Das Feuer ist entzündet. Die Flamme für die Paralympischen Winterspiele ist entfacht. Im britischen Stoke Mandeville, wo 1948 erstmals Sportwettkämpfe für Kriegsversehrte ausgetragen worden waren, hatte die viermalige Paralympics-Medaillengewinnerin Millie Knight die Ehre, den symbolischen Startschuss zu geben. Die feierliche Zeremonie fand im Beisein von Andrew Parsons, Präsident des International Paralympic Committee, am Dienstagmorgen statt, bevor das Feuer vom italienischen Para-Eishockeyspieler Andrea Macri im Flugzeug nach Italien transportiert wird.
Fackellauf durch Italien
Dort beginnt am Mittwoch der Fackellauf. Über eine Strecke von 2.000 Kilometern tragen 501 Läuferinnen und Läufer die Flamme durch Italien. Dabei stoppen sie für Flammenfeste in Mailand, Turin, Bozen, Trient und Triest. Auch in den Großstädten Rom, Bari, Neapel und Bologna macht das Feuer Station. Nach Besuchen in Cortina und Venedig endet die Reise des Feuers in Verona, wo am 6. März die Eröffnungsfeier der Paralympics im historischen Amphitheater stattfindet.
Im Vergleich zu den ersten offiziellen Paralympischen Winterspielen vor genau 50 Jahren wird die Großveranstaltung dieses Jahr eine enorme Strahlkraft haben. Denn die paralympische Bewegung ist seit deren Anfängen im Februar 1976 in der schwedischen Kleinstadt Örnsköldsvik enorm gewachsen. Damals trafen sich 198 Athletinnen und Athleten, um in zwei Sportarten gegeneinander anzutreten, nur sechs davon kamen nicht aus Europa, nur 37 davon waren Frauen. Mit 32 Teilnehmenden stellte Deutschland die größte Mannschaft und gewann den Medaillenspiegel.
Kampf für mehr Teilhabe, Inklusion und Chancengleichheit
Seitdem ist die paralympische Bewegung enorm gewachsen. Bei den 14. Winterspielen werden über 650 Sportlerinnen und Sportler aus rund 50 Nationen in sechs Sportarten und insgesamt 79 Wettbewerben gegeneinander antreten. Es ist ein steiler Aufschwung und trotzdem gibt es noch Hürden. "Uns ist bewusst, dass noch viele Barrieren aus dem Weg geräumt werden müssen", sagte DBS-Präsident Hans-Jörg Michels. "Aber es lohnt sich, gemeinsam zu kämpfen für mehr Teilhabe, Inklusion und Chancengleichheit im Sport. Die Strahlkraft der Paralympics wird uns zum Erreichen der Ziele helfen."
Die mediale Aufmerksamkeit ist seit der ersten Austragung deutlich gestiegen. Damals war die Dimension eine ganz andere. "Wenn man in der Presse vorkommen wollte, musste man das auf eigene Initiative anstoßen", sagte Alexander Spitz, einer der erfolgreichsten Para-Alpinfahrer der Geschichte.
Umstrittene Teilnahme von Russland und Belarus
Mittlerweile erhalten die Medaillengewinner der Paralympics die gleichen Prämien wie olympische Athleten, die Strukturen sind professioneller, das öffentliche Interesse größer und es gibt ein nachvollziehbareres Klassifizierungssystem. Auch die finanzielle Förderung ist gewachsen, trotzdem gibt es weiter Nachholbedarf.
Einige Sportler stehen den diesjährigen Spielen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es ist die erste sportliche Großveranstaltung bei der nach vielen Jahren wieder die russische Nationalhymne erklingen wird. Die Teilnahme der Athleten unter den Flaggen von Russland und Belarus ist weiterhin umstritten.
Für DBS-Präsident Hans-Jörg Michels geht es bei den Spielen aber vor allem darum, Hindernisse gemeinsam zu überkommen. "Die Paralympics haben schon eine gewisse Kraft, um die Einstellung in der Gesellschaft und generell Barrieren zu überwinden", betonte Michels. Das im ewigen Medaillenspiegel immer noch auf Rang eins liegende Team D solle diese enorme "Strahlkraft des Parasports mit mitreißenden Leistungen entfalten".
Mit Material von SID.
