Schon einmal, im Mai 2021, war Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag zu Gast bei der SpVgg Greuther Fürth. Für die SpVgg war das damals ein wegweisendes Spiel, an dessen Ende die Kleeblättler zum bislang letzten Mal in die Fußball-Bundesliga aufstiegen. Eine Halbzeit lang waren sie dabei sogar in Unterzahl, lagen auch noch zurück - und gewannen am Ende trotzdem 3:2. Fürth überholte noch Holstein Kiel - es schloss sich eine wilde Aufstiegsparty am Ronhof an.
Diese Erinnerungen nahmen viele Fans auch an diesem Sonntagnachmittag (17.05.2026) mit ins altehrwürdige Fürther Stadion. Wieder ging es darum, gegen Fortuna Düsseldorf doch noch das vermeintlich Unschaffbare zu schaffen. Dieses Mal allerdings, fast noch wichtiger, ging es darum, vom vorletzten Tabellenplatz aus den Absturz nach 29 Jahren in die Drittklassigkeit zu vermeiden. Und das gelang der SpVgg mit einem 3:0-Erfolg zumindest vorerst. Düsseldorf steigt ab, die Fürther spielen in der kommenden Woche in der Relegation gegen RW Essen um den Zweitliga-Verbleib.
Ex-Düsseldorfer sticht: Blitztore von Felix Klaus
Von Beginn an wirkten die Fürther an diesem Sonntag gewohnt locker, so als hatte ihnen ihr Trainer Heiko Vogel eingeimpft, dass die Partie gegen die Fortuna nur eines von vielen Spielen und nicht ihr entscheidendes in dieser Saison ist. Am deutlichsten erkennbar war dies beim früheren Düsseldorfer Felix Klaus, dem kreativsten Fürther in der Offensive. Vor einer Woche bei der Niederlage in Berlin agierte er noch glücklos, traf die Latte und schloss einige Male zu überhastet ab.
Nun sann der frühere Bundesliga-Spieler auf Wiedergutmachung, stürmte in den Strafraum und traf nach nicht einmal zwei Spielminuten per abgefälschtem Schuss samt Innenpfostenhilfe zur Führung. Glücklich und früh also - die Partie ging in etwa so los, wie sich das die Fürther Fans in ihren kühnsten Träumen erwartet hatten.
Online-Petition der Fürther Fans schlägt Wellen
Die Anhänger setzten zuvor übrigens ein ebenso deutliches Zeichen: "Wir Fans sind die Seele der Spielvereinigung Fürth", schrieben sie auf ein Banner - eine Mitteilung an den Verein, der nach der Abberufung des Sport-Geschäftsführers Rachid Azzouzi 2024 und mehreren Trainerwechseln in den vergangenen Jahren ins Schlingern geriet. Zuletzt hatte zudem eine Online-Petition an den Aufsichtsrat und das Präsidium für Aufsehen gesorgt: Die Fans wollen die Ablösung der sportlich Verantwortlichen Holger Schwiewagner (Geschäftsführer) und Stephan Fürstner (Sportdirektor).
Unabhängig davon unterstützten sie das Team aber am letzten Spieltag wie gewohnt am Ronhof - und die Mannschaft, allen voran einer ihrer Erfahrensten, lieferte: Wieder stürmte Klaus in den Strafraum, schoss aus spitzem Winkel von rechts aufs Tor, Düsseldorf-Verteidiger Elias Egouli fälschte den Ball dann unhaltbar ins eigene Netz ab zum 0:2 (16. Minute).
Futkeu schießt Fürth an Düsseldorf vorbei
Nun benötigte das Kleeblatt nur noch einen Treffer, um die Düsseldorfer in der Tabelle zu schnupfen - und zumindest den Relegationsrang 16 zu erreichen. Und während der Kapitän Branimir Hrgota noch am Außenpfosten scheiterte (24.), machte es dessen Sturmpartner Noel Futkeu besser. Der Liga-Torschützenkönig, der sich nach der Saison zum Bundesligisten SG Eintracht Frankfurt verabschieden wird, erzielte sein 19. Saisontor - ein Kopfball nach einer Klaus-Flanke (36.).
Zur Halbzeit stand die SpVgg auf Tabellenrang 16, weil sie mit dem Ergebnis einerseits Düsseldorf überholt hatte - und sich andererseits auch vor Bielefeld schob, das 0:1 gegen Hertha BSC zurücklag. Hertha trainiert übrigens der 2021er-Fürth-Aufstiegstrainer Stefan Leitl.
Leitls Hertha hilft den Fürthern nicht
Leitl und die Hertha waren allerdings nur kurzfristige Fürther Helfer, denn Bielefeld drehte die Partie im Laufe der zweiten Halbzeit schnell und siegte letztlich 5:1. Und so besannen sich die SGF-Akteure aufs Verteidigen der 3:0-Führung, die ihnen immerhin die Relegationsspiele um den Zweitliga-Verbleib garantierte.
Dementsprechend ruhig lief die zweite Halbzeit an - bis zur 63. Minute, in der der Schiedsrichter Harm Osmers auf Elfmeter für die Fürther entschied. Hrgota stand im Vorfeld dazu allerdings im Abseits, der Videoschiedsrichter schaltete sich zu Recht ein und Osmers nahm die Entscheidung zurück. Kurz darauf hatte Klaus dann das 4:0 auf dem Fuß, sein Abschluss im Konter über Hrgota landete aber am Außennetz (68.).
Futkeu-Treffer zählt um Millimeter nicht
Fürth drängte weiter auf die Entscheidung - um wieder auf Rang 16 zu springen. Allen voran tat sich Futkeu hervor, der nach einer feinen Kombination das vermeintliche 4:0 erzielte (73.). Doch nach minutenlangen Video-Überprüfungen befand der Videoschiedsrichter Pascal Müller, dass sich die Fußspitze von Futkeu bei der Vorlage von Jannik Dehm um Millimeter im Abseits befand. Die SGF-Anhänger und der Videoschiedsrichter Müller werden wohl keine Freunde mehr. Mit diesem Tor wären die Fürther sogar wieder auf Rang 15, diesmal vorbei an Braunschweig, gehüpft.
Das Zittern, Hoffen und Bangen aus fränkischer Sicht ging trotz des 3:0 also weiter. Ein Düsseldorfer Tor in den letzten 20 Spielminuten hätte die gesamte Ausgangssituation auf den Kopf gestellt, es drehte sich letztlich fast alles nur noch ums Verteidigen für die SpVgg - auch in der insgesamt sechsminütigen Nachspielzeit. Bis Hrgota in der Schlussminute noch einmal die Chance hatte, den Ball ins fast leere Düsseldorfer Tor zu schießen - und ein Fortune die Situation gerade so klärte. Daher spielen die Franken in der Relegation nun gegen Essen doch noch um einen Zweitliga-Platz.
Alle Spiele, Ergebnisse und Tore des 34. Spieltags in der Fußball-Bundesliga im Überblick
Im Video: Fürth-Sportdirektor im Interview
Stephan Fürstner
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