Rückblende zum 30. Juli 2025. Der FC Bayern München hatte gerade Luis Diaz für 70 Millionen Euro vom FC Liverpool verpflichtet. Bei Fans und Beobachtern löste der Transfer Kopfschütteln aus. Weniger wegen der Qualitäten des Kolumbianers als wegen der Ablösesumme für einen 28-Jährigen, der bei den Reds in 148 Spielen auf solide aber keineswegs überragende 41 Tore und 23 Vorlagen gekommen war.
Diaz wird zum 70-Millionen-Schnäppchen
Acht Monate später im Hier und Jetzt schüttelt die Münchner-Fußballwelt immer noch den Kopf über Diaz. Die Skepsis ist allerdings dem Unglauben gewichen, dass man diesen Spieler für "nur" 70 Millionen Euro von der Anfield Road loseisen konnte.
Und das, obwohl Diaz in der Rekorde-brechenden FCB-Offensive von Trainer Vincent Kompany bei Aufzählungen meist erst nach Harry Kane und Michael Olise genannt wird: Kane, Olise, Diaz. Selbst bei der für kongeniale Flügel-Duos üblichen Verquickung der Nachnamen mit Olise zu "Oliaz" steht Diaz hinten an.
Diaz: Der Mann für die wichtigen Bayern-Tore
Dabei lässt sich durchaus argumentieren, dass Diaz wie beim jüngsten 4:5-Spektakel in der Champions League gegen Paris Saint-Germain sich zunehmend zum Mann für die großen Momente entwickelt.
Im Parc des Princes von Paris terrorisierte Diaz die PSG-Abwehr am laufenden Band mit giftigen Sprints und aggressiven Läufen in die Tiefe. So auch in der 68. Minute, als Kane ihn mit einem langen Ball an der Strafraumkante fand. Diaz fing das Zuspiel akrobatisch mit der Hacke ab, ließ Defensiv-Routinier Marquinhos mit Schuss- und Körpertäuschungen alt aussehen, bevor er das Spielgerät zum 4:5 in die Maschen drosch.
Joshua Kimmich
Diaz bricht Reals Willen
Es war ein Treffer, der für die bayerischen Triple-Träume entscheidend gewesen sein könnte. Schließlich sind die Aussichten auf den Einzug ins Finale der Königsklasse durch den Ein-Tor-Rückstand vor dem Rückspiel in München deutlich größer, als sie es bei einer 3:5-Niederlage gewesen wären.
Diaz' Treffer in Paris war keineswegs sein erster großer Auftritt in einem kritischen Spiel. In beiden Viertelfinal-Duellen gegen Real Madrid (2:1, 4:3) hatte er den deutschen Rekordmeister jubeln lassen, wobei er im Rückspiel den Willen der Königlichen mit seinem sehenswerten 3:3 kurz vor Schluss gebrochen hatte.
Bayern ohne Diaz? Lieber nicht
Auch für die bereits feststehende Deutsche Meisterschaft war Diaz ein wichtiger Faktor gewesen. Sei es durch seine fünf Torbeteiligungen beim 5:1 gegen die TSG 1899 Hoffenheim oder sein zwischenzeitliches 2:1 beim 2:2 gegen den Hamburger SV.
Auch wenn man dafür den leidigen Konjunktiv bemühen muss: Es stellt sich zunehmend die Frage, wie diese Bayern-Saison ohne den südamerikanischen Flügelstürmer verlaufen wäre. In der vergangenen Saison hatte sich das Team unter Kompany mit Kane und Olise auf den Gewinn der Bundesliga beschränken müssen.
Diaz sticht sogar Ribery aus
Nun - mit Diaz - ist das dritte Triple der Vereinsgeschichte greifbar. Wettbewerbsübergreifend steht der Nationalspieler bei 26 Toren und 21 Vorlagen in 46 Partien. Absurde Werte, die man sonst einzig bei Ausnahmekönnern wie Lionel Messi, Kylian Mbappe oder Erling Haaland vermutet.
Wie sehr der Diaz-Transfer die Bayern verbessert hat, zeigt auch der Vergleich mit seinen Vorgängern. Leroy Sane kam in seiner besten Saison an der Isar in 45 Einsätzen auf 29 Scorerpunkte (14 Tore, 15 Vorlagen, 2021/22). Auch Klubikone Franck Ribery sticht Diaz mittlerweile aus. Der Franzose kam 2011/12 in seiner gefährlichsten Spielzeit für den FCB in 50 Matches auf 17 Treffer und 27 Assists.
Den Status des französischen Publikumslieblings hat Diaz zwar noch nicht, aber das könnte sich ändern. Schließlich haben die Bayern ja noch das ein oder andere wichtige Spiel vor der Brust. Genug Gelegenheiten für den Neuzugang, sich endgültig in den Vereinsannalen zu verewigen.
Aleksandar Pavlovic
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