Wenige Minuten nach Abpfiff, als die erste Niederlage für Jürgen Klopp als Bundestrainer feststand, ahnte der 59-Jährige bereits, was kommen würde. Im ARD-Interview sagte Klopp voraus, dass nach dem 0:1 gegen Griechenland eine Welle der Kritik über ihn und seine Mannschaft hereinbrechen würde. Lange ließ diese nicht auf sich warten. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger hatte bereits vor Klopps Vorahnung deutliche Worte gefunden: Der ehemalige FC-Bayern-Star sagte: "Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen."
Als eines der größten Probleme machte Schweinsteiger den Spielaufbau aus. Mit Ausnahme von FC-Bayern-Star Joshua Kimmich fehle es der Nationalmannschaft aus Sicht des früheren Nationalspielers an Jemandem, der aus der Defensive heraus kreative Pässe spielen könne.
Internationale Presse mit noch mehr Kritik
Noch kritischer fiel die Reaktion der internationalen Presse aus. In Spanien schrieb die "AS" von einer "griechischen Tragödie für Klopp", während "Marca" feststellte, auch Klopp bringe Deutschland zunächst nicht in Fahrt. Der britische "Guardian" bezeichnete den Auftritt der Deutschen als "äußerst enttäuschenden Abend" und verwies darauf, dass Klopp nach zwei Spielen als Bundestrainer lediglich einen Punkt geholt habe. "Le Figaro" titelte schlicht "Fehlstart" und schrieb, die Niederlage bei Klopps Heimdebüt sorge für Unruhe.
Auch in der Schweiz wurde der Auftritt kritisch bewertet. Der "Blick" sprach von einem "unrühmlichen Start" für Klopp und verwies darauf, dass Deutschland erstmals in seiner Geschichte gegen Griechenland verlor.
Im Video: Jürgen Klopp im Interview
Jürgen Klopp
Selbstkritik von Kimmich, Tah und Nübel
Selbst die deutschen Spieler sparten nach der Partie nicht mit Selbstkritik. Kapitän Joshua Kimmich sprach von einem "nicht guten Auftritt" und bemängelte, das deutsche Spiel sei "zu statisch und zu wenig kreativ" gewesen. Auch sein FCB-Teamkollege Jonathan Tah und Torhüter Alexander Nübel sahen vor allem in der Offensive Verbesserungsbedarf. Deutschland habe die angebotenen Räume nicht konsequent genutzt und den Strafraum zu selten bedroht. Nübel kritisierte zudem, dass die DFB-Elf zwar viel Ballbesitz hatte, aber zu selten innerhalb des Strafraums zum Abschluss kam.
Jürgen Klopp: "Verlieren darfst du nicht"
Jürgen Klopp selbst nahm nach seinem verlorenen Heimdebüt die Verantwortung auf sich. "Es ist Teil des Prozesses, absolut. Die Aufstellung, die Zusammensetzung, die vielen Wechsel - das geht alles zu 100 Prozent auf meine Kappe", sagte der 59-Jährige nach dem Nations-League-Spiel im ARD-Interview.
Das Zustandekommen dieser überraschenden Niederlage relativierte Klopp jedoch. "Wir sind eine Woche zusammen. Treffen auf einen defensiven Gegner. Sind eine neu zusammengewürfelte Truppe. Und dann müssen wir Abläufe haben", sagte der Bundestrainer. "Dass wir jetzt hier einen tiefstehenden griechischen Gegner nicht komplett auseinandernehmen, das war klar." Klopp hätte damit leben können, das Spiel nicht hoch zu gewinnen. "Verlieren darfst du es nicht."
Eine Chance auf die Wiedergutmachung hat Klopp am Donnerstag. Dann trifft seine Mannschaft auf Serbien, ehe am Sonntag die Revanche gegen Griechenland in Thessaloniki gelingen könnte.
Im Video: Joshua Kimmich im Interview
Joshua Kimmich
Im Video: Der Tag nach der Niederlage gegen Griechenland
Bundestrainer Jürgen Klopp
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