Es sollte auch seine Weltmeisterschaft werden. Zaubern auf der allergrößten Bühne, die der Fußball zu bieten hat, das wollte Lennart Karl. Der Teenie-Star des FC Bayern München war in der Turnier-Vorbereitung der Nationalmannschaft drauf und dran, sich in die erste Elf zu dribbeln und zu schießen. Bis seine Träume vom persönlichen Sommermärchen in Chicago jäh platzten - neun Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Curaçao.
Als Karl das Teamhotel in Chicago verließ, war ihm die Enttäuschung deutlich anzusehen. Der 18-Jährige, der in den vergangenen Monaten mit seinem kometenhaften Aufstieg die Fußball-Nation begeistert hatte, musste seinen größten Traum vorerst begraben. Die Weltmeisterschaft findet ohne ihn statt.
Karl "extrem traurig"
Im Mannschaftshotel Waldorf Astoria wurde der Offensivspieler des FC Bayern von seinen Teamkollegen, Bundestrainer Julian Nagelsmann und DFB-Präsident Bernd Neuendorf verabschiedet. Es waren emotionale Szenen. "Julian war da, hat noch ein paar Worte gesagt, die ganze Mannschaft war da. Er hat auch noch ein paar Worte gefunden, obwohl ihm das schwergefallen ist. Er war extrem traurig, es sind auch, glaube ich, schon ein paar Tränen geflossen", erzählte Neuendorf von der Zusammenkunft von Bundestrainer und DFB-Stars im Waldorf Astoria.
Nach den Untersuchungen im Krankenhaus kehrte Karl noch einmal zur Mannschaft zurück. Gemeinsam versuchte das Team, den jungen Nationalspieler in seinem schwersten Moment zu stützen. Nagelsmann richtete persönliche Worte an den Teenager, der trotz seines eigenen Schmerzes ebenfalls noch einmal das Wort ergriff.
Karl lässt auf Instagram seinen Gefühlen freien Lauf
Für den Unterfranken war es ein Schock, der kaum größer sein könnte. Beim Abschlusstraining vor der WM-Generalprobe gegen die USA (heute ab 20.30 Uhr live in der Radioreportage) zog er sich einen Muskelbündelriss im linken vorderen Oberschenkel zu. Die Diagnose bedeutete das Aus für das Turnier.
Auf Instagram ließ der 18-Jährige seinen Gefühlen freien Lauf. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", schrieb er. "Aber es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen." Er habe "alles dafür getan, um fit für die WM zu sein. Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt", schrieb Karl weiter.
Unter Karls Post auf sammelten sich schnell tausende Kommentare, darunter neben vielen deutschen Nationalspielern wie Jamal Musiala, Nick Woltemade oder Antonio Rüdiger auch Bayern-Kollegen wie Michael Olise und Dayot Upamecano oder der Schweizer Granit Xhaka. Sein Schicksal machte die Kollegen betroffen.
Karls Ausfall emotionaler Dämpfer für DFB-Team
Auch der Bundestrainer fühlte mit Karl. "Es tut mir wahnsinnig leid für Lenny", sagte Nagelsmann. Der 38-Jährige lobte Karls Unbekümmertheit, seinen Spielwitz und sein Tempo. Vor allem aber habe der Youngster menschlich perfekt ins Team gepasst. Sein Aus sei "für ihn und uns alle ein großer Schock". Dass Karl noch jung sei und noch viele Turniere vor sich habe, sei "nur ein kleiner Trost". Man hätte den Aufsteiger der vergangenen Saison "sehr gerne im Team gehabt".
Für die Nationalmannschaft ist der Ausfall ein emotionaler Dämpfer kurz vor dem Turnierstart. "Das drückt die Stimmung", räumte Neuendorf ein. Zu beeindruckend waren Karls Auftritte in den vergangenen Wochen, zu groß die Hoffnung, dass der Youngster auch bei der WM für besondere Momente sorgen könnte.
Stattdessen bleibt vorerst nur die Heimreise. Und die Gewissheit, dass ein Traum geplatzt ist. Doch während die Mannschaft Richtung WM aufbricht, beginnt für Lennart Karl bereits die nächste Herausforderung: der Weg zurück. Und vielleicht irgendwann doch noch auf die ganz große Bühne.
Im Audio: Lennart Karls emotionaler Abschied
Lennart Karl

