Es waren dramatische Wochen, in denen sich die SpVgg Greuther Fürth noch einmal gerettet hat. Der stolze Zweitligist war schon so gut wie abgestiegen. Doch es kam anders: Mit einem 3:0 gegen den direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf schaffte es das Kleeblatt in die Relegation und dort drehte man mit einem 2:0 vor den heimischen Fans ein 0:1 aus dem Hinspiel gegen Rot-Weiss Essen.
Fürth-Coach Vogel über Relegations-Krimi: "Das macht was mit einem"
Schweißüberströmt und sichtlich mitgenommen stand Fürth-Coach Heiko Vogel nach dem Abpfiff am BR24-Sport-Mikrofon: "Ich bin sehr erleichtert", sagte er und führte aus: "Weil Relegation sehr speziell ist, weil ich wusste, dass da auch Arbeitsplätze dranhängen. Und das macht was mit einem. Ich habe mich noch nie so akribisch auf zwei Spiele vorbereitet."
Noel Futkeu: Torjäger, Lebensversicherung, Abschied
Noel Futkeu, die Lebensversicherung der Spielvereinigung, der Torschützenkönig der 2. Bundesliga, bekam ein Extralob ab: "Noel ist unglaublich. Der Sprung, den er jetzt gemacht hat, ist enorm. Noel hat jetzt in den zwei Relegationsspielen, zwischen den Relegationsspielen, und auch vor Düsseldorf gezeigt, was er für einen Charakter hat – und das ist Gold wert. Ich kann Noel nur mit allem Lob überschütten, das es gibt."
Der 23-Jährige war wieder einmal spielentscheidend, kämpfte, ackerte, feuerte die Fans an - und traf. Sein Tor zum 1:0 brachte Fürth auf die Siegerstraße. Es wird das letzte Spiel sein, das der Stürmer für das Kleeblatt bestreitet. Eintracht Frankfurt hat die Rückkaufoption für den Spieler gezogen und so heißt es Abschied nehmen. Die Station Fürth sei für ihn "sehr wichtig. Hier konnte ich mich weiterentwickeln, als Spieler, als Mensch. Ich habe sehr viel gelernt. Es hat sich maximal ausgezahlt", sagte Futkeu. "Es ging hauptsächlich darum, dass ich mich mit einem guten Gefühl verabschiede. Ich wollte unbedingt, dass wir, der Verein, diese Liga hält. Und dafür habe ich alles gegeben. Ich bin überglücklich."
Im Video: "Bin überglücklich" - Fürth-Torjäger Noel Futkeu im BR24Sport-Interview
SpVgg Greuther Fürth - Rot-Weiss Essen
Kapitän Hrgota: Traumtor und Abschied nach sieben Jahren
Neben Futkeu wurde Branimir Hrgota zum Matchwinner. Der Kapitän erzielte per Traumtor das 2:0, oder wie er es beschrieb: "Ich habe dann gemerkt, dass ich sehr, sehr viel Platz bekomme und dann ging es nur um die Konzentration, den Ball richtig zu treffen, habe ich geschafft und kriege den Ball genau da hin, wo ich wollte. Passt."
Doch nicht nur das Tor verbindet Hrgota mit Futkeu - auch Hrgota wird Fürth im Sommer verlassen. Nach sieben Jahren, 242 Spielen, 67 Toren und 41 Assists hat der 33-jährige Schwede seinen Vertrag in Fürth nicht verlängert. Nicht nur auf dem Platz wird er Vogel fehlen: "Er ist ein vorbildlicher Kapitän, der immer Ruhe bewahrt hat. Einer, der auch immer zu mir stand und zu dem, was wir gemacht haben", so der Fürth-Coach.
"Versager raus!" Fans attackieren Klubführung
Diese zwei Spieler in der kommenden Saison zu ersetzen wird eine mächtige Aufgabe - für die Mannschaft und vor allem für die Führungsebene, die alles andere als sicher im Sattel sitzt. Besonders Sportdirektor Stephan Fürstner und Geschäftsführer Holger Schwiewagner stehen bei den Fans seit Wochen in der Kritik. Nach einer Fanpetition, die den Rauswurf des Duos forderte, gab es während des Relegationsspiels erneut Kritik. Auf einem Banner in der Fankurve stand: "Auf dem Platz und in den Gremien: Versager raus! Neuanfang jetzt!" Bereits am Mittwoch wurde nun ein neuer Sport-Geschäftsführer vorgestellt: Daniel Meyer. Er kommt vom Viertligisten Hallescher FC.
Seit dem Rauswurf von Trainer Alexander Zorniger und des langjährigen Sportdirektors Rachid Azzouzi im Oktober 2024 befindet sich der Verein sportlich wie wirtschaftlich in einem Abwärtsstrudel. Zahlreiche Trainerentlassungen, ein Minus von 4,7 Millionen Euro in der Jahresbilanz, von denen 1,9 Millionen auf Abfindungszahlungen zurückgingen und nun der knapp abgewendete Abstieg in Liga drei. Der sportlichen Führung in Fürth steht ein unruhiger Sommer bevor.
Futkeu und Vogel scherzen über Partynacht
Doch davon wollten zumindest die Spieler nach dem Klassenerhalt nichts wissen. "Die sollen einfach mal machen und es krachen lassen", erklärte Trainer Heiko Vogel, der sich selber an den Feierlichkeiten nicht mehr beteiligte. "Keine Kraft mehr, keine Kraft mehr", sagte er in das BR24Sport-Mikrofon - dann war auch für ihn der Abend beendet.
Im Video: Die Highlights des Relegations-Rückspiels zwischen der SpVgg Greuther Fürth und Rot-Weiss Essen
SpVgg Greuther Fürth - Rot-Weiss Essen
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