Manuel Baum, Trainer des FC Augsburg
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FCA-Trainer Manuel Baum und die Langeweile vor dem Anpfiff

FCA-Trainer Manuel Baum und die Langeweile vor dem Anpfiff

Manuel Baum hat den FC Augsburg wieder in die Erfolgsspur geführt. Im exklusiven BR-Interview gibt er Einblicke in seine Arbeit als "Fußball-Befähiger" und erklärt, warum ihm vor Anpfiff immer "mega langweilig" ist.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Sportlich läuft es gerade nahezu perfekt beim FC Augsburg: Trainer Manuel Baum hat den Turnaround geschafft und den Klub aus dem Tabellenkeller geführt. Eine starke Rückrunde und mutige Auftritte auch gegen Topteams haben die Schwaben bis auf Platz neun der Bundesliga katapultiert. Trotzdem will Baum, dessen Zeit als Cheftrainer im Sommer enden soll, nichts von der Frage nach seiner eigenen Zukunft wissen.

Bundesliga-Trainer oder technischer Direktor?

Der Fokus liege auf dem Hier und Jetzt. Sollte er nicht Cheftrainer bleiben, würde er in seine Rolle als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation zurückkehren. Eine Position, die er beim FCA mitgestaltet habe und in der es auch darum gehe, den Nachwuchs an die Profimannschaft heranzuführen und die Spielphilosophie des gesamten Vereins zu gestalten – losgelöst vom täglichen Kampf um Punkte und das sportliche Überleben:

"Fußball ist oft Wochengeschäft", so Baum. Gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Ströll und Sportdirektor Benjamin Weber habe man eine Vision entwickelt, die über das nächste Spiel hinausgeht: "Es geht um Identität. Um Werte. Um das, was den FCA unterscheidet. Ein Alleinstellungsmerkmal." Und das beginne nicht erst bei den Profis, sondern in der U10. "Die Leute im Stadion wollen mehr sehen als nur das Ergebnis", sagt Baum. Man könne verlieren – aber trotzdem zeigen, wofür man steht.

Fußball-Befähiger statt Fußball-Lehrer

Baum, der Lehramt studiert hat und auf Lebenszeit verbeamtet war, gab diese Sicherheit für den Profifußball auf. Als Fußball-Lehrer sieht er sich dennoch nicht: "Fußball-Lehrer finde ich kein gutes Wort, Fußball-Befähiger trifft es besser." Es gehe ihm nicht ums Belehren, sondern ums Entwickeln.

Fehler nennt Manuel Baum lieber "Learnings". Sein größtes Learning? "Dass du als Trainer nicht die Tore schießt." Er habe lernen müssen, sich zurückzunehmen. Manuel Baum hat gelernt und ist gereift, auch privat.

Bundesliga-Coach? Nicht zu Hause!

Die persönliche Entwicklung seit seiner ersten Amtszeit beim FCA zwischen 2016 und 2019 ist dabei unübersehbar. Nach Niederlagen braucht er zwar immer noch zwei Tage, um das Spiel zu analysieren und zu verarbeiten: "Feedback im roten Bereich bringt nichts." Emotion: Ja, aber mit Klarheit.

Zu Hause ist der 46-Jährige dann auch nicht mehr der "große Bundesliga-Trainer", sondern Vater und Ehemann. Im exklusiven Bayern1-Interview verrät er, wie er nach einem aufreibenden Bundesligaspiel vor 80.000 Zuschauern in Dortmund nach Hause kam und ihm seine Frau zwei Müllbeutel in die Hand drückte: "Trag das bitte runter." Erdung in Reinform, so der zweifache Familienvater.

"Mega langweilig" vor dem Anpfiff

Den überraschendsten Einblick gibt der gebürtige Niederbayer in seine unmittelbare Vorbereitung am Spieltag: "Da ist mir immer mega langweilig." Baum will das allerdings nicht als Überheblichkeit interpretiert wissen, sondern eher als Bestätigung der eigenen Arbeit. Wenn alles analysiert, durchgesprochen, durchdacht ist, wenn Szenarien im Kopf durchgespielt wurden, bleibt vor dem Anpfiff – Warten: "Das ist für mich ein Zeichen, dass wir gut vorbereitet sind."

Wenn etwa 75 Minuten vor Anpfiff die Aufstellung kommt, geht Baum noch einmal in sein Trainerbüro, schnappt sich die Taktiktafel und spielt Varianten durch. Manchmal komme Sportdirektor Benjamin Weber vorbei und man tausche sich aus. Baum erklärt, er renne nicht permanent in die Kabine, halte keine flammenden Reden: "Ich sehe mich am Spieltag eher als Coach, nicht als Trainer." Entwickelt werde unter der Woche. Diese Ruhe sei auch ein Signal an die Spieler: "Wer als Trainer rastlos wirkt, sendet Unruhe."

Die FCA-Hymne beendet die Langeweile

Manuel Baum setzt auf Gelassenheit. Keine Show, kein künstliches Hochpushen. Vielleicht liegt darin der größte Unterschied zu seinem Vorgänger Sandro Wagner – und sein Erfolgsgeheimnis: Denn beide haben nun zwölf Spiele in der Statistik, Baum holte mehr als doppelt so viele Punkte wie Wagner.

Vergleichen will Manuel Baum trotzdem nicht, er bleibt lieber bei sich. Die Langeweile vor dem Spiel endet dann übrigens mit der Vereinshymne, dann kommt die Spannung von ganz allein: "Bis dahin schlage ich ein bisschen die Zeit tot."

Das ausführliche Gespräch mit Manuel Baum hören Sie heute Mittag ab 12 Uhr bei Bayern1 "Mittags in Schwaben"

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