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Der Kanzler hat ein Geheimnis ausgeplaudert, das die Welt erschüttert und Otto-Normal-Verbraucher in kürzester Zeit reich machen kann. Artikel, die so etwas versprechen, hat wohl fast jeder Internet-Nutzer schon angeboten bekommen, wenn er oder sie nur weit genug in einer App oder Website gescrollt hat.
Dass sie einem wie eine News-Eilmeldung aufs Handy-Display geschickt werden, ist den meisten aber wohl neu. Xiaomi-Kunden kann genau das aber offenbar passieren, wie die Stiftung Warentest selbst beobachten konnte (externer Link). Über den hauseigenen Mi-Browser pushte das Xiaomi-Handy einen Fake-Tagesschau-Artikel, hinter dem wohl eine Form von Betrug steckt, auf ein Test-Handy der Stiftung.
Xiaomi gelobte gegenüber der Stiftung Warentest, den Vorfall zu untersuchen, und verwies auf externe Inhaltsanbieter, die die Push-Meldungen schicken – und die Inhalte eigentlich prüfen sollen.
China-Handys gefährlich?
In der Folge berichtete auch BR24 über die Fake-Push – und einige kommentierten. Während mancher darauf hinwies, dass solche Betrugsversuche keineswegs eine exklusive Spezialität von Xiaomi seien, wie etwa User "oberfoerster", der schrieb: "Das ist weder neu, noch ein Phänomen, das einem Hersteller zuzuschreiben ist. Das Ganze kommt von fragwürdigen Anbietern von Clickbaiting-Homepages. Umso mehr man sowas ansieht, umso mehr bekommt man davon vorgeschlagen."
Andere zeigten sich aus anderen Gründen wenig überrascht von dem Vorfall. Etwa der Nutzer "Gehts_noch_13": "Es gibt keinen Grund, chinesische Smartphones oder auch Autos zu kaufen, solange es Alternativen gibt. Wäre da nicht der in uns verankerte Geiz, der immer ein paar Euro sparen will. Dass uns die Chinesen ausspionieren und manipulieren, ist doch schon länger bekannt."
Wir haben mit Experten über die Handys chinesischer Hersteller und ihre Besonderheiten gesprochen.
Warentest: Kein Pauschalurteil
Bei der Stiftung Warentest selbst, will man trotz des Fakenews-Vorfalls auf dem Xiaomi-Handy nicht derart verallgemeinern: "Ein pauschales Risiko auf Basis der Herstellerherkunft würden wir daraus aber nicht ableiten, sondern eher eine Sensibilisierung, dass bei der Nutzung von Smartphones Risiken bestehen und man auch vermeintlich persönliche Mitteilungen kritisch hinterfragen sollte", schreibt Florian Ostermann aus dem Team Digitales und Technik der Stiftung Warentest.
Demnach sollten Nutzer sich lieber grundsätzlich fragen, welchem Hersteller sie vertrauen, statt pauschal Hersteller aus einem Land abzulehnen. Rein technisch hätten nämlich alle Hersteller Möglichkeiten, auf Nutzerdaten zuzugreifen und so auch an sehr private Informationen zu kommen. Bei Xiaomi sei aber bereits in der Vergangenheit aufgefallen, dass dort relativ viel Werbung in das System integriert sei – und nun eben sogar für einen solchen Fake-Artikel.
Chinesische Hersteller "lockerer"
Diese Integration von Werbung von externen Dienstleistern in die Smartphone-Software sieht auch Alexander Spier vom Technik-Magazin c't als Hintergrund von Vorfällen wie Xiaomis Fake-Push. Und genau da sieht der Experte auch durchaus gewisse Muster in Bezug auf Handys aus China: "Grundsätzlich würde ich sagen, dass viele chinesische Hersteller das lockerer sehen. Gerade bei den billigeren Modellen ist sehr viel mit Werbung verseucht und darüber kommen dann solche Fake-Artikel eher rein."
Auch sonst seien chinesische Hersteller im Hinblick auf Datenschutz oft etwas hemdsärmeliger unterwegs. Zugleich schützen einen aber auch teure Geräte laut Spier nicht unbedingt komplett vor Werbung und unseriösen Inhalten. Jedoch seien koreanische und westliche Hersteller bei Werbung im System oftmals zumindest zurückhaltender beziehungsweise dezenter.
Was hilft?
Um Risiken, wie im Fall der Fake-Push zu umgehen, raten die Stiftung-Warentest-Tester, möglichst wenig Apps auf das Handy zu laden und im Zweifel bei solchen, die man dringend braucht oder die man nicht deinstallieren kann (wie den Mi-Browser bei Xiaomi), die Push-Benachrichtigungen abzuschalten.
Auch Alexander Spier von c't rät dazu, Push-Meldungen von vorinstallierten Hersteller-Apps gezielt zu deaktivieren. Zudem ist es laut dem Experten sinnvoll, statt der vorinstallierten Anwendungen auf Programme vertrauter Anbieter zu setzen: bei Browsern etwa auf Mozillas Firefox oder Googles Chrome.
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