwarzgelben Sportblousons, dieser Blick des "Ja ja, macht ihr mal hier die Show, ich spiel einfach mal mit!" - so präsentierte sich Timothée Chalamet im Februar 2025 den Fotografen der Berlinale. Ein paar Stunden später hüpfte er dann für die Kameras über den roten Teppich - in Hoodie, Muscle-Shirt und Turnschuhen - alles komplett in rosa. Um sich dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch extra Zeit für Autogramme und Fan-Selfies am Roten Teppich zu nehmen. Chalamet - einer, der alles hat und sich selbst aber nicht zu ernst zu nehmen scheint.

Bildrechte: picture alliance / Geisler-Fotopress | Clemens Niehaus/Geisler-Fotopres
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Timothée Chalamet im Februar 2025 ganz in rosa auf dem Berlinale-Teppich

Ein Paradiesvogel, lieber schräg als cool. Und gerade deshalb wohl beim jungen Publikum so beliebt. Vogue nannte ihn 2019 den einflußreichsten Mann in Bezug auf Mode, einer der die traditionellen Grenzen zwischen Männlich- und Weiblichkeit aufhebe. 2020 trumpfte das GQ-Magazin auf und erklärte ihn zum "best dressed man in the world". Chalamet wird von Kritikern und Fans gleichermaßen geliebt. Sowohl für seine kreativen Leistungen als auch für seinen eigenwilligen Stil, was Mode angeht. Interessanterweise existieren diese beiden Welten unabhängig parallel, ohne sich gegenseitig zu behindern.

Durchbruch mit "Call Me By Your Name", Weltruhm mit "Dune"

Als Chalamet 2025 die Berlinale (wieder) besuchte, da war er längst ein Weltstar. Hatte seit 2021 mit der Sci-Fi-Bestseller-Adaption "Dune - der Wüstenplanet" (Regie: Denis Villeneuve) ein Millionenpublikum für sich eingenommen. In zwei überlangen Actionspektakeln hatte Chalamet als junger interstellarer Prinz Atreides bewiesen, dass er sanft, schüchtern und auch hart und grausam kann. Das knallharte Blockbuster-Geschäft - Chalamet konnte es anscheinend mühelos schultern.

Dass er konnte und wollte, zeigte Chalamet schon früh. Der amerikanisch-französische New Yorker hatte schon als Teenager in Werbespots und Studentenfilmen mitgewirkt. Das Fernsehen rief mit der Serie "Homeland", die große Leinwand mit einer echten Hauptrolle dann 2017. "Call Me By Your Name" - eine wahre schauspielerische Herausforderung - zeigte Chalamet als italienischen 17-jährigen Teenager, der in einer homoerotischen Beziehung mit einem 24-jährigen Gaststudenten erste Erfahrungen mit der Liebe sammelt. "Call Me By Your Name" war sein Durchbruch.

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Chalamet als Paul Atreides in "Dune 2" (Filmszene).

Brilliert in ambivalenten, zwiespältigen Charakterrollen

Im selben Jahr erschien der Western "Hostiles" mit Chalamet als kanadischer Soldat. Er hat nur zwei Sätze im Film und die komplett auf französisch, dann reitet er an der Seite von Christian Bale in die Prärie und wird fünf Minuten später erschossen. Und wir als Zuschauer trauern ihm den Rest des Films hinterher.

2019 das Netflix-Historien-Epos "The King" mit Chalamet als junger, vom Amt überforderter König Heinrich V.. Der zieht mit hoffnungslos kleinem Heer aus, um Frankreich zu unterwerfen. Was in der historisch einzigartig dokumentierten Schlacht bei Azincourt auch gelingt. Erneut zeigt sich hier, dass Chalamet in ambivalenten, zwiespältigen Charakterrollen am meisten strahlt. Ihn als reinen Sunnyboy zu besetzen - Hollywood hat es bestimmt versucht. Doch Chalamet weicht aus, geht eher den unbequemen Weg. Weg von Massenware hin zu herausforderndem Arthouse. Sein Porträt eines drogenabhängigen Sohnes aus gutem Hause in "Beautiful Boy" von 2018, basierend auf wahren Begebenheiten, ist herzzerreißend. Es tut weh, dem schönen, talentierten jungen Mann auf seinem selbstgewählten Weg in den Untergang zuzusehen.

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Chalamet als Bob Dylan in "Like A Complete Unknown" - Mundharmonika und Gitarre spielte er selbst.

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Filmszene aus "Marty Supreme" mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle, Regie Josh Safdie

Immer wieder auf Oscar-Kurs

"I give 170% in everything I'm doing. I'm giving it my all" sagte Chalamet im Interview mit der CBS-Sendung "60 Minutes". In der Talkshow "Jimmy Kimmel" konstatierte er vor ein paar Jahren, er wüsste nicht, was er außer Schauspielern sonst machen solle.

Für seine Rolle des Bob Dylan in "Like A Complete Unknown" lernte er das Mundharmonika-Spiel, übte wie Dylan zu singen. Es existieren Fotos vom "Dune 2"-Dreh mit Chalamet im futuristischen Kostüm, wie er Gitarre spielt und Dylan Songs probt - fünf Jahre hat er sich insgesamt auf diese Rolle vorbereitet. Und er wurde als bester Darsteller für den Oscar nominiert.

Nun, 2026 ist er es wieder. Für seine Leistung in "Marty Supreme". Es ist seine dritte Nominierung für den Darsteller-Oscar. Regisseur Josh Safdie erzählt in "Marty Supreme" die Geschichte des Tischtennis-Asses mit großen Ambitionen, lose angelehnt an die Lebensgeschichte des Amerikaners Marty Reisman.

Wir bewundern Martys Chuzpe, erkennen vielleicht tief in uns den Wunsch, auch so ein Draufgänger zu sein. Einer, der aber auch immer wieder scheitert. Das ist die Leistung, das Können von Timothée Chalamet. Unsere Ambivalenz spiegeln, uns in unserer Verwundbarkeit darstellen, unsere Menschlichkeit zeigen. Und dabei trotzdem romantische Sehnsüchte auslösen - gerade bei den jüngeren Zuschauern und vor allem Zuschauerinnen.

Ein Star fürs Herz

Er ist ein Star für's Herz, fürs Poster an der Kinderzimmerwand, für das anspruchsvolle Arthouse-Kino und das bessere Blockbusterkino gleichermaßen. Und Chalamet ist erst 30. Es bleibt zu hoffen, dass er weiterhin ein so gutes Händchen bei seiner Projektauswahl hat. Und wir genießen weiter sein verschmitztes Lächeln. Es ist das eines Burschen, dem man auch den gemeinsten Streich verzeiht, weil man ahnt, dass Chalamet uns alle doch total gern hat.

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