Strenge Regeln und die Vorstellung von einem strafenden Gott prägen nach Schilderungen von Betroffenen die evangelikale Gemeinschaft "Kwasizabantu". Der Name bedeutet übersetzt ein "Ort, wo Menschen geholfen wird". Die evangelikale Missionsbewegung stammt ursprünglich aus Südafrika und kommt in den 1980er-Jahren nach Deutschland.
Mitglieder glauben an strafenden, nicht verzeihenden Gott
Rebecka, Benni und ihre Geschwister wachsen in den 1980er- und 1990er-Jahren in einem Bauernhaus in Oberbayern auf. Ihr Vater ist damals Leiter einer oberbayerischen Gemeinde der Missionsbewegung. Der Glaube und das Leben in der Gemeinde bestimmen den Familienalltag.
Nach den Berichten ehemaliger Mitglieder glauben viele in Kwasizabantu an einen extrem strengen und nicht verzeihenden Gott, der Menschen für ihre Sünden bestraft. Und Sünde kann demnach vieles sein: Wenn Frauen und Mädchen keine Röcke tragen, Tanzen und bestimmte Musik, Schminken an Fasching. Rebecka und Benni lernen früh, dass sie aufpassen müssen. Denn vor allem Kinder gelten in der Gemeinschaft als besonders gefährdet, sündig zu werden. Um sie davor zu bewahren, sollen sie durch Angst vor Bestrafung gehorsam werden.
Rebecka und Benni berichten, dass ihr Vater sie bestraft habe, um sie aus seiner Sicht vor dem Sündigen zu bewahren. Schläge mit einem Gürtel oder einem Stock gehören für sie nach ihren Aussagen zum Alltag, erzählen die beiden im Podcast "Seelenfänger". Der Vater bedauert heute nach eigener Aussage, seine Kinder geschlagen zu haben.
Strenge Regeln und Gewalt: "Wer sein Kind liebt, der züchtigt es"
Die Angst davor, etwas Sündhaftes zu tun oder zu verschweigen, habe Kinder wie Rebecka und Benni geprägt. Benni, heute 38 Jahre alt, erinnert sich: "Ich wurde dadurch extrem kontrolliert und zeigte einfach keine Emotionen mehr. Ich wurde immer ruhiger und zurückgezogener. Weil jede zu starke Regung irgendwie schon sündhaft ist."
Rebecka besucht ab ihrem 13. Lebensjahr ein Internat in der Schweiz, das sich nach ihrer Darstellung zu der Bewegung bekannte. Dort erlebte sie nach eigenen Aussagen durch den damaligen Internatsleiter ebenfalls psychische und körperliche Gewalt. Wie sehr sie diese Kindheit und Jugend in ständiger Angst bis heute prägt, zeigt sich, als sie vor einigen Monaten eine Nachricht von ihrem ehemaligen Internatsleiter bekommt. Das verändert noch einmal ihr Leben. Die 40-Jährige will sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.
Damit beginnt die neue Staffel von "Seelenfänger: Holy Hell". Die Recherchen dafür führen die Autorinnen und Autoren durch Europa bis nach Südafrika, ins Herz von Kwasizabantu.
Neue Staffel "Seelenfänger - Holy Hell"
Für die neue Staffel "Seelenfänger – Holy Hell" begleitet das Recherche-Team Rebecka zum persönlichen Treffen mit ihrem früheren Internatsleiter Hans Koller. Nachdem er sich bei ihr nach Jahrzehnten wieder gemeldet hat. Die Autorinnen und Autoren reisen bis nach Südafrika, dem Ursprung von Kwasizabantu – und finden Hinweise, dass die Bewegung scheinbar bis heute auch verdeckt in Deutschland existiert.
Hier geht's zum Podcast: Seelenfänger - Holy Hell
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