Es war eines der schlechter gehüteten Geheimnisse in der jüngeren Geschichte der deutschen Nationalmannschaft: Jonas Urbig wird am 3. Spieltag der UEFA Nations League in der Münchner Allianz Arena gegen Serbien (Donnerstag, ab 20.45 Uhr live in der Radioreportage) sein Debüt für die A-Mannschaft feiern. Die Tatsache, dass der 23-Jährige auf der Pressekonferenz am Mittwoch Rede und Antwort stehen sollte, gab den finalen Hinweis auf seine Premiere - und ließ ihn in einer seit geraumer Zeit schwelenden Debatte endlich selbst Wort ergreifen.
Für Urbig geht ein Traum in Erfüllung
"Das ist ein Moment, auf den man sein ganzes Leben hingearbeitet hat", meinte Urbig auf der Pressetribüne. Die Freude kennt beim Youngster, der bei seinem DFB-Debüt übrigens nur 170 Tage älter als Vorgänger Manuel Neuer bei dessen ersten Tanz im Juni 2009 sein wird, keine Grenzen. "Ich freue mich einfach, dass ich die Möglichkeit bekomme, hier im eigenen Stadion aufzulaufen und meinen Teil dazu beizutragen, dass wir als Team unseren ersten Sieg unter Jürgen Klopp einfahren", so der Torhüter des FC Bayern München.
Es ist der erste Akt einer Prophezeiung – sofern man den Ausführungen von Bayern-Trainer Vincent Kompany glauben möchte. "Wenn einer glaubt, dass Jonas nicht irgendwann die Nummer eins von Deutschland wird, glaube ich, dass er einen großen Fehler macht", hatte der Belgier jüngst verlauten lassen. Dieses Irgendwann ist nun eingetreten. Die Frage ist nur, wie lange das so bleiben wird.
Im Video: Jonas Urbig im BR24Sport-Interview
Jonas Urbig
Eine Nummer zwei als Nummer eins? Urbig fühlt sich bereit
Klopp gibt Urbig nun jene Chance, die ihm unter Julian Nagelsmann, der ihn während der WM-Vorbereitung nur auf der Bank sitzen ließ, noch verwehrt geblieben war. Damals wie heute sieht sich der Bundestrainer mit demselben Dilemma konfrontiert: Wie groß darf der Anspruch einer Nummer zwei im Verein auf die Nummer eins in der Nationalmannschaft sein?
Beim FC Bayern muss sich Urbig bis Sommer 2027 weitestgehend hinter Neuer anstellen. Zwei von sieben Münchner Pflichtspielen hat er in dieser Saison bestritten, 20 von 55 waren es im Vorjahr. Zum Vergleich: Seine DFB-Konkurrenten Finn Dahmen (FC Augsburg/40 Spiele) und Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt/54) kommen auf deutlich mehr Einsätze. Ein Umstand, der Urbig völlig kalt lässt. "Ich finde, dass ich auch in einem Spielrhythmus bin", merkte er selbstbewusst an und fügte an: "Ich bin froh, ein Teil dieser Gruppe zu sein. Alles andere ist die Entscheidung des Trainers."
Urbig und der mentale Kniff zwischen den Pfosten
Und ohnehin: Gewissermaßen ist es Urbig bereits gewohnt, aus dem Nichts gefordert zu sein. Im Vergleich zu seinen früheren Stationen beim 1. FC Köln oder der SpVgg Greuther Fürth bekommt Urbig deutlich weniger Schüsse auf sein Tor. "Beim FC Bayern gibt es vielleicht erst in der 89. Minute den ersten Torschuss. Der Fokus liegt auf der mentalen Herausforderung, auch so spät noch wach und für diese eine Situation vorbereitet zu sein. Das ist mir bislang gut gelungen."
Eine große Hilfe auf seinem Weg ist natürlich sein Mentor. "Ich denke, er wird mir morgen nochmal eine Nachricht schreiben", meinte Urbig mit einem breiten Lächeln mit Blick auf seinen prominenten Lehrmeister namens Neuer. Als es um seine Zusammenarbeit mit dem Weltmeister von 2014 ging, geriet der Rheinländer regelrecht ins Schwärmen. "Man schaut zu ihm auf. Aber was ich schnell gemerkt habe: Er schaut nicht von oben herab. Manu begegnet einem immer auf Augenhöhe. Wir hatten schnell einen guten Draht."
Klopp ist die Urbig-Debatte schlichtweg egal
Während die Rolle von Urbig in den vergangenen Wochen munter diskutiert wurde, reagierte Klopp nur mit einem Schulterzucken auf die Debatte. "Er ist gut, sehr gut. Also dachte ich mir, dass wir uns den mal anschauen", sagte der Bundestrainer am BR-Mikrofon in seiner gewohnten Gelassenheit. "Das ist doch alles einfach nur egal. Wir können heute bewerten, dass er die Nummer zwei ist. Wir können bewerten, wo er in zwei Jahren sein wird. Das ist ein toller Junge, der in München bestens aufgehoben ist und vom besten deutschen Torhüter der letzten Jahrzehnte unglaublich viel lernen kann."
Klar: Das erste Länderspiel sei für einen Spieler immer von großer Bedeutung. "Viel wichtiger ist jedoch, dass man bereit dafür ist - und in der Zukunft auch für das zehnte, 20. und 30. Spiel da ist und am Höhepunkt seiner Schaffenskraft der Mannschaft weiterhilft." Diesen Pfad soll auch Urbig beschreiten – ein starkes Debüt am Donnerstagabend würde ihm dabei gewiss helfen.
Im Video: Klopp über Urbigs DFB-Debüt
Jürgen Klopp
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