Als Tom Bischof in der 57. Minute des Testspiels gegen die SV Wehen Wiesbaden den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 verwandelte, gab der gebürtige Aschaffenburger einen kleinen Vorgeschmack darauf, worauf sich die Fans des FC Bayern München in der kommenden Saison freuen dürfen. In seinem zweiten Jahr im Trikot des deutschen Rekordmeisters will der 20-Jährige mehr Verantwortung übernehmen - eine Vision, welche die Verantwortlichen mit ihm teilen.
Freund mit Lobeshymne auf Bischof
"Wir setzen große Hoffnung und Vertrauen in ihn", setzte Sportdirektor Christoph Freund nach der 1:2-Niederlage in Wiesbaden, bei der sich vor allem die jungen Talente des FCB präsentieren durften, zu einer Lobeshymne auf Bischof an. "Er wird noch mehr Verantwortung übernehmen und mehr Spielzeit bekommen. Ich bin davon überzeugt, dass er dafür reif ist und richtig reinwachsen wird. Tom ist bereit, beim FC Bayern den nächsten Schritt zu gehen."
Worte, die zu einem verlorenen Testspiel gegen einen Drittligisten auf den ersten Blick gar nicht passen mögen - doch die Ansätze, die Bischof am Samstagnachmittag in der Brita-Arena zu Wiesbaden auf den Platz brachte, bestätigten den Eindruck von Freund. Nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit übernahm Bischof in einer Bayern-Mannschaft ohne große Namen das Zepter: Der Youngster gab die meisten Schüsse aufs Tor ab (3), spielte die meisten Pässe in das letzte Drittel (15) und verzeichnete nicht zuletzt den einzigen Treffer der Münchner. All das geschah von seiner Lieblingsposition aus, für die er in der vergangenen Saison in Ausnahmefällen in Frage kam - der Sechs.
Bischof profitiert vom Goretzka-Abschied
Seit dem Abschied von Leon Goretzka steht fest, dass Bischof im Zentrum hinter Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic die entstandene Lücke ausfüllen soll. "Im Zentrum spornen Pavlo, Jo Kimmich und ich uns gegenseitig an. Jeder will spielen, dadurch werden alle besser und das hilft der ganzen Mannschaft. Ich traue mir diese Rolle definitiv zu", gab er sich dahingehend in einem Interview mit dem vereinseigenen Medium selbstbewusst.
Nur allzu oft war Bischof in der vergangenen Spielzeit auf der linken Außenbahn anzutreffen. Seinen Job als Linksverteidiger erledigte der Nationalspieler mit Bravour, durch die Verpflichtung von Nathaniel Brown sind diese Zeiten aber vorerst beendet. Missen will er diese Erfahrungen aber nicht. "Für mich persönlich war es eine sehr gute Saison, weil ich viel gelernt, mich weiterentwickelt und auf verschiedenen Positionen gespielt habe. Das hilft mir für meine weitere Karriere", so Bischof, der aber auch anmerkte: "Jetzt will ich den nächsten Schritt gehen."
Keine WM: Bischof bei Bayern im Vorteil?
Seine Ambitionen passen jedenfalls auch zu der neuen Rückennummer, die sein Trikot ziert. Die Nummer acht trugen bei den Bayern schon große Namen wie Lothar Matthäus, Paul Breitner oder auch Javi Martínez. Nun will auch Bischof ein solches Kapitel aufschlagen. Und im Kampf um einen Stammplatz könnte er zunächst tatsächlich die Nase vorn haben.
Aufgrund der Nicht-Berücksichtigung für den WM-Kader von Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann traf der ehemalige Hoffenheimer mit vollen Kräften und - vielleicht noch wichtiger - ohne mentalen Knick nach dem frühen deutschen Scheitern zum Vorbereitungsauftakt der Bayern ein. Zwar stoßen die DFB-Spieler bereits beim Trainingslager am Tegernsee (27. bis 30. Juli) zur Mannschaft, Bischof dürfte aber trotzdem mit einem Schub in die neue Saison starten und dem bei der WM schwächelnden Pavlovic seinen Platz in der Startelf streitig machen.
Bischof fühlt sich in seiner neuen Rolle wohl
Bis zum Saison-Auftakt im Supercup gegen Borussia Dortmund am 22. August (20.30 Uhr) sind es noch knapp vier Wochen hin, Bischof fühlt sich in seiner neuen Rolle aber bereits jetzt pudelwohl. "Heute war es klar, dass ich mir den Elfmeter schnappe", meinte er hinsichtlich des Elfmeters gegen Wiesbaden und der damit verbundenen Verantwortung.
In einem Pflichtspiel trat der gebürtige Aschaffenburger übrigens noch nie zu einem Elfmeter an. Ein Umstand, den er in der anstehenden Saison bestimmt ändern möchte. "Letzte Saison habe ich oft genug geübt", sprach er - und vermittelte damit eine Botschaft, wie es auch schon Sportdirektor Freund tat: Tom Bischof ist bereit für sein neues Kapitel.
