ARD-Experte Felix Neureuther geriet in Rage. "Das ist ein totaler Quatsch", schimpfte der 41-Jährige am Rande des Slaloms in Kitzbühel. Das Ziel seines Unmuts: das IOC und der Vergabeprozess der Quotenplätze für die Olympischen Spiele an die einzelnen Länder im alpinen Ski-Bereich.
Vogt als Kitzbühel-Achter bei Olympia außen vor
Der Auslöser von Neureuthers Ärger war dabei eigentlich etwas Positives. Luis Vogt war zuvor in der Abfahrt auf der Streif zu Rang acht gefahren. Doch weil der DOSB bereits in den Tagen zuvor sein Olympia-Aufgebot benannt hatte, ist Vogt für das Jahreshighlight nun außen vor, obwohl er die nationalen Mindestanforderungen (einmal Achter oder zweimal in Top 15) als zweiter deutscher Mann im Speed-Bereich erfüllt hat.
Im Video: Felix Neureuther über Vogt-Dilemma
Felix Neureuther
Wolfgang Maier: Olympia-Nominierung "ein sehr komplexes Thema"
Die Vergabe eines weiteren Tickets scheitert an zwei Punkten, wie der Alpindirektor des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) Wolfgang Maier in Kitzbühel am ARD-Mikrofon erklärte.
"Da geht es auch gar nicht darum, wer was nicht machen möchte, sondern da geht es um Regularien. Das erste Thema war: Der Luis war außerhalb der Zeit, in der man sich qualifizieren konnte. Das zweite Thema ist, dass die internationalen Quoten letzte Woche geschlossen haben", sagte der 65-Jährige.
Olympia-Quotenplätze: Der Teufel steckt im Detail
Was Maier konkret meint, verdeutlicht ein Blick in die IOC-Bestimmungen. Insgesamt werden in der Sportart Ski Alpin 306 Athletinnen und Athleten (je 153) für neun Wettbewerbe zugelassen. So weit, so leicht zu verstehen.
Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail. Eine Nation darf pro Geschlecht nicht mehr als elf Starter stellen, in den einzelnen Events ist die Menge an Teilnehmern aus einem Land auf vier begrenzt. Diese Einschränkungen werden etwa für die Schweiz zum Problem, da sich alleine im Abfahrtsweltcup der Männer acht Eidgenossen unter den besten 25 befinden.
Minimalvoraussetzung für Quotenplatz pro NOK
Da die Zahl an "Alpinen" auf das Maximum von 306 gedeckelt ist, kann nicht jedes Nationale Olympische Komitee (NOK) für sich entscheiden, ob es die Obergrenze von elf bzw. vier Startern ausreizt. Deswegen vergibt das IOC die Plätze über die FIS.
Einen Quotenplatz pro Geschlecht kriegt jede Nation, die einen Athleten des jeweiligen Geschlechts vorweisen kann, der die Grundvoraussetzungen erfüllt. Er oder sie muss vor dem 1. Januar 2010 geboren sein, den medizinischen Kriterien entsprechen, bei der FIS registriert sein und eine Mindestanzahl an FIS-Punkten (Abfahrt/Super-G: 80, Slalom/Riesenslalom: 120) in der "Olympic Quota Allocation List" (OQAL) gesammelt haben.
Zwei weitere Quotenplätze durch Leistung möglich
In Letztere fließen Ergebnisse ein, die zwischen dem 1. Juli 2024 und dem 18. Januar 2026 erzielt wurden, und ist seit dem 19. Januar dieses Jahres finalisiert. Zusätzlich zu diesem "Grundquotenplatz" kann jede Nation bis zu zwei weitere Startberechtigungen pro Geschlecht durch das Abschneiden im Weltcup sammeln.
Liegt ein Fahrer in einer Disziplin unter den besten 30, verschafft er seinem NOK einen weiteren Quotenplatz. Stellt der Verband einen weiteren Athleten, der in den Top 30 – entweder derselbe in einer anderen Disziplin oder ein anderer in derselben Disziplin – steht, gibt es einen weiteren Quotenplatz.
Individuelle Quotenplätze über "Olympic Quota Allocation List"
Die restlichen der 153 Startplätze je Geschlecht ergeben sich dann durch insgesamt vier Sonderplätze (zwei Männer, zwei Frauen) für Gastgeber Italien und die bereits genannte "Olympic Quota Allocation List".
Letztere die 500 Fahrerinnen und Fahrer auf, die im Qualifikationszeitraum (1. Juli 2024 bis 18. Januar 2026) in ihren beiden besten Disziplinen die meisten FIS-Punkte anhäufen konnten. Wenn eine Nation die Obergrenze an Athleten erreicht hat, werden die übrigen Fahrer automatisch aus der OQAL genommen.
Nach der Veröffentlichung der OQAL am 19. Januar hatten die NOKs bis zum 20. Januar Zeit, um anzugeben, wie viele ihrer Quotenplätze genutzt werden. Daraufhin erfolgte die Vergabe der nicht verwendeten Startberechtigungen über die OQAL vor der Schließung des Meldefensters (26. Januar).
Sondergenehmigung für Luis Vogt beantragt
Vogts Problem ist das Folgende: Einerseits hat die OQAL geschlossen, weswegen ihm sein achter Rang auf der Streif keinen eigenen individuellen Quotenplatz mehr einbringt. Andererseits hat der DOSB bereits sein Kontingent gemeldet, sodass er keinen der verfügbaren Plätze mehr bekommen kann.
Das weiß man auch beim DOSB. Daher peilt man eine Sondergenehmigung an, "um Luis Vogt im Abfahrtstraining starten lassen zu können. Im alpinen Skisport muss ein Athlet zwingend am Abfahrtstraining teilnehmen, um überhaupt als Ersatzathlet starten zu können", wie der Verband auf BR-Anfrage mitteilte. Dann könnte Vogt auch nachrücken, wenn ein anderer der fünf gesetzten Fahrer ausfallen würde.
Im Video: Streif-Abfahrt in der Zusammenfassung
Ski alpin: Weltcup
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