Zum Abschluss seiner Karriere gelang Johannes Lochner die goldene Revanche: Vier Jahre nach den olympischen Silbermedaillen im Zweier- und Viererbob in Peking schlug der 35-Jährige in Cortina d'Ampezzo gegen seinen Dauerrivalen Francesco Friedrich zurück und krönte sich gleich zweimal zum Olympiasieger. Ein Moment für die Ewigkeit - der laut Lochner ohne das Ehrenamt nie zustande gekommen wäre.
"Ohne die Vereine und die Menschen im Ehrenamt von früher, wäre überhaupt nichts möglich gewesen", unterstrich er in einem Gespräch im Rahmen der BR-Aktion #SportVereint. So wurde sein Weg in den Bobsport schon früh in seiner Kindheit geebnet, indem er sich an einer Vielzahl an Sportarten versuchen konnte.
Lochner: "Sie hat mein Leben als Kind komplett mitgestaltet"
Ein besonderer Dank gilt dahingehend einer Frau, die sich damals ehrenamtlich engagiert hatte. "Das war die Bernadette vom WSV Königssee", erinnerte sich Lochner mit einem strahlenden Lächeln. "Sie hat mein Leben als Kind komplett mitgestaltet und mir alles gezeigt, was man in den Bergen machen kann."
Zwar sei sie eine Ski-Lehrerin gewesen, aber "sie hat mit uns das komplette Freizeitprogramm durchgezogen – egal ob Wandern, Klettersteig oder Fahrradfahren", führte Lochner aus. "Wenn es mal geschneit hat, hieß es: 'Runter von der Couch, wir gehen jetzt Tiefschneefahren!' Man konnte mit ihr einfach immer alles machen und sie hat sich für uns wesentlich mehr Zeit genommen, als sie hätte müssen."
Video: #SportVereint-Partner Johannes Lochner schwärmt von seiner heimlichen Heldin
Johannes Lochner mit der olympischen Goldmedaille
Lochner vom Ehrenamt "unglaublich beeindruckt"
Diese sportliche Vielfalt in seiner Jugend setzte schließlich den Reiz, den Sprung in den Leistungssport zu wagen. "Das hat mich erst zu dem Punkt gebracht, dass ich damals im Alter von 21 oder 22 Jahren gesagt habe: Mir fehlt etwas im Leben", so Lochner. Im Bob sollte er sich letztlich voll entfalten - der Rest ist olympische Geschichte.
Im Rückblick sei er von dem Einfluss des Ehrenamts auf seinen Werdegang "unglaublich beeindruckt. Ich hoffe, dass mein Kind auch einmal so jemanden findet, der uns Eltern auch gewissermaßen den Rücken freihält."
Lochner wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für Ehrenamt
Ein Punkt liegt Lochner besonders am Herzen: "Das Ehrenamt wird immer für selbstverständlich angenommen. Das ist es aber nicht - gerade in der heutigen Zeit", merkte er an. "Geld und Zeit werden immer knapper und man weiß nicht so recht, wie man alles bewältigen soll. Und dann soll man sich ehrenamtlich für fremde Kinder betätigen: Wenn man sich das durch den Kopf gehen lässt, ist das einfach nur krass."
Sein Dank könne daher kaum groß genug ausfallen. "Ich bin unfassbar froh, dass es so viele Menschen gibt, die sich derart engagieren", so der Doppel-Olympiasieger. "Und ich hoffe, dass es wieder mehr derlei Leute geben wird."
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